Speyer
Patricks Woche: Früher war manches besser
Nostalgisch: Fasnacht wie früher
Früher war alles besser. Vor ein paar Tagen war zum Beispiel Sonntag. Sorry für den schlechten Scherz. Fakt ist: Der nostalgisch verklärte Blick zurück spielt immer wieder eine Rolle – mal zurecht, mal zu unrecht. Wer kann es einem zum Beispiel verdenken, wenn man sich in der Woche des 11. November zurücksehnt in die Zeit vor der Corona-Pandemie? In die Zeit, als der große Martinszug sich am Fischmarkt in Bewegung setzte und auf der Klipfelsau Tausende dicht gedrängt und unbefangen das Martinsspiel verfolgten. Und als anlässlich der Kampagneneröffnung zumindest ein wenig närrisches Leben sichtbar war.Eroberung des Stadtschlüssels im Rathaus? Speyerer „Narrenklage“ im Altpörtel? Für diese Veranstaltungen gab es laut Stadtverwaltung 2021 keine Anfragen der Fasnachtsvereine. Lediglich ein Jubiläumsorden „725 Jahre Speyerer Fasnacht“ wurde der Oberbürgermeisterin am 11.11. überreicht – in kleinem Rahmen. Konkret sind die Planungen hingegen für den Adventszauber in der Innenstadt: Die Beleuchtung wird schon aufgehängt, die Weihnachtsmarktbuden entstehen ab nächste Woche. Derzeit sind beim Markt keine Zugangslimits vorgesehen – ob das so bleiben kann, scheint angesichts der Corona-Lage ungewiss. Beim Blick zurück bleibt dennoch eine Hoffnung: Dass der Advent 2021 nicht ans Lockdown-Jahr 2020 erinnern wird, sondern zumindest ein bisschen an die Zeit davor.
Motorisiert: Fahren statt feiern
Bei einem Speyerer Dauerbrenner ist die Erinnerung an die guten alten Zeiten definitiv berechtigt – Stichwort Salierbrücke. Die ist seit fast drei Jahren zur Sanierung gesperrt, schnelles Pendeln aus der Pfalz nach Baden und umgekehrt ist deshalb schwierig. Frei nach dem Motto „Zurück in die Zukunft“ soll alles besser werden, wenn ab 24. November der Verkehr wieder fließen darf. So um die drei Jahrzehnte könnte die Rheinquerung dann halten. Speyerer Geschäftsleute – auf die Kunden aus Baden angewiesen – hätten die Wiedereröffnung gerne mit einem „Brückenfest“ samt Budenzauber gefeiert, erhielten dafür aber vom Regierungspräsidium Karlsruhe keine Freigabe. Dieses hat seine Absage jetzt begründet: Bis zuletzt werde an den Rampen zur Brücke gearbeitet, da sei eine Feier aus Sicherheitsgründen schwierig. Außerdem hätte diese die Verkehrsfreigabe verzögert, denn für freie Fahrt und frohes Feiern wäre auf der Brücke schlicht zu wenig Platz. Die Geschäftsleute müssen sich nun also mit Zeitspielen trösten: Je früher die Zukunft beginnt, desto besser.
Gesendet: Fan des Fernsehens
14 Millionen Deutsche waren vor einer Woche nostalgisch und haben bei der Neuauflage von „Wetten, dass …?“ das ZDF eingeschaltet. Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker moderierten dann nach vieljähriger Pause eigentlich wie immer, sogar Frank Elstner als Erfinder der Show vor 40 Jahren war dabei – und ein prominenter Speyerer machte keinen Hehl daraus, dass er die Reise in die TV-Geschichte ganz großartig fand: Alexander Schubert, Direktor des Historischen Museums der Pfalz, war nämlich live dabei in der Nürnberger Messehalle: Als die Kamera über die ersten Zuschauerreihen schwenkte, fiel aufmerksamen Beobachtern mit Pfalz-Bezug ein blonder Lockenkopf auf, der nicht Thomas Gottschalk war. Sein Besuch sei kein Zufall gewesen, berichtet Schubert auf Anfrage. Seit jeher sei er großer Fan von Frank Elstner, dem Erfinder der Sendung, und habe lange davon geträumt, einmal bei „Wetten, dass …?“ dabei zu sein. Er habe diesen Wunsch an das ZDF herangetragen und wegen der Sendepause kaum noch daran geglaubt, diesen Punkt auf der „Bucket List“ dessen, was er im Leben erreichen möchte, abhaken zu können.
Es kam anders. „Es war eine riesige Freude für mich, als ich vor einigen Wochen die Einladung zur Sendung in Nürnberg erhalten habe“, berichtet Schubert. Das „eindrucksvolle Erlebnis“ sei durch das Wiedersehen mit dem ihm gut bekannten und von ihm schon nach Speyer eingeladenen Elstner gekrönt worden. Vielleicht spielt die Show ja eine Rolle in einer der nächsten kulturhistorischen Ausstellungen im Speyerer Museum – die Zukunft wird’s zeigen. Wetten, dass ...?
Gerettet: Früher mehr Fleck
Früher war alles besser? Früher war mehr Lametta, würde Loriot sagen. Früher war auch mehr Tarnfleck und Tarnnetz. Das könnten zumindest Militärhistoriker folgern, wenn sie daran erinnern, dass Speyer einst französischer und deutscher Militärstandort war, 2015 aber die letzten Soldaten aus der Kurpfalzkaserne abgezogen sind. Trotzdem gibt es immer noch Tarnnetze in Speyer. Zum Beispiel am Leinpfad entlang des Rheins. Und in einem davon hatte sich diese Woche tragischerweise ein Igelchen verfangen. Das löchrige Textil wurde dem Stacheltier fast zum Verhängnis. Die Feuerwehr musste vorsorglich ausrücken. Ein Passant konnte den Säuger letztlich befreien, ein Tierarzt nahm sich seiner an. Der Igel hat nun hoffentlich eine gute Zukunft – wie wir sie uns alle wünschen. Und da sind wir dann mal wieder bei dem vornehmsten Zweck dieser Kolumne: Erst Probleme aufgreifen, danach die Leserinnen und Leser mit einer versöhnlichen Botschaft ins Wochenende entlassen.