Speyer
Patricks Woche: Make Speyer great again
Podest und Rampe: SpaceX am Postplatz
Ob die AfD vor der nächsten Kommunalwahl mit dem Spruch „Make Speyer great again“ wirbt? Verwunderlich wäre es nicht. Meine Prognose: In ganz Europa werden in den nächsten Jahren Politiker aller Ebenen versuchen, auf der vermeintlichen Erfolgswelle von Donald Trump zu segeln. In der Woche, in der Trump zum zweiten Mal als US-Präsident eingeführt wurde, kann dieser Zusammenhang ruhig einmal hergestellt werden. Der Zusammenhang mit der Stadt übrigens, in dessen Landesarchiv die vor einigen Jahren bekannt gewordene „Trump-Akte“ lagert: Sie berichtet über die Auswanderung von Donalds Großvater Friedrich aus der seinerzeit bayerischen Pfalz in die USA.
Also: Auch in Speyer stieß die Amtseinführung auf großes Interesse. Der Trubel um den mächtigsten Politiker zumindest der westlichen Welt, um seinen Einflüsterer Elon Musk und all seine Dekrete schon der ersten Tage lässt Beobachter im selbst kurz vor Wahlen stehenden Deutschland nicht kalt. Als ich diese Woche jedenfalls meinen Bericht über die Diskussion zum umstrittenen Podest vor der Postgalerie vorbereitete und den Titel „Neue Idee für Gastro-Freisitz“ wählte, dachte ein Kollege offenbar an Musk und dessen Raumfahrtfirma – sein Spott: Das Podest könnte ja zur „Startrampe für SpaceX“ werden. Wo wir schon bei der nächsten Prognose wären: Wie Trump dürfte auch die Konstruktion noch ein bisschen Thema bleiben. Politiker suchen gerade nach Möglichkeiten, sie ganz loszuwerden. Zumindest dass sie nachträglich verkürzt wird, scheint wahrscheinlich. Es entsteht der Eindruck: Manchmal muss etwas kleiner werden, damit Speyer „great again“ wird.
Brücke und Kunstwerk: Liebeserklärung ans Viadukt
Seien wir ehrlich: Speyer ist doch ohnehin die großartigste Stadt unterm Sternenzelt. Sie hat zwei Welterbe, den größten romanischen Dom, die einzigartige Maximilianstraße, den Rhein, das Altpörtel – und natürlich das Viadukt. So wird die Brücke genannt, die zwischen Bahnhof- und Burgstraße die Gleise überspannt und eine wichtige Verbindung ins Burgfeld darstellt. Wenn sie denn da ist. 2021 wurde sie wegen Baufälligkeit abgebaut. Derzeit läuft die Sanierung, für die in dieser Woche ein Abschluss in den nächsten Monaten und eine deutliche Verteuerung auf über sechs Millionen Euro in Aussicht gestellt wurde. Die Kostensteigerung ist bitter, aber für das denkmalwürdig-historische Bauwerk unumgänglich, so der politische Tenor. Der um starke Sprachbilder nie verlegene Claus Ableiter von den Freien Wählern zog im Bauausschuss dazu die ganz großen Vergleiche: Es würde ja auch niemand nötige Sanierungskosten für den Dom oder das Altpörtel in Frage stellen. Und: Nach der Fertigstellung sollten die Stahlteile, Schrauben und Nieten des Viadukts alljährlich so gewissenhaft geprüft werden wie bei der Golden Gate Bridge in San Francisco. Höchstwahrscheinlich wird das Edel-Bauwerk in Great-Speyer dann auch im selben prägnanten Rostschutz-Orange der Golden Gate gestrichen und dieses bald als berühmteste Brücke der Welt ablösen …
Neubau und Altbau: Sparkasse startet durch
Was Speyer so „great“ macht, sind seine Menschen, aber natürlich auch die Gebäude, die für die einzigartige Kulisse sorgen. Die Sparkassen-Zentrale am Willy-Brandt-Platz mag bei ihrem Neubau in den 1980er-Jahren ein großer Wurf gewesen zu sein. Heute ist sie jedoch zu groß und nicht mehr in optimalem Zustand. Der Entscheidung, sie zumindest teilweise durch etwas Neues, sicher Großartiges zu ersetzen, folgen nun Taten: In der kommenden Woche wird das Projekt mit vorbereitenden Arbeiten beginnen. Die Architekten wollen das Kunststück schaffen, einen Teil des Bestands zu erhalten und doch ein ganz anderes Erscheinungsbild zu schaffen. Das ist auf Planzeichnungen zu erkennen, und aufmerksame Betrachter stellen fest, dass der künftige Bau nur noch zwei statt heute drei volle Obergeschosse plus Dachgeschoss aufweist. Da könnte ein zeichnerischer Trick vorliegen, der das Ensemble nicht so wuchtig wirken lasse, mutmaßt ein RHEINPFALZ-Leser – und die Sparkasse gibt Entwarnung: Das neue „Sparkassenquartier“ solle ein „in die Umgebungsbebauung passender, homogener Baukörper“ werden. Ein Sprecher ordnet ein: „Ein drittes Vollgeschoss hätte mit diesem Ziel nicht im Einklang gestanden.“ Das neue Gebäude werde somit rund zwei Meter kleiner als das heutige. Auch hier zeigt sich also: Nicht nur schiere Größe kann „great“ machen.
Schulen und Sicherheit: Bedrohung aus dem Netz
In der digitalisierten Welt wird der Begriff Architektur nicht mehr nur im Zusammenhang mit Gebäuden verwendet, die aus Stein, Holz und Stahl in die Höhe wachsen. Längst kommt es auch auf die Software-Architektur an. Das hat sich in dieser Woche in Speyer gezeigt, als die Folgen eines Hackerangriffs auf Schulen für Probleme sorgten. Schadsoftware war laut Stadt und Landeskriminalamt über einen für die Schulen tätigen EDV-Dienstleister eingedrungen und hatte Daten abgezapft. Dahinter sollen kriminelle Profis stecken. Wegen der laufenden Ermittlungen wird nur zurückhaltend informiert. Am Donnerstag verkündete Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU), dass fast alle betroffenen Schulen wieder am Netz seien. Nur beim Gymnasium am Kaiserdom dauere es noch etwas länger. Der Vorfall wirft ein Licht auf Verletzlichkeiten in der digitalen Welt, die auch mit noch so sorgsam hochgezogenen Firewalls nie ganz auszuschließen sind. Auf die IT-Infrastruktur nicht nur der Firmen und Verwaltungen in Speyer gibt es ständig Hacker-Angriffe, die zum Glück meist erfolglos bleiben. So segensreich das weltweite Netz ist, so wachsam muss man im Umgang damit sein. Und: Gerüchten zufolge gibt es sogar ein Leben außerhalb des Internets – Interessenten daran kann ich gerne den Link schicken.