Speyer
Patricks Woche: Ende mit und ohne Schrecken
Landesgartenschau: Beendete Hoffnung
Aus und vorbei. Optimisten, die fest von einer Vergabe der Landesgartenschau 2027 nach Speyer ausgingen, hatten sich im Vorfeld zwar kaum hörbar gemacht. Dennoch war der Dienstag ein Tag, an dem es so und so hätte ausgehen können: Der Ministerrat erteilte den Zuschlag für die begehrte Veranstaltung in fünf Jahren, um die sich gleich sechs Kommunen beworben hatten. Eine intensive Phase der Gründung einer Ausrichtungsgesellschaft, der weiteren Planung, der Bauarbeiten und Besucherströme hätte für die Stadt Speyer beginnen können. Es kam nicht so, denn das Neustadter Konzept war siegreich. Es ist nun nicht überliefert, ob im Speyerer Stadthaus schon bereitgestellter Rebensaft schamhaft in den Kühlschrank zurückgeräumt werden musste. In Neustadt knallten hingegen die Sektkorken auf dem „Monte Scherbelino“ am Stadtrand, der mit Rodelbahn zum Herz der Schau werden soll. Die dortige Verwaltung berichtete darüber auf vielen Kanälen, wie schon über die Abgabe der Bewerbungsunterlagen und auch sonst immer wieder im Verfahren auffällig siegessicher. Aus Speyer gab’s dergleichen nicht, aber immerhin den Glückwunsch an die Weinstraße und den Hinweis darauf, was mit dem Wein passiert ist: „Aus der Distanz stoßen wir mit euch, liebe Stadt Neustadt, auf euren Sieg an. Die Flasche Ruländer ist zu diesem Zwecke auch bereits auf dem Postweg.“ Auch wenn der Ruländer mit Neustadts erlesensten Tropfen wohl kaum mithalten kann – schamhaft klang das nicht …
Impfzentrum: Verpasster Ausstieg
Und noch ein Ende zeichnet sich ab: das des städtischen Impfzentrums in der Stadthalle, das aktuell kaum noch genutzt wird und folgerichtig zum 23. April schließt, wie die Stadt schon vor 14 Tagen ankündigte. Sie hatte sich eine Fehleinschätzung geleistet, als sie die Impfstelle noch im Januar vom ehemaligen Stiftungskrankenhaus in den Kulturtempel verlegte, um mehr Platz zur Verfügung zu haben. Sie war jedoch bundesweit längst nicht die einzige Betreiberin, die von der Impfmüdigkeit der fehlenden 25 Prozent überrascht wurde. Fehler erkannt, Fehler korrigiert – frei nach dem amerikanischen Ureinwohnern zugeschriebenen „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig’ ab.“ Die Speyerer Wählergruppe (SWG) heißt diese Entscheidung sicher gut. Sie hat sie nämlich am Donnerstag per Pressemitteilung gefordert – fast zwei Wochen, nachdem die Stadt sie schon verkündet hatte. Wichtig sei, die Stadthalle wieder für kulturelle Veranstaltungen freizugeben, so die SWG. Das Timing ist schlecht, das Anliegen berechtigt. Hoffentlich gibt es endgültige Aufklärung, wenn nächste Woche die Oberbürgermeisterin alles nochmals Stadtratsvertretern erklärt, wie ihre Pressestelle auf Anfrage mitteilt. Bis dahin könnte es auch Klarheit geben, an welcher Stelle die Stadt in einem kleineren Rahmen weiter impft: Zuletzt lief die Suche nach neuen Räumen, in denen es möglichst nahtlos weitergehen soll.
Sommertagszug: Falsche Gerüchte
Der Schneemann ist verbrannt und schon ist es wieder gefühlter Winter. Verkehrte Welt in Speyer? Beim Sommertagszug gab es zumindest Verwirrung darüber, warum die Kinder der katholischen Kirchenmusik doch nicht wie angekündigt aufgetreten sind. Eine Woche zuvor haben rund 150 Domsingschüler Frühlingslieder eingeübt, die sie vor den mehr als 5000 Teilnehmern zum Besten geben wollten. Am Montag dann die Hiobsbotschaft: Die zwei möglichen Chorleiter sind an Corona erkrankt.Proben wurden abgesagt, der veranstaltende Verkehrsverein und die Eltern informiert. Die Teilnahme der Kinder am Sommertagszug stand auf der Kippe. Der Einsatz von Valentina Pfunt und einem weiteren Mitglied des Schulelternbeirats hat es immerhin ermöglicht, dass Kloster-Grundschüler auch ohne musikalischen Beitrag mitlaufen konnten: 35 Kinder wurden angemeldet. Und doch schossen Spekulationen darüber ins Kraut, warum die Singschüler schwiegen und von Kinderchören der evangelischen Gedächtniskirche ersetzt wurden. So wurde am Rande des Umzugs auch das Gerücht gestreut, der Verkehrsverein habe sich gegen die Katholiken und damit für die Protestanten entschieden. War natürlich falsch. Hoffentlich ist der Frühling nicht wegen solcher Misstöne nachtragend.
Kehrmaschine: Neue Potenziale
Zukunftsweisende Projekte werden nicht so einfach beerdigt. Nach begrenzten Erkenntnissen eines ersten Versuchs hat die Stadt nun eine intelligente Kehrmaschine mit verbesserter Kamera auf den Straßen zum Einsatz gebracht. Die Kamera soll ermitteln, was genau eingesaugt wird, und eine bessere Straßenreinigung ermöglichen. Ergebnisse gab’s im Digitalisierungsausschuss noch nicht, dafür aber Plaudern aus dem Nähkästchen, was die verwaltungsinterne Bezeichnung des Wundergeräts betrifft: „Unser Spaßprojekt“. Gut, dass beim ernsten Thema Vermüllung ein Augenzwinkern erlaubt ist. Zumal Spaßprojekte im Rathaus ganz neue Potenziale heben könnten: Kamerabilder von allen Schreibtischen erleichtern der Chefin die Suche nach Leistungsträgern und heitern Kollegen in der Quarantäne auf. Livevideos aus dem Stadtrat amüsieren die Bürger. Und die Aufzeichnung der Abwasserentsorgung bietet sicher eine breite Datenbasis für Mediziner wie Logistiker.
Altpörtel: Verpasste Chance
Jedes Ende ist ein neuer Anfang, heißt es. Und nicht nur ganz Speyer hofft, dass das Auslaufen der meisten Corona-Schutzauflagen am Wochenende kein Anfang der nächsten Infektionswelle in der Welle ist. Geplant ist vielmehr, dass ein weiteres Stück Freiheit in der Pandemie zurückkommt. Es lebe die Hoffnung. Viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen können nun wieder ohne Maske begangen werden. Gar nicht möglich ist das im Altpörtel als herausragender Speyerer Sehenswürdigkeit. Den regulären Besucherbetrieb dort hat die Tourist-Info vor zwei Jahren wegen der Infektionsgefahr gestoppt, weil im Treppenhaus kein Einbahnverkehr möglich ist. Das kann heute nicht mehr das entscheidende Kriterium sein – und doch bleibt das Altpörtel vorerst nur für Stadtführungen zugänglich. Personalnot ist sicher ein nachvollziehbares Argument, aber wichtig ist nun, dass die Wiederöffnung nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird.