Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Speyer ohne Brezelfest

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Obwohl das Brezelfest in diesem Jahr Corona-bedingt ausfällt, prägt es das verlängerte Wochenende.

Brezelfest: Es geht nicht ohne

Ein Jahr ohne Brezelfest? Wird schon werden, dachten sich die Speyerer. Sie nahmen sich vor, den Garten zu gießen, im Baumarkt zu stöbern, danach vielleicht ein bisschen zu wandern. Außerdem lag ja da noch der unausgepackte Roman vom Geburtstag vor zwei Jahren auf dem Nachttisch … Doch dann rückte es näher, das zweite Juli-Wochenende, und sie konnten nicht mehr still halten. Etliche Anwesen wurden geschmückt, als würde tatsächlich gefeiert. Der Verkehrsverein lud am Freitagabend zum symbolischen Fassanstich vor der Dreifaltigkeitskirche ein. Biergarten-Anbieter Barth veranstaltet einen „Tag der Betriebe“ am Brezelfest-Montag. Je näher der eigentliche Festtermin rückte, desto mehr Corona-taugliche Veranstaltungen wurden noch angesetzt.Die Firma Barth hat ihren Biergarten, sonst ein Treffpunkt auf dem Brezelfest, schon seit Fronleichnam am Rhein bei Germersheim aufgebaut. Die Kunden mögen’s, gastronomische Rivalen in der Festungsstadt weniger. Zum Brezelfest-Termin hat Inhaber Patrick Barth nochmals nachgelegt, brezelmäßig umdekoriert und bittet um Reservierungen für den traditionellen „Tag der Betriebe“ am 13. Juli. Er ist überzeugt, dass viele Speyerer vorbeikommen. Trotzdem: In Speyer wird auch andersherum Geschäft gemacht – indem viele Läden am Montagnachmittag eben nicht wie sonst schließen. Alle Belegschaften können schließlich nicht nach Germersheim pendeln. „Es gibt die Empfehlung, dass wir alle offen haben“, sagt Peter Bödeker, Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“.

Da schließt sich dann der Kreis. Den Schaustellern werden künftig Möglichkeiten gegeben, auch in Speyer ihre Stände aufzustellen, anderen Unternehmern wie Wirten ist die Stadt entgegengekommen, indem sie Sondernutzungsgebühren erlässt. Peter Bödeker lobt das in höchsten Tönen: „Das sind spürbare Impulse in der Wirtschaftsförderung, so etwas hatten wir in Speyer noch nicht.“ Jetzt gehe es noch um die Frage, ob noch zwei verkaufsoffene Sonntage im Oktober genehmigt werden, was vorrangig von den Landesregelungen abhängt. In schweren Zeiten zeigt sich der Zusammenhalt: Corona tobt, Brezelfest fällt aus, aber Speyer lebt!

Corona: Es übt sich ein

Es sind zum Glück nicht megaviele Fälle, aber die Anzahl der Corona-Infizierten steigt in Speyer leider weiter. Zuletzt konnte an Schulen und Kitas geübt werden, was alle Experten immer beschwören: dass Deutschland lernen muss, mit dem Virus zu leben. Eine Erzieherin und eine Schülerin waren positiv, aber die Verantwortlichen bewahrten die Nerven, schlossen nur die jeweils betroffenen Klassen und Gruppen, nicht die gesamten Einrichtungen. Schwieriger gelagert war der Fall, der dann Ende dieser Woche auf die Kita Wola zukam: Wie umgehen mit allzu vielen hustenden und schniefenden Kindern und Erziehern? Hier fiel die Entscheidung für den Lockdown ohne konkreten Virusverdacht. Kann man so machen – wie bei so vielen Corona-Aspekten gibt es kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Eindeutig ist die Hoffnung, dass es keinen Corona-Ausbruch an der Kita gibt und dass natürlich möglichst bald die ganze Pandemie erledigt ist.

Schiffsglocke: Es findet sich Ersatz

Glück im Unglück gibt’s bei Corona, aber auch in anderen Belangen. In Speyer war das aktuell bei der Rheinhäuser Fähre zu erleben, wo zuerst die Glocke gestohlen wurde und sich dann mit Stadtrat Friedel Hinderberger ein Spender fand, der mit einer geschenkten Schiffsschelle aushelfen konnte. Die beglückten Fährbetreiber wollten ihm mit lebenslang freier Fahrt danken, aber der SPD-Mann aus Speyer-Nord hielt den Ball flach: Allzu ausgiebig werde er davon nicht Gebrauch machen, verriet er mit einem Augenzwinkern. Am schönsten sei es nämlich definitiv in Speyer-Nord, und in den tiefen Süden der Stadt, dorthin, wo die Fähre ablegt, komme er nur, wenn es unbedingt sein muss.

Wochenmarkt: Es ist Pfälzisch

Auch auf den Wochenmärkten hat sich die Situation einigermaßen normalisiert. Die Leute freuen sich, wieder bei freundlichen Leuten frische Ware erwerben zu können. Wie übrigens auch das Brezelfest, sind die Märkte dabei ein Hort der pfälzischen Muddersprooch, die es insgesamt immer schwerer hat. So ist hin und wieder Übersetzungsarbeit nötig, wie sie jetzt ein Speyerer geleistet hat. Eine sprachlich unverkennbar aus Norddeutschland kommende Frau orderte auf dem Berliner Platz Grumbeere, Gelariiwe und Radiesle – natürlich auf Hochdeutsch. Daher war sie doch etwas verwirrt, als ihr die Marktfrau am Ende „Diddeldu“ anbot. Der Speyerer hörte genau hin und klärte dann die vor ihm stehende Frau auf: Die Verkäuferin habe mit Bezug auf das Gemüse gefragt: „Soll ich’s in ä Diddel du?“ Das sei kein exotisches Gewächs, sondern das Angebot, alles in eine Tüte zu packen. Vielleicht hätte sie noch zwischen den auf dem Markt nicht mehr gerne gesehenen „Plastikdiddl“ und dem besseren „Babierdiddl“ unterscheiden können, letztlich ist aber wohl Einigkeit erzielt worden …

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