Speyer
„Pfarrer und Mediator“
Persönlich: Ralf Hummel ist in der Pfalz angekommen. Seit Mai 2018 ist der 57-Jährige Vorsitzender des Speyerer Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins. „Wenn ich 2021 wiedergewählt werde, mache ich hier bis zur Rente weiter“, sagt er.
Nach dem Jurastudium in Mannheim, dem Zweiten Staatsexamen am Oberlandesgericht Zweibrücken und der Fachanwaltsausbildung für Arbeits- und Sozialrecht 1991 war Hummel 15 Jahre lang Banker in Frankfurt. „Ich war kein Investmentbanker“, beschreibt er seine Geschäftsführer-Rolle bei einer Frankfurter Hypothekenbank als „Feuerwehrmann zur Risiko-Minimierung“ mit gewerblichen Kunden im In- und Ausland.
Vor rund zehn Jahren sei der Gedanke in ihm erwacht, sich noch einmal ganz neu zu erfinden, erklärt Hummel die Eröffnung seiner Dudenhofener Kanzlei 2003 und die Rückkehr in die Ausbildung 2011. Seit 2012 ist Hummel auch Fachanwalt für Miet- und Wohneigentums-Recht. „Zwei Jahre später war ich einer der drei Beratungsanwälte bei Haus und Grund Speyer.“ Als Vorsitzender des Vereins folgt er auf Rechtsanwalt Michael Kuhnlein. Die Kanzlei in Dudenhofen hat Hummel behalten.
Mehrere hundert Gespräche geführt
Keinen Tag habe er den Wechsel von der Bank in den Verein bereut, betont Hummel. Die anspruchsvolle Interessenvertretung, Unterstützung und Beratung der derzeit 3065 Mitglieder im viertgrößten Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Verein im Land mache „unheimlich viel Spaß“. Haus und Grund vertrete ausschließlich private, „sehr verantwortungsbewusste“ Immobilieneigentümer, sagt er. Mehrere hundert Gespräche habe er in den vergangenen Jahren schon geführt, bei der Erstellung von Mietverträgen geholfen, bei Nebenkostenabrechnungen unterstützt oder Streit zwischen Mieter und Vermieter geschlichtet. „Manchmal bin ich Pfarrer, oft Mediator“, erzählt er von häufig emotional aufgeladenen Situationen. „Dann helfe ich dem Eigentümer, Gefühle beiseite zu lassen.“ Zufriedenstellende Lösungen zu finden, ist Hummels großes Anliegen. „Dazu braucht es Empathie“, betont er. Viel Unterstützung finde er im ausschließlich weiblichen Haus-und-Grund-Team. „Ohne Iris Tröster geht gar nichts“, lobt Hummel die strukturierte Gelassenheit der Geschäftsstellen-Leiterin.
Mietverhältnis als „Ehe auf Zeit“
Ruhe und Gelassenheit findet der Rechtsanwalt bei Fahrradtouren in der Pfalz, bei gutem Wein, Rock- und Pop-Oldies oder seiner Märklin-Eisenbahnsammlung. „Ich habe Region und Stadt schätzen gelernt“, betont der Kurpfälzer, der 35 Jahre lang in Limburgerhof gelebt hat. Speyer habe weit über die Landesgrenzen hinaus sehr an Ansehen gewonnen. Auch mit dem Pfälzer Naturell habe er nur gute Erfahrungen gemacht. „Hier bin ich zu Hause, hier will ich bleiben“, sagt Hummel voller Überzeugung.
Wohnungsknappheit und Miet-Explosion erklärt der Anwalt so: „Die Politik hat versäumt, den Wohnungsmarkt rechtzeitig realistisch zu analysieren.“ Privateigentümer wollten Mieter, die ihre Wohnung dauerhaft bezahlen könnten, sagt er. „Sie wünschen sich eine friedliche Koexistenz mit ihren Mietern. Mit Wucher haben sie nichts zu tun.“ Hummel sagt, er kenne keinen Fall, in dem der Mietpreis bis zum Anschlag ausgereizt wurde. Für ihn, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, ist ein Mietverhältnis vergleichbar mit einer „Ehe auf Zeit“.