Speyer Praxistest für Pflegekräfte

Nachfragen im „Diak“: Die Bundespolitiker Paul Ziemiak (blaues Hemd) und Johannes Steiniger (graues Hemd) informieren sich bei (
Nachfragen im »Diak«: Die Bundespolitiker Paul Ziemiak (blaues Hemd) und Johannes Steiniger (graues Hemd) informieren sich bei (von links) Krankenpflegerin Anni Kasten, Simon Jäger (stellvertretender Pflegedirektor) sowie den Auszubildenden Anastasila Lykhina, Iris Handersen und Bahar Köse.

Die Lernstation des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses hat gestern zwei CDU-Politiker auf den Plan gerufen. Auf ihrer Sommertour haben sich Paul Ziemiak, Bundesvorsitzender der Jungen Union, und Johannes Steiniger, nach Berlin abgeordnet vom Wahlkreis Neustadt-Speyer, von der praktischen Modell-Ausbildung begeistern lassen.

Seit Juni vergangenen Jahres sind nach Angaben von Tanja Schaller, Leiterin der Pflegerischen Schulen der Diakonissen Speyer-Mannheim, zwei sogenannte Lernstationen in der Kinderklinik und in der interdisziplinären Privatstation fest installiert. Dem Pilotprojekt ist das Modell „Schüler leiten eine Station“ am Standort Spitalgasse vorausgegangen. Die Ausrichtung der „Diak“-Lernstationen sei bisher in Deutschland einmalig, betonte Projektleiter Simon Jäger. Die Grundlagen seien hausintern entwickelt worden. Ziel sei die Heranführung der Azubis an vielfältige Pflege-Aufgaben, Lernen unter realen Bedingungen, Erfassung komplexer Zusammenhänge, Motivation und Begeisterung für den Beruf. „Acht Wochen Praxis auf der Lernstation in jedem Ausbildungsjahr haben mir Sicherheit gegeben“, beschrieb Auszubildende Bahar Köse ihre Entwicklung zur kompetenten Pflegekraft. Anastasila Lykhina berichtete vom eigenen Azubi-Arbeitsraum samt Fachliteratur und Computer auf jeder Lernstation. „Unsere Einblicke in OP, Notaufnahme und Patientenverwaltung erwecken manchmal Neid bei Azubis anderer Einrichtungen“, sagte Iris Handersen. „Wir fahren hier kein Standardprogramm“, wies Pflegepädagogin Anja Feist auf individuelle Lernangebote hin. Knapp 1000 der 2500 praktischen Pflichtstunden in drei Ausbildungsjahren verbrächten die derzeit 160 Schüler auf den Lernstationen, berichtete ihre Kollegin Sophie Busalt. Besonders hob sie die 1:1-Begleitung mit jeweils Pflegekraft oder Praxisanleiter hervor. Auch die gute Vorbereitung der Azubis auf kulturelle Unterschiede der Patienten sei auf der Lernstation möglich, sagte Feist. Im ersten Ausbildungsjahr stehen demnach Körperpflege, Patientenkontakt, Prophylaxen, Vitalzeichenkontrolle und allgemeiner Stationsablauf auf dem praktischen Lehrplan. Im zweiten Jahr geht es um Infusionsmanagement, OP-Pflege, Wunden und Verbände, Medikamente sowie Krankheitsbilder. Vor dem Examen sammeln die Schüler organisatorische Erfahrungen bei Aufnahme und Entlassung, Anordnungen, Nachversorgung und Prüfungsvorbereitung. „Die Patienten fühlen sich von den Schülern gut betreut“, berichtete Jäger von durchweg positiver Resonanz auf die hoch motivierten Azubis. Thomas Gebhart, CDU-Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, hat sich am Freitag in der Hebammenschule der Speyerer Diakonissen über das erfolgreich angelaufene duale Ausbildungsprojekt mit Bachelor-Studiengang informiert.

x