Speyer
PFW: Betriebsratschef appelliert an die Politik
Seit April waren für den größten Teil der Belegschaft 20 Prozent Kurzarbeit angesagt (wir berichteten), in Zukunft gehe es um „mindestens zwei Tage pro Person“ in der Woche, so Rieder. Das seien 40 Prozent, die durch das Kurzarbeitergeld nur zum Teil aufgefangen würden. Für die vielen Schichtarbeiter in PFW-Diensten kämen spürbare Verluste bei Schichtzuschlägen hinzu, weil der Arbeitgeber wegen der Auslastungsprobleme teilweise auf die teuren Nacht- und Spätschichten verzichte. Rieder spricht von 800 bis 1000 Euro pro, „die in der Haushaltskasse fehlen können“.
PFW ist als Zulieferer von Leitungskomponenten für große Flugzeugmodelle stark von den Entwicklungen in der Luftfahrtbranche abhängig. Diese leidet unter den weltweiten Corona-Beschränkungen besonders stark. Der Rückgang bei der Auslastung liege im Schnitt bei 40 Prozent, schwanke aber stark, so Rieder. „Wir müssen das Leid einigermaßen gleichmäßig verteilen“, begründet er die Zustimmung des Betriebsrats zur Kurzarbeit, die nicht nur die Produktion betreffe. Nur wenn die Politik den Bezug von Kurzarbeitsgeld über 24 statt bisher zwölf Monate erlaube, könnten große Job-Verluste vermieden werden.
Langer Weg aus der Krise
Die Krise werde PFW gewiss auch im nächsten Jahr noch voll treffen, erwartet Werner Rieder. Dass die Reisewarnungen für Länder außerhalb der EU zuletzt erneut verlängert worden seien, sei ein Anzeichen dafür, wie schwer es für die Branche werde, wieder auf die Beine zu kommen.
Rieder selbst hat sich übrigens entschieden, nicht nur, aber auch wegen der Krise seine Ämter niederzulegen und in den Ruhestand zu gehen. Am 30. Juni sei sein letzter Arbeitstag. Er gehe dann mit 55 Jahren, weil es seine persönliche Situation zulasse, so der Landauer. Im Juli werde sein Nachfolger gewählt. Im Aufsichtsrat rückt Thomas Seiler für Rieder nach. Rieder ist gelernter Flugzeugbauer mit 39 Dienstjahren bei PFW, davon 22 als freigestelltes Betriebsratsmitglied. 14 Jahre lang war er Stellvertreter von Jan Heinrich an der Spitze des Gremiums, dreieinhalb Jahre lang Chef.