Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Porträt: Gewichtheber Simon Brandhuber

Sein Höhepunkt: Simon Brandhuber bei den Olympische Spielen in Japan.
Sein Höhepunkt: Simon Brandhuber bei den Olympische Spielen in Japan.

Er ist einer der Stars des deutschen Meisters AV 03 Speyer. Dahinter steckt mehr, als nur große Lasten zur Hochstrecke zu bringen. Simon Brandhuber hat noch ehrgeizige Ziele.

Etliche Medaillen hat Simon Josef Brandhuber (31) in seiner Karriere als Gewichtheber schon gewonnen in den Klassen Bantam- bis Mittelgewicht, zuletzt bei den Europameisterschaften 2022. Auch bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 war er dabei. Der Erfolg ist aber mit Disziplin und entsprechender Ernährung hart erarbeitet.

„Ich war immer sehr, sehr klein und deshalb ein Kandidat zum Gehänseltwerden“, erzählt der Profi. „Deshalb riet mir mein Vater, mich zu wehren. Also fing ich mit Judo an.“ Und da packte ihn der Ehrgeiz – er wollte immer besser werden und Wettkämpfe gewinnen.

Papas Rat

Um seine geringe Größe ausgleichen zu können und an Muskeln zuzulegen, setzte er den Vorschlag seines Vaters um und fing mit Gewichtheben an. „Wir hatten Hanteln im Keller.“ Das Gewichtheben sei ihm schon damals sehr leicht gefallen. „Ich hatte viel Spaß.“

Daraufhin betrieb er mehrere Jahre Gewichtheben und Judo parallel, bevor er mit dem Mattensport aufhörte und sich den Hanteln als Leistungssport zuwandte. Als Kind war vor allem Techniktraining wichtig und athletische Disziplinen wie Sprinten und Kugelwerfen: „Athletik ist grundlegend für erfolgreiches Gewichtheben.“

Tragende Säulen

Brandhuber: „Alles andere erarbeitet man sich Stück für Stück.“ Tragende Säulen sind auch die Ernährung und das Regenerationsmanagement. „Ich ernähre mich nicht vegetarisch oder vegan. Das hat bei mir nicht funktioniert.“ Eiweißlastig muss die Ernährung sein. Außerdem steht die Qualität der Nahrungsmittel im Vordergrund.

„Kein Billighühnchen vom Discounter, dafür Fleisch vom Metzger.“ Das A und O sei das Trinken. „In den heißen Phasen trinke ich fünf bis sechs Liter pro Tag.“ Da laufen zum einen die biochemischen Prozesse viel besser, und zum anderen sei etwas im Magen, wenn man Hunger hat.

Viel Training

Denn Brandhuber darf nur sechs Prozent Körperfett auf die Waage bringen und muss seine Gewichtsklasse halten. Das ist momentan das Bantamgewicht bis 61 Kilogramm. Regeneration – „alles, was Kopf und Körper gerade brauchen“ – ist ebenfalls wichtig.

Acht bis neun Trainingseinheiten pro Woche mit insgesamt viereinhalb Stunden pro Tag in zwei Etappen verlangen nach einem Ausgleich. „Das hilft, fit für die nächste Trainingseinheit zu werden.“ Wegen Trainingslagern und Wettkämpfen müsse er Kompromisse im Privatleben eingehen. „Es ist, wie es ist. Dafür genieße ich unglaubliche Privilegien.“

Seine Unterstützer

Der Star des AV 03: „Mein Leben würde ich nicht tauschen wollen.“ Froh und sehr dankbar ist Brandhuber für die Unterstützung auf seinem Weg. Ohne seinen Vater und insgesamt seine Familie wäre er „nicht so weit gekommen“ – vor allem in den Phasen am Anfang, die auch frustrierend für ihn waren.

„Außerdem hatte ich tolle Trainer auf meinem Weg, die mir viel beigebracht haben. Ein großer Dank geht auch an meinen Arbeitgeber Bundeswehr und die Deutsche Sporthilfe.“ Gerade ohne die Bundeswehr wäre seine Leistungskarriere nicht möglich gewesen. Und die beschert ihm nicht nur Erfolgserlebnisse, sondern auch Selbstbewusstsein.

Direkte Bestätigung

„Meine allererste Medaille im Seniorenbereich war einfach unglaublich, eine Bestätigung, dass ich oben angekommen und auf dem richtigen Weg bin.“ Jede Medaille sei etwas Besonderes. Außerdem sei es ein „fantastisches Gefühl, in Topform auf der Bühne zu stehen und große Lasten zu bewältigen“.

Ihm gefällt, dass man sein Schicksal selbst in der Hand hat und dass der Leistungszuwachs anhand der höheren Gewichte unmittelbar erkennbar ist. Es sei ein „Wahnsinnsgefühl, über sich hinauszuwachsen“.

Etwas Gewaltiges

Selbstbewusstsein sei zwingend notwendig für das Gewichtheben, um dem Druck, viel zu verlieren, standzuhalten und im entscheidenden Augenblick auf den Punkt Leistung zu liefern. „Das ist etwas Gewaltiges, wenn man es geschafft hat.“ Anfangs habe er sich wie ein Schuljunge gefühlt, aber trotzdem weitertrainiert.

Irgendwann sei man mit den Großen auf Tuchfühlung und dann auf einem Niveau. Brandhubers nächste Ziele: an den Olympischen Spielen in Paris 2024 teilzunehmen und die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

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