Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Preisgekröntes Polarlichter-Foto: Drei Stunden für die Ewigkeit

Das Siegerfoto: der Reiserberg und die Polarlichter.
Das Siegerfoto: der Reiserberg und die Polarlichter.

Die 1989 gegründete Fotogruppe Speyer steht für ambitionierte, künstlerische Fotografie und will bekannter werden. Dazu tragen die Ausstellungen eigener Werke bei, mit denen sie an frühere Erfolge anknüpfen möchte. Aber auch ein Hingucker wie das preisgekrönte Polarlichter-Foto von Mitglied Georg Beck (Böbingen) hat das Zeug dazu …

Georg Beck ist schon lange ein begeisterter Fotograf. Früher konkurrierte dieses Hobby noch mit dem Mountainbiken. Seit der Böbinger als Chemielaborant im Ruhestand ist, geht er zunehmend professioneller an die Sache. So war es auch vor dem Foto, mit dem er im Dezember den Wettbewerb „Stille der Nacht“ der Fachzeitschrift „Foto Hits“ gewonnen hat. Die Polarlichter, die im Mai 2024 durch einen schweren geomagnetischen Sturm auch in der Pfalz sichtbar wurden, waren an sich schon eine Sensation. Die Art und Weise, wie er das Farbenspiel auf dem 448 Meter hohen Reiserberg bei Schallodenbach (Landkreis Kaiserslautern) festhielt, macht sie zusätzlich spektakulär.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Zur Wirkung trägt bei, dass Beck seine Objektive hinter den Sandsteinen der Sonnenuhr auf dem Reiserberg in Position brachte und die Steine mit einer starken Taschenlampe anleuchtete, damit diese das Farbenspiel ergänzten. Drei Stunden lang fotografierte er schließlich mit zwei Kameras, was das Zeug hielt. Den faszinierenden Wechsel zwischen vor allem grünen und violetten Schattierungen hat er auch in zwei Zeitraffern zusammengefasst. „Ich dachte, es ist jeden Augenblick vorbei, aber es hat und hat nicht aufgehört“, sagt der 62-Jährige, immer noch beseelt von jener Maiennacht. Er selbst habe die Farben vor Ort nicht so intensiv wahrgenommen, wie sie auf die Speicherkarte gebannt waren: „Das werde ich immer wieder gefragt. Das menschliche Auge erkennt das in der Dunkelheit aber nicht auf dieselbe Weise.“

Mehr als „nur“ die Milchstraße

Eigentlich hatte er an diesem Abend die Milchstraße fotografieren wollen, erzählt Beck. Der begeisterte Astrofotograf hatte den geeigneten Ort schon ein halbes Jahr zuvor „ausgekundschaftet“: Der Blick an den Himmel nach Norden sei in diesem Bereich der Westpfalz ziemlich lichtarm, die Erhebung des Reiserbergs besonders geeignet. Kurz bevor er sich ins Auto setzte, habe er gehört, dass zusätzlich Polarlichter zu erwarten seien. Bei der Ankunft hätten zwei Fotografen, die gerade vom Berg herabkamen, seine Euphorie zunächst gebremst: „Du hat es verpasst.“ Zum Glück hätten sie sich geirrt. Die technischen Werte von Becks Meisterwerk: Brennweite 15 Millimeter, Verschlusszeit 4 Sekunden, Blende f2,5, ISO 2500. „Vollformatkamera, lichtstarkes Objektiv, Weitwinkel, und man darf nur so lange belichten, dass die Sterne als Punkte erscheinen und nicht als Striche“, erläutert Beck.

In der Fotogruppe, einem von Karl-Michael Frenzel geführten Verein mit 35 Mitgliedern, kommt Beck seit zwei Jahren mit weiteren Foto-Enthusiasten zusammen. Er wirkt außerdem in einer Fotogruppe der Volkshochschule Edenkoben mit, liest Fachbücher und regelmäßig zwei Fachzeitschriften über sein großes Hobby. Auch Makro- und Naturfotografie bilden dabei Schwerpunkte. Zu bewundern sind seine Motive immer wieder bei den Wetterbildern des SWR, bei Kalenderwettbewerben und in den Kalendern „Farben der Pfalz“, die er privat bestückt und gerne verschenkt. Im Ruhestand hat der ehemalige BASF-Mitarbeiter auch kein Problem mehr mit den besonderen „Arbeitsbedingungen“ zu allen Tagen- und Nachtzeiten: „Ich schlafe zwei Stunden vor und gehe dann in den Pfälzerwald zum Sterne fotografieren.“

Ausstellungen geplant

Beck kommt gerne zu den Monatstreffen der Speyerer Fotogruppe an jedem ersten Dienstag im Monat (19.30 Uhr) im Hotel Löwengarten. Er begegnet dort – sowie bei gemeinsamen Vorträgen, Ausstellungsbesuchen und Fotoreisen – Gleichgesinnten wie dem Speyerer Claus Marschner (66), als promovierter Chemiker einst ein Arbeitskollege von ihm. Marschner berichtet von großen Plänen der Gruppe in diesem Jahr. „Kreative Fotografie – von real bis abstrakt“ wird ihre Ausstellung von 9. Mai bis 1. Juni in der Maximilianstraße 99 heißen. Mit „Visuelle Poesie – Naturfotografie inspiriert durch Haiku“ soll ab 13. Juni beim Künstlerbund gleich nachgelegt werden. Damit wird an die Tradition der meist jährlichen Präsentationen angeknüpft, die in der Pandemie eingerissen war. Makrofotografie-Fan Marschner ist seit 2016 dabei, Beck seit 2022. Von Mitte 30 bis 80 Jahre reicht die Altersspanne. Neuzugänge sind stets willkommen.

Kontakt

www.fotogruppe-speyer.de; E-Mail fotogruppe@fotogruppe-speyer.de

Der Fotograf: Georg Beck ist stolz auf sein Motiv.
Der Fotograf: Georg Beck ist stolz auf sein Motiv.
x