Dudenhofen
Porträt: Fußball-Schiedsrichter Müller
Müller pfeift für den FV Dudenhofen und ist seit seiner Ausbildung 2016 aktiv. In dieser Saison nahm sein Hobby dann richtig Fahrt auf: „Ich habe vor dem Lockdown teilweise fünf Spiele die Woche gepfiffen“, berichtet der 18-Jährige und sagt, dass er sich nach seiner Pfeife sehnt: „Ich vermisse es. Diese Saison habe ich richtig angefangen.“
Wie kam er überhaupt dazu, schon als Jugendlicher sich der Schiedsrichterei zu widmen? „Ich habe selbst in der D-Jugend eine schlechte Erfahrung gemacht. Ein Mitspieler von mir wurde geschlagen. Der Schiedsrichter hat es nicht geahndet, obwohl er direkt nebendran stand. Das war so der letzte Stoß für mich“, erklärt Müller.
Im Gespann
Am meisten Spaß mache ihm die Leitung eines Spiels im Gespann. „Man ist nicht auf sich selbst gestellt, kann vor und nach dem Spiel mit jemandem reden, und die ganze Atmosphäre ist einfach lockerer“, so der Dudenhofener. Dennoch hat er in der aktuellen Phase wenig mit dem Fußball zu tun.
„Ich bin viel mit meinem Studium beschäftigt“, sagt er und fügt an: „Ich mache aber Sport und schaue mir die strittigen Entscheidungen vom Wochenende aus der Bundesliga an und überlege, wie ich entschieden hätte.“ Müller geht in der B-Klasse als Schiedsrichter auf den Platz und winkt in der Herren-Landesliga.
„Klar würde ich gerne höher pfeifen. Je höher, desto interessanter werden die Spiele“, so der ehemalige Jugendkicker des JFV Ganerb 12. Für seinen Traum hat er seiner Ansicht nach zu spät mit dem Schiedsen begonnen: „Jugend-Bundesliga wäre natürlich toll.“
Landesliga realistisch
Die Herren-Bezirks- oder Landesliga sei für ihn ein realistisches Ziel, was er sich setzen wolle. Dass es auf dem Platz nicht immer freundlich zugeht, erlebte Müller auch schon: „Bei Spielen in Zeiskam und Altrip habe ich negative Erfahrungen gemacht. Da gab es eine Kopfnuss und Handgreiflichkeiten, jedoch nie gegen mich.“
Bezug nehmend auf eines der beiden Spiele sagte Müller zuletzt sogar vor dem Sportgericht aus. Er ist sich bewusst, dass er verbal immer mal wieder den ein oder anderen Spruch gedrückt bekommt. Jedoch sei auch das selten. Er verfolgt eine einfache Prämisse: „Ich bin nicht perfekt und will es beim nächsten Mal besser machen.“
Vor allem aber appelliert er auch an die Spieler: „Wir Schiedsrichter sind auch nur Menschen. Brüllt uns bitte nicht gleich an, wenn wir einen Fehler machen.“
Respekt fehlt
Eine Änderung im Umgang mit den Unparteiischen stellt der 18-jährige fest und erklärt, dass vor allem im C-Jugend-Bereich der Respekt vor den Referees nicht mehr so da sei, wie zu seiner Zeit im Altersbereich der Unter-15-Jährigen. Wenn er Ältere pfeift, ist Müller mit den Spielern meist per Du. Wenige wollten jedoch gesiezt werden.
In Sachen Spielvorbereitung verfolgt er unterschiedliche Ansätze: „Wenn wir im Gespann unterwegs sind, gibt es Schiedsrichter, die unvoreingenommen in das Spiel gehen wollen und sich keine Tabellen anschauen. Dann mache ich das auch nicht.“
Müller: „Wenn ich aber weiß, dass es Vereine gibt, wo es öfter Zwischenfälle gibt, checke ich vorher schon ein bisschen was ab.“ Wenn der Stress des Studiums demnächst mal abnimmt, hat Müller einen Plan: Er liest das Buch von Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich.
Regelkunde mit … Anton Müller
Situation: Ein Verteidiger bekommt einen Torversuch aus kurzer Distanz im Strafraum ungewollt gegen die Hand geschossen, die sich über Schulterhöhe befindet.
Entscheidung: Strafstoß und Gelbe Karte.
Begründung: Es gibt einen Strafstoß, da sich die Hand über Schulterhöhe befindet. In diesem Fall ist es egal, ob das Handspiel ungewollt erfolgt, da es bei einem geblockten Torschuss immer eine Verwarnung (Gelbe Karte) gibt.