Speyer
Postgalerie: Pläne für Kuppel und Turm wackeln
„Wir sind voll im Zeitplan“, sagt Philipp Weitzel, als er durch das 119 Jahre alte Gebäude führt. Er ist Projektleiter für die von seinem Vater Rüdiger Weitzel geführte Erwe-Firmengruppe, deren Erwe Immobilien Retail Projekt 222 GmbH in Speyer die 2017 gekaufte Immobilie betreut. 2012 ist die frühere Oberpostdirektion als Einkaufszentrum eröffnet worden, hat jedoch seither einige Auszüge erlebt. Die Weitzels und ihr Architekt Helmut Rübsamen (Form A/Köln) sehen große Chancen im Projekt – gerade wegen der geplanten Änderungen. „Eine Wucht“, schwärmte Rübsamen, als er 2018 der Politik die geplante gläserne Aussichtsplattform vorstellte.
Noch ist es staubig in den langen Fluren, aber das Hotel nimmt nach monatelangen Umbauarbeiten Formen an. Die ersten 54 Zimmer hat Erwe vorige Woche an Amedia übergeben, die restlichen 63 in zwei Flügeln und zwei Stockwerken sollen in den nächsten Wochen folgen, berichtet Weitzel. Türen, Bäder, Boden- und Wandbeläge sind schon drin. „Amedia möbliert nun alles. Die sind flott“, erklärt Weitzel.
Eröffnung im Herbst
Dort, wo Rezeption und Lobby hinkommen, sind noch Wände offen und Kabel lose. Bauarbeiter schieben gefüllte Paletten hin und her. Auch hier ist Weitzel völlig entspannt: Alles werde rechtzeitig fertig. Der Hotel-Zugang erfolgt von den Arkaden an der Ecke Bahnhof-/Mathäus-Hotz-Straße aus, dann geht es per Treppe oder Aufzug ein Geschoss nach oben, wo acht frühere – zuletzt überwiegend unvermietete – Ladeneinheiten für die Lobby und drei Konferenzräume genutzt werden. Die Rezeption kommt unter das Glasdach, dorthin, wo einst die ausgebaute Rolltreppe endete.
Darunter, an der früheren Bäckerei-Stelle, entsteht das Restaurant: Amedia will hier nicht nur Hotelgäste, sondern auch andere Hungrige und Durstige bewirten. Dieser Bereich liegt direkt hinter der Staubwand, auf die Kunden der Einkaufsmall seit Monaten blicken. Künftig soll eine Glaswand die beiden Bereiche trennen. Hotel und Lokal öffnen zum 1. Oktober, wenn nichts mehr dazwischenkommt, so Amedia. Buchungen sind schon möglich. Im Juni liefen die Bewerbungsverfahren für rund 25 neue Arbeitsplätze.
„Abhängig von der Vermietung“
Und wie plant Erwe weiter? „Wir haben die Baugenehmigung für das Gesamtprojekt, aber was genau gemacht wird, ist abhängig von der Vermietung“, sagt Philipp Weitzel. Der neue Eingang vom Postplatz her mit langgezogener Rampe und tieferen Fenstern sei zuerst an der Reihe. Parallel gehe es um die Struktur der Mall. „Hier wird es noch Veränderungen geben“, sagt er. Es gebe wieder einmal Interessenten, aber er könne wohl erst bis Jahresende Näheres sagen. Der Corona-Lockdown habe die Situation für den Handel nicht einfacher gemacht.
Ein Lebensmittelgeschäft, Textil- und Drogeriemärkte stehen weiterhin auf der Wunschliste. Für viele der heutigen 18 Mieter (2012 waren es rund 40) laufen die Verträge 2022 aus – auch dazu müsse bald verhandelt werden, sagt Weitzel, der optimistisch ist, dass H&M als größter Geschäftsmieter bleibt. Auch für das seit Jahren gewünschte verbesserte Werbekonzept liege die Erlaubnis vor. Zum Beispiel Fahnen und Digitalwerbung könnten die Aufmerksamkeit für die Galerie erhöhen, wenn die Mieter dies wünschen.
Gastronomie geplant
Überhaupt, die Mieter. Von ihnen hängt auch ab, ob die Aussichtsplattform „Storchennest“ und die zusätzlich geplante Glaskuppel gebaut werden. Das wären aber die Abschnitte 3 und 4, so Weitzel. Die Plattform könnte kommen, wenn es einen Gastro-Mieter gibt, deutet er an. Noch zurückhaltender äußert er sich zur Kuppel. Auf 70 mal 18 mal elf Meter sollte diese eine zusätzliche Ebene bieten. Mieter? Fehlanzeige. „Ist zurückgestellt“, so Weitzel über diesen Teil der Pläne. Ein Lokal war auch unter der Kuppel geplant; kurzfristiger soll die Gastronomiefläche, die an die Säulenhalle angrenzt, wiederbelebt werden.
Daten & Fakten: Projekt Postgalerie
Werte von 20 bis 40 Millionen Euro hat Erwe bisher als Investitionssumme angeführt. 14 Millionen Euro will Amedia ins Hotel investieren: 5258 der 17.028 Quadratmeter Postgalerie wird dieses umfassen. 1228 sind für Gastronomie, 7040 für Einzelhandel vorgesehen. Dazu kommen 1390 für Dienstleistungen und stark reduzierte 107 für Praxen und Büros. Dieser Sektor hatte 2018 die anteilig größten Leerstände (62 Prozent; Galerie gesamt: 33 Prozent).
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Auf der Kippe
Das Postgalerie-Hotel könnte im Oktober reibungslos an den Start gehen. Mehr Diskussionen wird es über die Handels- und Gastronomieflächen geben. Hier steht die gute Nachricht über große neue Mieter weiter aus. Bedauerlich wäre, wenn wegen fehlender Resonanz der Glasaufzug und die Kuppel als innovativste Bestandteile der Pläne gekippt würden.