Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Bei einigen Dingen wundert man sich

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Brücke: Pech und Pannen

Auch nach zweieinhalb Jahren gibt es Zeitgenossen, die meinen, sie müssten die Bauarbeiter auf der Salierbrücke beschimpfen. Als wären die dafür verantwortlich, dass sich die Sanierung des Rheinübergangs so lange hinzieht. Als wäre nicht viel eher eine unglückselige Verbindung von früheren Versäumnissen, Planungsnachlässigkeiten und Pech dafür verantwortlich, dass sich die Fertigstellung um ein Jahr verzögert. Das ist längst bekannt. Wann der Verkehr wieder rollen darf, ist allerdings noch nicht verkündet. „Vor Jahresende“, heißt es im zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe gebetsmühlenhaft. Der genaue Tag stehe noch nicht fest.Die Beamten haben aus früheren Fehlern gelernt und halten sich bedeckt – zumal auch in der späten Phase immer noch Pleiten, Pech und Pannen vorkommen können. So wird eine zweite Asphaltierung nötig, weil der vor einem Jahr eingebaute Belag fehlerhaft war. In dieser Woche hätte damit begonnen werden sollen, aber auch das verzögert sich wieder einmal – um mindestens eine Woche.

Die Werbegemeinschaft „Das Herz Speyers“ hat unterdessen in ihrer Versammlung gerade wieder die Bedeutung der Brücke betont. Deren Namen haben die Mitglieder übrigens nicht thematisiert. Dabei könnten sie als Marketing-Experten vielleicht sagen, die Bezeichnung sei „verbrannt“, es müsse eine andere her, um der Verbindung nach Freigabe wieder ein positives Image zu verleihen. Und um Missverständnisse zu vermeiden, da viele Auswärtige die nach einem Kaisergeschlecht benannte „Salierbrücke“ eh nicht richtig aussprechen: Sie sagen „Saliir“, weil sie meinen, das IE stünde für ein langgezogenes I. Betont wie „Polier“. Sie wissen schon: der Unschuldige von der Baustelle.

Busse: Stadt gegen Stadt

Apropos Namen: Mathias Schmechtig ist als Gutachter mit der Planung des Speyerer Stadtbussystems ab Dezember 2023 betraut. Er referiert regelmäßig in den Gremiensitzungen dazu und erfährt dabei auch Gegenwind. Seine Kritiker nennen ihn dann „Schmechting“ mit einem N zu viel oder schreiben „Schmächtig“. Sie vergessen auch nicht zu erwähnen, dass Schmechtig, der aus Kassel kommt, selbst geografische Bezeichnungen in der Domstadt falsch ausspreche.Die ätzende Kritik an dem Fachmann, der seine Folgerungen für Außenstehende sauber herleitet, überrascht. Nicht nur einzelne Fraktionen halten immer wieder dagegen, sondern besonders auffällig auch Egolf Mossau, Prokurist der Speyerer Verkehrsbetriebe, die an der Planung des Busliniensystems beteiligt sind. So ergibt sich dann die kuriose Situation, dass der städtische Mitarbeiter die Ergebnisse des von der Stadt beauftragten Gutachters kritisiert. „Ich muss schauen, dass meine Reputation nicht in Schieflage gerät“, wurde Schmechtig diese Woche deutlich. Die OB als Sitzungsleiterin hätte ihn da stärker unterstützen können – oder von Gegenspieler Mossau zumindest Belege für dessen Behauptungen einfordern.

Was sagt sie also, die Stadtverwaltung, zum Gezänk ihrer Experten? Es sei „gar nicht schlimm“, sondern könne sogar von Vorteil sein, wenn der Ausschuss unterschiedliche Meinungen präsentiert bekomme, heißt es auf Anfrage. Es komme schließlich auf eine „ausgewogen geführte Diskussion“ an. Aber nochmals: Warum wird hier für möglich gehalten, dass der bestellte Experte falsch oder einseitig berät? Was wäre die Motivation dafür? Wo sind die Belege? Irgendwie ist es ein unwürdiges Spiel …

Bundestagskür: Wahl vor der Wahl

Der Bundestagswahlkampf schaltet einen weiteren Gang höher. Den Infoständen wird man am Samstag am Altpörtel kaum ausweichen können. Auch die Haustürbesuche der Politiker nehmen zu. Und es sind zwei Podiumsdiskussionen mit Bewerbern im Wahlkreis 208 angekündigt: Am Montag lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund ins Martin-Luther-King-Haus ein, am Dienstag empfangen die Wirtschaftsjunioren im Technik-Museum. Interessant ist dabei, wen die beiden empfangen. Bei den Wirtschaftsjunioren fehlt auf der Teilnehmerliste der Kandidat der Linken, bei den Gewerkschaftern der der AfD.Die RHEINPFALZ-Redaktion hat auch schon Podiumsdiskussionen vor Bundestagswahlen veranstaltet und weiß, dass es schwierig ist, zehn Kandidaten in einem Wahlkreis auf eine Bühne zu bringen und ausreichend zu Wort kommen zu lassen, ohne dass die Zuhörer einnicken. Meist hat sie sich deshalb auf die Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien beschränkt. Warum die Podien jetzt bei den zwei Terminen in Speyer anders besetzt sind, ist nicht bekannt. Auffällig ist es aber schon, dass jeweils gerade die Kandidaten fehlen, die von den Positionen der Veranstalter wohl am weitesten entfernt sind.

Betäubungsmittel: Doppelt gedopt

Fragt der Anwalt seinen Mandanten: „Jetzt mal ehrlich: Haben Sie den Einbruch verübt?“ Der Angeklagte schüttelt entrüstet den Kopf. Da wird der Verteidiger blass: „Und wie wollen Sie mich dann bezahlen?“ Noch so schlimme Vergehen können manchmal auch Anlass zum Schmunzeln bieten. Bei einem Fall aus Speyer von dieser Woche kommt zum Schmunzeln aber noch erstauntes Kopfschütteln hinzu. Eine 43-Jährige war in der Industriestraße von der Polizei kontrolliert worden. Die Beamten stellten verbotene Aufputschmittel fest, die die Frau dabei gehabt hatte. So weit, so schlecht. „Die Frau verteidigte ihren Drogenkonsum verbal“, melden die Beamten ihrerseits entrüstet. Sie kontrollierten weiter – 20 Minuten später wieder dieselbe Frau. Ergebnis: Sie hatte „neue“ Aufputschmittel dabei, die sie laut Polizei zwischenzeitlich erworben haben muss. Auch hier mal wieder: schneller als die Polizei erlaubt.

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