Speyer Probleme erkannt, mutig gehandelt

„Solidarität der Gesellschaft muss sich in Zukunft noch stärker beweisen.“ Der Speyerer Kurt Waas, früherer Betriebsratschef der Flugzeugwerke, ist längst im Ruhestand. Das bedeutet nicht, dass er zur Ruhe gekommen ist als Kämpfer für Gerechtigkeit. Jetzt hat er einen Arbeitskreis „Zukunft Dialog Speyer“ initiiert.
Bei der Entwicklung der Arbeitswelt dürften soziale Gesichtspunkte nicht außer Acht gelassen werden, so Waas gestern bei der Vorstellung der Initiative in den Räumen der Gabis GmbH in der Lessingstraße. Wichtige Themen wie bedingungsloses Grundeinkommen und Digitalisierung müssten gesellschaftspolitisch, nicht parteipolitisch behandelt werden. In Arbeitskreisen, Betrieben sowie in Gesprächen mit Vertretern von Gewerkschaften und Verwaltung müsse darüber fundiert diskutiert werden, sagte Waas, der ehemals Mitglied im Gesamtbetriebsrat von Airbus war. Dabei stelle sich die Frage, so Waas, ob Arbeitszeitverkürzungen, bedingungsloses Grundeinkommen, eine Rentenreform und ein Umbau des Sozialstaates Lösungsansätze seien, um die Zukunft gestalten zu können. Mitglieder des Arbeitskreises – beim Pressegespräch dabei waren Bürgermeister a.D. Hanspeter Brohm, Hans-Joachim Spengler (früherer Vorstand bei PFW Aerospace), Günter Hoetzl (IG Metall) und Thomas Cantzler (Gabis) – hätten sich intensiv mit diesen Themen beschäftigt, betonte er. Bei der Gründung des Arbeitskreises „Zukunft Dialog Speyer“ habe, so Brohm, Klarheit darüber bestanden, dass man von Speyer aus die Bundespolitik nicht ändern könne. Dennoch solle an der öffentlichen Diskussion teilgenommen werden. Waas: „Damit keiner sagen kann, wir hätten die Probleme nicht erkannt oder nicht den Mut gehabt, Gründe, Ursachen und Folgen auszuarbeiten und in der Öffentlichkeit zu diskutieren.“ Geplant ist nun ein Treffen am Freitag, 14. Juni, 13.30 Uhr, bei den Stadtwerken Speyer. Hajo Weber vom Imo-Institut und Hans-Jürgen Urban, ein Vorstandsmitglied der IG Metall, sollen dabei die Auswirkungen technischer Entwicklungen auf Betriebe und Verwaltungen behandeln. Am 5. November nehme Wolfgang Kessler (Chefredakteur „Publik Forum“) Stellung zum bedingungslosen Grundeinkommen. Die Fragestellung laute: Problemlöser oder Scheindebatte? Ende Dezember sollen laut Waas in einer Klausurtagung mit Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppierungen ein Zustandsbericht und Lösungsansätze erarbeitet werden.