Speyer
Post-Chaos: Irgendwas mit Nonnen ...
Andreas Reh selbst wohnt in der Straße Am Nonnengarten, seine unangemeldete Besucherin, die einen Stapel Briefe dabei hatte, Am Nonnenbach. Beide eint dieselbe Hausnummer, aber die Nachnamen sind gänzlich verschieden. „Die Frau erklärte mir, dass sie seit Monaten immer wieder Post von uns in ihrem Briefkasten habe. Was nach Werbung aussah habe sie entsorgt, anderes immer mal wieder bei mir eingeworfen. Und manchmal habe sie dem Postzusteller die falsch zugestellten Sendungen wieder mitgegeben“, berichtet Reh. Im jetzt überbrachten Stapel sei sogar eine Kreditkarte mit der zugehörigen PIN gewesen. Nicht auszudenken, was da hätte passieren können, wenn diese sensible Post in Händen mit krimineller Energie gelandet wäre.
Reh hatte in den vergangenen Jahren immer mal wieder Beschwerden bei der Post eingereicht, „so sieben bis acht Mal“, schätzt er. Seit einem dreiviertel Jahr sei dann kaum noch Post bei ihm angekommen“, sagt der Speyerer. Auch seine Am Nonnenbach wohnhafte Besucherin habe sich schon bei der Post direkt beschwert. Inhaltliche Rückmeldungen gab es für beide Parteien mit dem Verweis auf interne Prüfungen und Maßnahmen keine, sagt Reh. Gebessert habe sich – wenn überhaupt – die Situation jeweils nur kurzfristig. Meist dann, wenn der reguläre Zusteller im Bereich Am Nonnengarten unterwegs war. „Mir wurde gesagt, dass die Zusteller die Briefe nicht sortieren, sondern das von Maschinen im Verteilzentrum gemacht werde“, berichtet Reh. Er bezweifelt dies: „Maschinen machen erfahrungsgemäß weniger Fehler als Menschen.“
Frustrierter Verbraucher
Nun hat sich Reh frustriert an die Bundesnetzagentur und diese Zeitung gewandt. Bei der Deutschen Post gab sich Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek am Telefon zunächst irritiert, verwies wieder auf die maschinelle Sortierung der Briefe und erklärte: „Wenn ein Zusteller mehrfach auf den gleichen Fehler hingewiesen wird und es nicht versteht, dann ist er nicht mehr bei der Post.“ Der Pressesprecher des Konzerns versprach aber eine gründliche Überprüfung des Sachverhalts.
Einige Tage später meldete sich Thomeczek dann wie angekündigt schriftlich mit den Ergebnissen. Die Straßen Am Nonnengarten und Am Nonnenbach gehören zum gleichen Bezirk, heißt es da. In diesem Bezirk habe es häufige Wechsel der Zusteller gegeben, was im Normalfall kein Problem darstelle, aber da – auch aufgrund Corona-bedingter Ausfälle – Vertretungskräfte und Aushilfen eingesetzt wurden, die den Bezirk nicht kannten, könnten Fehler in der Zustellung erfolgt sein.
Gangfolgemaschine intakt
Dennoch bleibt vor allem die Masse der falsch zugestellten Sendungen auch für Thomeczek ein Rätsel. Er erklärt, dass die „Gangfolgemaschine“ in Ludwigshafen bereits 95 Prozent der Sendungen in die Reihenfolge sortiert, wie sie der Zusteller dann später abgeht. Lediglich großformatige Briefsendungen würden von Hand in Speyer sortiert. Weshalb dann doch offenbar so viele Standardbriefe nicht richtig ankamen, kann Thomeczek nicht erklären. „Da müsste ein Zusteller ja bewusst einen Stapel Briefe in seiner Tasche umsortieren. Wer macht so etwas?“, fragt er rhetorisch.
Die Gangfolgemaschine im Briefzentrum Ludwigshafen habe man jetzt überprüft und keine Fehler festgestellt. Auch weitere Maßnahmen habe die Deutsche Post umgesetzt: „Die Mitarbeiter vor Ort wurden nochmals belehrt, dazu wurde eine ,Merkkarte’ an den Verteilspind gehängt und diese Information in den Scanner des Zustellers eingepflegt“, erklärt der Pressesprecher, der um Nachsicht für solche „Einzelfälle, die immer ein Ärgernis für beide Seiten“ darstellten, bittet.
Vermeidbare Mahnung
Reh sagt, er habe am Tag nach seiner Beschwerde mehr als zehn Sendungen erhalten, teilweise aber mit einem Versanddatum von Mitte August, und auch wieder eine Mahnung, zu der ihm keine Rechnung vorlag. Er habe den Zusteller angesprochen und – obwohl dieser sich nicht zu dem Vorgang äußern wollte – herausgehört, dass ihm „unsere Beschwerde nicht ganz unbekannt gewesen“ sei. Der Mann habe allerdings „angedeutet“, dass „das Problem jetzt wohl gelöst wird“. Reh sagt dazu: „Warten wir mal ab.“
Kontakt
Haben auch Sie Probleme mit Falschzustellungen? Die Deutsche Post bittet darum, diese unter Telefonnummer 0228 4333112 zu melden, wenn möglich immer mit dem konkreten Datum. So könne vor Ort bei der sogenannten Zentralen Betriebsstelle nachgeforscht werden.