Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Porträt: Eiskunstläuferin Clara-Sophie Lampe

Erfolgsquartett: Clara-Sophie Lampe und Ilia Trofymov mit den Trainern Tracey Solomons-Henn und Stefan Lindemann.
Erfolgsquartett: Clara-Sophie Lampe und Ilia Trofymov mit den Trainern Tracey Solomons-Henn und Stefan Lindemann.

Nach den Fußballern, Tennisspielern und Schalke-Fan Michael Malmer mit seinem Transparent Dudenhofens Sohn, die das Spargeldorf weit über seine Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht haben, sorgte nun kurz vor dem Jahreswechsel auch ein elfjähriges Dudenhofener Mädel für Schlagzeilen

Bei den nationalen Titelkämpfen des Nachwuchses in Neuss kurz vor Weihnachten feierte die für den Mannheimer ERC startende Clara-Sophie Lampe an der Seite von Partner Ilia Trofymov (14) nach nur drei Monaten gemeinsamen Trainings die deutsche Vizemeisterschaft. Qualifiziert hatte sich das Paar bei einer Prüfung in Berlin unter den Augen von Bundestrainern der Deutschen Eislauf-Union (DEU).

Ein hochrangiges Profi-Trainergespann mit Tracey Solomons-Henn und dem gebürtigen Erfurter Stefan Lindemann, mehrfacher Deutscher Meister, Bronzemedaillen-Gewinner bei Welt- und Europameisterschaften sowie Junioren-Weltmeister, betreut das Paar und lobte es im RHEINPFALZ-Gespräch am Rande der Bavarian Open in Oberstdorf über den grünen Klee.

Es passt

„Es ist unglaublich, was die beiden Ausnahmetalente in der kurzen Zeit geschafft haben“, sagte er: „Sie passen bestens zusammen, laufen einen ähnlichen Stil und auch ihre Größe sowie der Altersunterschied sind ideal.“ Eine professionelle Einstellung komme hinzu, ebenso wie ihr Trainingsfleiß und ihre wissbegierige Lernbereitschaft.

Solomons-Henn bescheinigt der Dudenhofenerin sowohl eine überragende Energie wie auch enorme Power. Trainer Lindemann achtet deshalb auf eine sorgfältig ausgewählte Belastungssteuerung, die viel Fingerspitzengefühl erfordere. Die amerikanische Trainerin prophezeit dem Paar eine große Zukunft: „Sie haben sich von Wettbewerb zu Wettbewerb gesteigert. Wir werden gewiss noch einiges von ihnen hören.“

Langer Tag

Clara-Sophie wechselte 2021 vom Edith-Stein-Gymnasium in Speyer an das Ludwig-Frank-Gymnasium nach Mannheim, einer Eliteschule des Sports. „Schule und Leistungszentrum sind hier eng miteinander verknüpft. Es findet ein reger Austausch statt. Im Bedarfsfall gibt es auch Einzelunterricht“ berichtet Papa Carsten Lampe.

Clara-Sophie verlasse um 7 Uhr in der Früh das Haus in Dudenhofen und komme, wenn alles normal läuft, um 20.30 Uhr heim. Der Fahrdienst, den hauptsächlich Mama Nicole leiste, und alles was in diesem Zusammenhang noch zu bewältigen ist, sei für alle Beteiligten nicht einfach und erfordere ein sehr gut abgestimmtes Zeitmanagement.

Kaum Zeit

Auch Oma Ursula und Opa Klaus Lampe sowie Oma Maria-Elisabeth Bayer sind in den Fahrdienst eingebunden. Ursula Lampe erinnert sich: „Die Zeit war oft so knapp, dass Clara-Sophie das vorbereitete Essen im Auto einnehmen musste. In unserem Auto hat es dann gerochen wie in einer Küche.“

Zum Tagesablauf des Mädchens gehört ein vier- bis sechsstündiges Training, das neben dem reinen Eislaufen auch Athletik, Pilates, Krafttraining und einmal wöchentlich Massagen beinhalte.

