Waldsee
Pfarreireform: Angst, dass die Seelsorge zu kurz kommt
„Eine Pfarreiversammlung ist ein Novum in Waldsee, doch im Moment finden in vielen Pfarreien solche Veranstaltungen statt. Es kommen Dinge auf uns zu, und darüber wollen wir informieren“, sagte der Pfarreiratsvorsitzende David Kraus, der zusammen mit Pfarrer Ralf Feix, Pastoralreferentin Barbara Jung-Kasper und Mitgliedern des Pfarreirats die Pläne rund 60 Zuhörern vorstellte. Zunächst sind es noch Vorschläge, an denen das Bistum weiter arbeiten möchte.
Was wird sich ändern?
Zurzeit gibt es im Bistum Speyer noch 70 Pfarreien in zehn Dekanaten. In Zukunft sollen es elf Dekanate sein. Noch sind die Pfarreien eigenständig, haben ihr eigenes Seelsorgeteam. Am Zuschnitt der Pfarrei wird sich nichts ändern. Die Pfarrei Heiliger Christophorus Waldsee hat also nach wie vor die Orte Altrip, Limburgerhof, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee. Das Personal soll allerdings künftig dem Dekanat Speyer zugerechnet werden. Das heißt, alle Seelsorger der Pfarreien Waldsee, Dudenhofen, Speyer, Schifferstadt, Dannstadt-Schauernheim, Maxdorf, Bobenheim-Roxheim und Frankenthal würden zu einem Personalpool gehören, aus dem dann Schwerpunktteams gebildet werden, die jeweils Aufgaben für das ganze Dekanat übernehmen. Als festen Ansprechpartner vor Ort hätte die Pfarrei nur noch den heutigen leitenden Pfarrer mit einer halben Stelle als Pfarrvikar. In der Pfarrei Waldsee wäre das dann Pfarrer Ralf Feix.
Warum ist das nötig?
Kurz gefasst, gibt es in Zukunft deutlich weniger Kirchenmitglieder, Seelsorger und Einnahmen im Bistum Speyer. Die Zahl der Kirchenaustritte ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, 2023 haben 9158 Katholiken im Bistum Speyer der Kirche den Rücken gekehrt, im Jahr davor waren es 11.859. Das sind viermal mehr Austritte als Taufen. Würde man allein den demografischen Wandel betrachten, würden in zehn Jahren nur noch 422.329 Katholiken im Bistum Speyer leben. 2023 waren es 465.776. Würden allerdings weiter so viele Menschen aus der Kirche austreten wie 2022, dann wären es in zehn Jahren nur noch 297.183 Katholiken. Die Zahl der Seelsorger, also Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten, wird sich in zehn Jahren von heute 258 Personen auf dann 133 reduzieren. Schon in fünf Jahren bekommen die einzelnen Pfarreien nur noch je rund die Hälfte an Schlüsselzuweisungen und Geld für Baumaßnahmen. Es ist also klar: Ein Weiter wie bisher kann es nicht gehen.
Welche Rückmeldung geben die Besucher der Pfarreiversammlung?
Kritikpunkt Verwaltung: Etwa 70 bis 80 Prozent seiner Zeit verbringt Pfarrer Ralf Feix nach eigener Schätzung damit, dass „alles läuft“, also mit Verwaltungstätigkeiten. „Verwaltung macht Seelsorge unmöglich“, lautete nämlich ein wichtiger Kritikpunkt der Zuhörer. Es sei nicht zu verstehen, warum nicht zuerst die Verwaltung zentralisiert und die entsprechenden Stellen mit Fachleuten statt mit den Theologen, besetzt werden, und dann erst die Umstrukturierung der Seelsorge erfolgt. „Schafft den Pfarrern die Verwaltung vom Hals, dann kommen auch wieder mehr Gläubige“, sagte eine Zuhörerin, die das Konzept des Bistums als „kontrollierte Bankrotterklärung“ bezeichnete.
Wunsch nach Seelsorgekonzept: „Es ist eine Totgeburt, wenn alles genau so weiter gemacht wird. Die Frage ist: was fällt weg?“, merkte ein anderer Zuhörer an. Es werde im Moment nur auf die Zahlen geguckt und geschaut, wie man es hinrücken könne, so dass es machbar ist. Stattdessen müsste man sich erst Gedanken machen, was im Seelsorgebereich gemacht werden soll und was nicht mehr. Daran ausgerichtet, und nicht an den Zahlen der Seelsorger und der Gläubigen müsse man die Strukturen anpassen. Das Bistum zäume mit dem aktuellen Vorschlag das Pferd von hinten auf. So sah das auch ein anderer Zuhörer. „Das ist der falsche Fokus, aus dem Mangel eine Struktur machen zu wollen. Besser wäre es, sich zu überlegen, wie man Menschen für die Botschaft des Herrn begeistern könne und daraus ein Konzept zu entwickeln.“ In diesem Punkt sei das Bistum offen, betonte Kraus. Entweder es finde sich jemand, der ein Angebot macht, oder es falle weg. Die Zahl der Messen könnten auch nicht auf dem Niveau bleiben, es werde vermehrt Wortgottesdienste geben. Doch Kraus sieht auch eine Chance, wenn alte Pfade verlassen und Neues ausprobiert werde.
Verlust von Ansprechpartnern: Andere Zuhörer vermissten in dem Konzept Ansprechpartner vor Ort. Wenn etwa Kinder im Religionsunterricht den Pfarrer nicht mehr kennenlernen und der leitende Pfarrer gerade mal eine halbe Stelle für die Menschen in fünf Gemeinden hat, oder Seelsorger, die in der Gemeinde nicht bekannt sind, die Toten beerdigen oder nur für die Kommunion- und Firmvorbereitung vor Ort sind und sonst nicht präsent, dann verlieren Menschen den Bezug zur Kirche, wurde befürchtet.
Wie geht es weiter?
Bei dem vorgestellten Konzept handle es sich um einen Vorschlag, zu dem das Bistum um Rückmeldungen bittet, machte der Pfarreiratsvorsitzende deutlich. „Die Rückmeldungen, die sie hier gemacht haben, kommen auch aus anderen Gemeinden“, versicherte er. Auf der Homepage des Bistums sind die bisher gesammelten Rückmeldungen zusammengefasst. Diese Rückmeldungen würden ernst genommen und das Konzept angepasst, erklärte Manfred Heitz, der als Mitglied der Diözesanversammlung in den Prozess mit eingebunden ist. Nach dem aktuellen Plan soll die Diözesanversammlung die Eingaben der Pfarreien beraten und das angepasste Konzept dann im November beschließen Die Umsetzung der Maßnahmen soll 2027 beginnen.