Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Poröses Leder, klemmende Pfeifen: Frischekur für die Rundorgel der Christuskirche

Die Rundorgel klingt wieder besser: Bei den Arbeiten an der Rundorgel (von links) Pfarrer Ulrich Kronenberg, Robert Sattelberger
Die Rundorgel klingt wieder besser: Bei den Arbeiten an der Rundorgel (von links) Pfarrer Ulrich Kronenberg, Robert Sattelberger, Peter Ohlert und Justin Tunkel.

Die Rundorgel in der protestantischen Christuskirche in Speyer-Nord ist einzigartig. Jetzt musste sie repariert werden.

Das eine oder andere der 22 Register mussten Organisten schon mal aussparen, wenn sie zuletzt in der Christuskirche die Rundorgel spielten. Der Klang dieses weltweit einzigartigen Instruments ließ zu wünschen übrig, manches war verstimmt. In den vergangenen Tagen hat sein Erbauer, Peter Ohlert (67) aus Kirkel, mit seinem Auszubildenden Justin Tunkel einiges ausgebessert.

Der Orgelbaumeister, zugleich Restaurator in seinem Handwerk, ist nicht ganz zufrieden: „Sie ist für ihr Alter von 26 Jahren in einem guten Zustand, aber sie ist nicht immer sachgerecht behandelt worden.“ So beklagt er, dass beim Drehen der Orgel die Pedal-Klaviatur nicht herausgenommen wurde und dadurch Schaden nahm. Andere Mängel seien einfach der Zeit geschuldet.

Zum Beispiel war das Leder des Magazin-Balgs – er sorgt für stetige Luftzufuhr auf die Register – in Teilen porös geworden. Die Metalle der Zungenpfeifen im Spanischen Regal hatten geklemmt und wurden von Ohlert und Tunkel gereinigt und poliert. Oder die Mixtur, ein weiteres der 22 klingenden Register, wurde nach-intoniert, sodass sie den Zuhörern nun angenehmer als bisher im Klang erscheinen wird. Was die Drehbarkeit um die Hochachse anbetrifft, die für angepassten Klang im Kirchenraum eingerichtet wurde, ließ sich Pfarrer Ulrich Kronenberg von Ohlert einweisen: Er weiß jetzt, wie die Orgel arretiert wird.

Tipps zur Pflege und Klimagestaltung

Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger, Speyerer Bezirkskantor, besprach mit Ohlert einige der speziellen Gegebenheiten der Rundorgel und griff auch gleich probeweise in die Tasten. Ihm ist bewusst, dass an diesem komplizierten Ganzen jedes Teil anfällig ist und der Pflege bedarf. Ohlerts umfangreiche Arbeit stimmt ihn zuversichtlich, und er sieht mit Freude der Präsentation beim nächsten Orgelspaziergang am 3. Mai entgegen.

Zusammen mit Pfarrer Kronenberg blickt er hingegen sorgenvoll auf die Zukunft der Kirche, die möglicherweise aufgegeben werden soll. Dagegen stemmt sich das Presbyterium. Was dann mit dem einzigartigen Instrument geschehen würde, mögen sie sich gar nicht vorstellen. Ohlert, der bald in Ruhestand gehen wird, schätzt den aktuellen Wert dieser Orgel auf eine halbe Million Euro.

Inzwischen haben er und Tunkel ihre Arbeit in der Christuskirche beendet und zahlreiche Ratschläge zur Pflege und Klimagestaltung in der Kirche hinterlassen. Für den Restaurator problematisch: Die Christuskirche ist zwar architektonisch ein echter Hingucker, aber die klimatischen Bedürfnisse einer so großen Orgel blieben außen vor, obwohl sie in dieser Form von Anfang an vorgesehen war. „Fenster zum Lüften bei Sommerhitze hätten da schon eine Menge gebracht“, ist er sicher.

Ein Blick ins Innere: Arbeiten am geöffneten Instrument.
Ein Blick ins Innere: Arbeiten am geöffneten Instrument.
Muss ersetzt werden: ein verbogenes Bauteil.
Muss ersetzt werden: ein verbogenes Bauteil.
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