Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Postgalerie: Muss bei Zugang weiter nachgebessert werden?

Zugang vom Postplatz aus: links der Hebelift, rechts die Rampe mit Warnschild wegen der Steigung.
Zugang vom Postplatz aus: links der Hebelift, rechts die Rampe mit Warnschild wegen der Steigung.

Der barrierefreie Zugang zur Postgalerie war 2024 ein großes Thema, als die Rampe von der Gutenbergstraße wegfiel. Dann wurde nachgebessert. Aber noch immer gibt es Klagen.

Nein, die Besuche beim Augenarzt mit ihrer 91-jährigen Mutter seien keine entspannte Sache, sagt die Frau aus dem Speyerer Umland. Das liege nicht an der Behandlung, sondern am Zugang zur Postgalerie, in der die Arztpraxis angesiedelt ist. Ihre Mutter sei auf den Rollstuhl angewiesen – und damit gelange man nicht immer problemlos in das Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. 2024 wurden nach Beschwerden zwar Plattform-Aufzüge an den Zugängen vom Postplatz und von der Bahnhofstraße aus installiert, aber deren Bedienung sei eine Herausforderung.

„Es gibt einen kostbaren Schlüssel, der muss geholt werden“, erzählt die Tochter, die aus den vergangenen Monaten mehrere gescheiterte Versuche in Erinnerung hat – kein Einzelfall, es gab auch andere Betroffene. Einmal habe sie zum Glück eine Putzfrau gefunden und den Schlüssel erhalten, so die Tochter. Gerade in dieser Woche habe sie einen Handwerker in der Mall angesprochen – und der habe mit einem Trick aushelfen können, sodass sie als Begleitperson den Aufzug am Hauptportal sogar ohne den eigentlich vorgeschriebenen Euroschlüssel bedienen konnte. „Und diese Erkenntnis nach fast zwei Jahren! Es war wie Weihnachten und Ostern an einem Tag“, so die Frau sarkastisch.

Stress für Mutter und Tochter

Insgesamt sei es kein Zustand, wenn sie für den regelmäßigen Weg in die Praxis und wieder hinunter jeweils eine Viertelstunde extra einplanen müsse. „Auch für meine Mutter bedeutet das Stress.“ Zum Glück habe auch schon Personal aus der Arztpraxis geholfen, aber das habe ja eigentlich andere Aufgaben. Das bestätigt Praxisinhaber Helmut Grimm. Im Allgemeinen sei der Zugang zu dem Standort im Obergeschoss kein Problem, und man könne sich gegenseitig unterstützen. Er rät zum Weg durch den Haupteingang, wo es zusätzlich eine – wenn auch mit 24 Prozent Steigung recht steile – Rampe gebe. In den Aufzug am Eingang Bahnhofstraße 4 hat auch er kein Vertrauen: „Der funktioniert selten.“

Die Speyerer FDP hat die Situation, auf die auch der städtische Behindertenbeauftragte Rhett-Oliver Driest schon mehrfach hingewiesen hat, zum Thema einer Anfrage für die Sitzung des Stadtrats am Donnerstag, 12. März (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal), gemacht. „In den vergangenen Monaten häuften sich die Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern über die unzureichende Barrierefreiheit der Postgalerie“, heißt es darin. Verlangt werden Einschätzungen der Stadt unter anderem zu wiederkehrenden Ausfällen der Aufzüge.

Stadt sieht Defizite

Die Stadt Speyer, bei der auch die Bauaufsicht angesiedelt ist, teilt die Kritik teilweise. Sie sieht in der Postgalerie „weiterhin Defizite beim barrierefreien Zugang sowie bei den Rettungswegen und der Beschilderung“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Um Details werde es in der Ratssitzung gehen. Hinsichtlich der Rettungswege und der Beschilderung stehe die Verwaltung bereits mit dem Betreiber im Gespräch. Ziel sei, „entsprechende Verbesserungen zu erreichen“.

Ein Postgalerie-Sprecher bestätigt auf Anfrage den Austausch mit der Stadt. Anfang März habe ein Ortstermin stattgefunden, nach dem konkrete Punkte angepackt würden: Am Zugang in der Bahnhofstraße gehe es um eine bessere Beschilderung und Bedienungsanleitung sowie die Prüfung, ob der Einsatz eines automatischen Türöffners umsetzbar wäre. Für den Postplatz sei vorgeschlagen worden, den Treppenlift für Rollatornutzer ohne Euroschlüssel nutzbar zu machen. Behindertenbeauftragter Driest habe jedoch für den Schlüssel plädiert, um unbefugte Nutzungen zu vermeiden.

Die Betreiber betonen ihre mehrfache Abstimmung mit Driest und der Stadtverwaltung und sehen bei den Aufzügen und der Beschilderung der Rettungswege selbst keinen Nachholbedarf. Die Zugänge seien optimiert worden, die Aufzüge „voll einsatzfähig“, was ein Ortstermin am 19. Februar bestätigt habe: „Die eingebauten Hebelifte am Postplatz und am Eingang der Bahnhofstraße sind zertifiziert und gewartet. Es gibt keinen bekannten höheren Standard an Verlässlichkeit.“ Alle Barrierefreiheitsstandards aus der Baugenehmigung für das 2025 eröffnete Lokal Wilma Wunder, mit dem die Eingangssituation überplant worden sei, seien erfüllt und abgenommen. Der Sprecher erinnert auch an den Teil-Rückbau des zeitweise vom Behindertenbeauftragten ebenfalls bemängelten Freisitz-Podests vor der Galerie. Die Postgalerie gehört der KSLK Trust GmbH und wird von der Frankfurter Erwe Immobiliengruppe betrieben.

Einkaufs- und Dienstleistungszentrum: Postgalerie.
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Beschilderung zum Aufzug in der Bahnhofstraße.
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Bahnhofstraße: umstrittener Lift.
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