Speyer
Patricks Woche: Wer sich in Corona-Zeiten bewegt und wer lieber stillhält
Veranstaltungen: Kein Stillstand mehr
Ein halbes Jahr ist vergangen, seit Corona zur Pandemie wurde und der Lockdown kam. Ganz Speyer ist vom Coronavirus besetzt. Gaaaanz Speyer? Bewahre! Zum einen halten sich die Infektionszahlen weiterhin im Rahmen, auch wenn immer wieder Fälle hinzukommen, sodass inzwischen die 150er-Marke in Sicht ist. Zum anderen sind längst wieder Wege gefunden worden, um Angebote des öffentlichen Lebens zu machen. Gerade in der kreativen Domstadt. Und so findet am Wochenende auch das Altstadtfest statt, obwohl es eigentlich ausfällt: im privaten Rahmen, kulturell, gastronomisch. Das Beste daran: Beim Feiern vergisst keiner den sozialen Aspekt, der das Altstadtfest so speziell macht. Am Nagelklotz und auch mit den ersten virtuellen Entenrennen der Stadtwerke werden Spenden gesammelt.
Anderes Beispiel: Das Bistum schafft es, die im Juni noch verschobene Priesterweihe im Dom zu organisieren – und erstmals seit 31 Jahren ist mit Stefan Häußler ein „Speyerer Bu“ dabei. Und dann sind da noch die vielen Gruppen, die sich am „Stadtradeln“ beteiligen. Die erste von drei Aktionswochen ist mit gutem Zuspruch über die Bühne gegangen. Radeln an frischer Luft ist mit Abstand und Anstand möglich – auch am Sonntag beim ersten „Speyerer Sattelfest“.
Zum Stadtradeln-Auftakt ist – nach Corona-bedingtem Warten – übrigens auch Speyers zweite Fahrradstraße eröffnet worden, die in der Mühlturmstraße jetzt Radlern Vorrang gewährt. „Man sollte auch die Salierbrücke zur Fahrradstraße machen“, hat in dieser Woche ein Speyerer am RHEINPFALZ-Telefon gesagt – und es sarkastisch gemeint, weil sich viel zu wenige Rhein-Überquerer an die Regel hielten, ihre Räder über die aktuelle Baustelle zu schieben. Der Polizei hat dort zuletzt nicht kontrolliert, weil es keine Beschwerden gegeben habe. Nun will sie wieder genauer hinschauen. Wie gesagt, mit dem Stillstand ist’s vorbei …
Feiern und Tanzen: Doch Stillstand
Trotzdem: Dieses halbe Jahr ist nicht schadlos an Speyer vorbeigegangen. Weiterhin stark betroffen ist etwa die Gastronomie, in der die Firma Foonax mit dem „Philipp eins“ eine beliebte Speyerer Feier-Location betreibt. „Bis Juli hatten wir gar keine Familienfeste, jetzt wird verhalten wieder gefeiert“, so Geschäftsführer Philipp Stadter. 75 statt sonst 120 Gäste dürfte er heute in den großen Saal seines Lokals lassen, aber auch an dieses Maximum komme er nicht heran: „Die Gesellschaften werden kleiner.“ Ebenso bedauerlich: Es wird kaum noch getanzt. Das spürt ein Speyerer Schuhmacher als betroffener Unternehmer. Wanderschuhe würden ihm auch nicht mehr so oft wie früher zur Reparatur gebracht. Besonders drastisch jedoch sei der Rückgang bei Businessschuhen. Kein Wunder: Stehen doch alle Füße unter dem Homeoffice-Tisch.
Corona-Auflagen: Still in Quarantäne
Wer seit Corona-Beginn nicht rastet, ist das Personal in Gesundheits- und Ordnungsamt. Zuletzt hatte ein Zuständiger der Stadtverwaltung doch mal Urlaub – und schon sind Quarantäne-Fälle, die ebenso wie die Infizierten tagesaktuell registriert werden, zunächst vergessen worden zu melden. Sechs an der Zahl. Frage an die Stadtverwaltung, wo die denn „gefunden“ worden seien: „Im Corona-überfüllten Postfach eines Mitarbeiters.“
Warntag: Ungewollte Stille
Gescheitert – die Bilanz des Bundesinnenministeriums war knallhart, als es am Donnerstag Pannen beim bundesweiten Warntag gab. Die Stadtverwaltung Speyer hingegen war zufrieden: „Alles wie geplant gelaufen.“ Okay, eine Ausgabe gab’s doch: An zwei Stellen – Feuerwache und Maximilianstraße – hätten probeweise Lautsprecherdurchsagen gemacht werden sollen. Geklappt hat’s nur halb: Die Warnung in der City fiel aus – laut Stadt „wegen Personalmangels“. Zum Glück war’s kein echter Katastrophenfall.
Bussgeldstelle: Stille Karrieretreppe
Zentrale Bußgeldstelle heißt eine ziemlich große, aber zumindest bei vorbildlichen Autofahrern eher unbekannte Polizeidienststelle in Speyer. Sie hat jetzt innerhalb von drei Jahren den vierten Chef bekommen: Stephan Weber ist von der Polizeiinspektion ein paar Büros weiter gewechselt. Angesichts dieser Personalpolitik des Landes fragt man sich freilich, ob die vielen Leiter dort wirklich nachhaltige Arbeit leisten oder sich nur für den nächsten Karriereschritt warmlaufen sollen. An Aufgaben mangelt es in der Behörde, die sich aktuell mit etlichen offenen Rechtsfragen in Sachen Bußgeldkatalog und Blitzer-Technik herumärgern muss, jedenfalls nicht …
Federvieh: Die Möwe hört nichts
Diese Woche auf dem Postplatz. Junger Speyerer sieht größeres Federvieh und stellt völlig korrekt fest, dass das kein Rotkehlchen ist: „Guck mal, Mama, eine Möwe.“ Die Erziehungsberechtigte korrigiert: „Eine Taube.“ Der Junge hat seine Lektion gelernt: „Dann eben eine taube Möwe.“