Speyer
Probelauf gelingt: Wieder Licht am Dom
Die beauftragten Handwerker waren fleißig. Die längst bestellten, aber lange nicht gelieferten Bodenstrahler sind inzwischen rund um den Dom eingebaut worden. Am Mittwoch fanden Programmierungsarbeiten und ein Probelauf statt. Am Abend wurde erfolgreich versucht, nach rund zwei Monaten Unterbrechung zunächst die Westfassade wieder zu beleuchten. Künftig sollen alle verfügbaren Lampen bei Dämmerung in Betrieb gehen. „Die Steuerung ist sehr komplex“, so eine Sprecherin des Domkapitels vor dem Probelauf. Domtechniker Martin Baron zeigte sich danach zufrieden: „Keine Leitungsschäden, alles funktioniert wie erhofft.“ Im oberen Bereich stünden zwar noch Reparaturen an, das sei aber zu erwarten gewesen.
Dass die romanische Kathedrale, die sich über die Innenstadt und derzeit auch den Weihnachtsmarkt erhebt, zuletzt unbeleuchtet war, hat Kritik hervorgerufen. Diese sei berechtigt, hat das Domkapitel mit Verweis auf die im April gestartete und seither länger als erwartet dauernde Sanierung eingestanden. In deren Verlauf waren die insgesamt 41 Strahler komplett außer Betrieb genommen worden, weil sie nicht mehr einzeln ansteuerbar waren und das Welterbe somit uneinheitlich beleuchtet war. Wenn Speyer jetzt wieder ein Licht aufgeht, soll der Zustand erreicht werden, der 2016 nach langer Vorarbeit und dank Geld von Kaiserdom-Stiftung, Stadt und weiteren Spendern als Erfolg gefeiert worden war. 2022/23 war die Dombeleuchtung zeitweise wegen der Energiemangellage außer Betrieb.
Dynamische Steuerung
„Ziel der neuen Außenbeleuchtung ist vor allem die Erneuerung der in die Jahre gekommenen Technik“, schrieb seinerzeit das Domkapitel über das 600.000-Euro-Projekt. „Die neuen LED-Lichtquellen bringen zum einen eine sehr viel höhere Energieeffizienz mit sich und ermöglichen gleichzeitig eine dynamische Lichtsteuerung, die den Tages- und Nachtzeiten angepasst ist.“ Außerdem betone die neue Beleuchtung die Plastizität der einzelnen Bauteile, die für die romanische Kathedrale so charakteristisch seien. Stadt und Domkapitel stimmten sich mit Beleuchtungsexperten zu den Details ab und vereinbarten, sich die Betriebskosten zu teilen.
Es gab Lob für die neue Strahler-Technik – aber nicht nur. Teilweise wurde das Licht als zu kalt empfunden. Die Leistungsgemeinschaft Das Herz Speyers thematisierte das immer wieder, der seit fast fünf Jahren amtierende Vorsitzende Peter Bödeker verstärkte zuletzt auch den medialen Druck. „Das ist eine kühle Architekturbeleuchtung“, sagt er etwa. Er und viele Geschäftsleute wünschten sich hingegen gerade in der Vorweihnachtszeit etwas „Anheimelndes, Warmes“, das die Besucher anziehe. „Die Leistungsgemeinschaft wäre auch bereit, das zusammen mit dem Dom, der Stadt und weiteren Sponsoren wieder zu finanzieren.“
Domschweizer als Beleuchter
Bödeker erinnert an frühere Jahre, in denen es eine aus seiner Sicht bessere Lösung gegeben habe. Der damalige Domschweizer Bernhard Volk habe selbst eine Technik angeschafft und installiert, die über eine Schwerpunkt-Beleuchtung vor allem der romanischen Bögen den erwünschten Effekt erzielt habe. „Das wurde jedes Jahr auf- und wieder abgebaut und hat circa 25.000 Euro gekostet.“ Als es dann um eine dauerhafte Lösung gegangen sei, habe das Domkapitel anders geplant und letztlich die heutige Beleuchtung entwickeln lassen. Die Leistungsgemeinschaft habe stattdessen ihr Geld für eine dauerhafte Beleuchtung des Altpörtels gegeben.
Volk hatte gegenüber der RHEINPFALZ von ersten Experimenten in den Jahren 1997/98 berichtet, bei denen er zu kirchlichen Feiertagen gezielt einzelne Architekturteile der Bischofskirche beleuchtete. Ein weitergehender Auftrag des Domkapitels sei letztlich nicht zustande gekommen. Er sei aber aktiv geblieben und habe für die Dombeleuchtung sogar einen eigenen Bühnenbau-Betrieb angemeldet, so Volk. Er zog Kabel, stellte Strahler auf, kaufte immer wieder selbst Ausrüstung und ging damit auch finanziell ins Risiko. Beim Weihnachtsmarkt 2004 und in den Folgejahren erstrahlte der Dom besonders hell, danach griffen andere Lösungen.
Mit der Grundidee von damals und der Technik von heute könnte viel bewirkt werden, meint Handelssprecher Bödeker. Moderne LED-Leuchten senkten die Betriebskosten deutlich. Auch eine breitere Farbpalette könnte dabei eine Rolle spielen, sagt er. Frankreich mache es vor, dort gebe es keine Scheu, auch Kathedralen anlassbezogen bunt zu beleuchten. Laut Domtechniker Baron sind bei der Farbtemperatur derzeit keine Änderungen geplant. Die Helligkeit könne aber variiert werden: Eine Idee sei, sie in der Adventszeit möglichst hell (wie aktuell) leuchten zu lassen, in der Fastenzeit hingegen nicht so sehr.