Durchgebissen

Das sei schon sehr viel und die Belastung sehr groß, was ihr manchmal schon schwer gefallen sei, räumte das Mädchen bei einem Weihnachtsplätzchen und einem Glas Mineralwasser auf der Couch des „Scherer-Appartements“ in Obermaiselstein ein: „Ich war manchmal schon mal müde und das Training hat dann auch nicht so gut geklappt.“

Clara-Sophie: Aber ich wollte es so und habe mich durchgebissen. Letztlich waren der Spaß und der sportliche Ehrgeiz größer als die Müdigkeit zwischendurch. Und wenn man weiterkommen will, gehört das viele Training dazu und muss einfach sein.“

Ausgewogene Ernährung

Sie habe zwar auch Freundinnen. Aber viel Zeit, sich mit ihnen zu treffen, bleibe nicht. „Möglich ist das eigentlich nur am Samstagnachmittag nach dem Training oder am Sonntag“, erzählt Clara-Sophie. Auch ihre Essensgewohnheiten müssten sich dem Leistungsgedanken unterordnen. Ein strenger Ernährungsplan sei zwar nicht vorgegeben.

„Aber wir sorgen schon für eine ausgewogene Ernährung“, erklärte Papa Carsten. „Fettes Essen oder Süßes darf ich nicht so viel zu mir nehmen“, ergänzt die Elfjährige. Parallel zum Paarlauf trainiert die Dudenhofenerin drei Stunden täglich Einzel, ebenfalls mit Erfolg.

Einzel-Dritte

Bei dem baden-württembergischen Meisterschaften gleichzusetzenden EBW-Nachwuchswettbewerb belegte sie den dritten Platz. Noch sei nicht ganz klar, für welche Disziplin sich Clara-Sophie letztlich entscheide. Körperliche Fitness ist, wie bei jedem anderen Leistungssport auch, unverzichtbar.

Wehmütig habe Clara-Sophie nach einem Trainingsunfall im September 2020 etwas mehr als ein halbes Jahr ohne Eislauf zuhause gesessen. Trotz ihres jugendlichen Alters äußert das Mädel klare Vorstellungen zu ihrer kurz- und mittelfristigen sportlichen Zukunft.

Olympischer Traum

Nahziel sei die Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben sowohl im Einzel- wie auch beim Paarlauf sowie der Aufstieg vom baden-württembergischen in den Bundesleistungskader. Clara-Sophies großer Traum: einmal an Olympischen Spielen teilnehmen.

Schon kurz nach der Geburt nahm die eislaufbegeisterte Mama Nicole Lampe, früher selbst Eiskunstläuferin und heute noch Trainerin beim Mannheimer ERC, das Baby mit auf das Eis. Mit etwa vier stand die begabte Sportlerin erstmals auf Schlittschuhen. Noch im Kindergartenalter mit etwa fünf erhielt Clara-Sophie ihre ersten Trainerstunden.

Sportliche Familie

Spaß und Freude am Eiskunstlaufen legte wohl die Mama Clara-Sophie in die Wiege. Ein weiteres Hobby war vorübergehend Ballett. „Sie hatte sich bei der Ballett-Akademie in Mannheim vorgestellt. Dort wollten sie Clara-Sophie sofort aufnehmen, weil sie sich auch dabei als sehr talentiert gezeigt hat. Aber beides ging natürlich nicht“ erzählt der Papa.

Sportlich präsentieren sich auch die weiteren Angehörigen der Lampe-Family: Emilie (13) und Maximilian (9) haben sich der Leichtathletik bei MTG Mannheim verschrieben.

Papa Carsten schwingt nach dem inzwischen aufgegebenen Tennissport die Golfschläger, ebenso wie Oma Ursula und Opa Klaus, heute noch Ehrenvorsitzender des Tennisclubs Dudenhofen. 18 Jahre lang leitete der 76-Jährige als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des Vereins.

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