Speyer
Opfer des Gastro-Lockdowns
Es war eine Herzenssache für den Weinjournalisten Rolf Klein und seine Frau Tanja, als sie 2011 mit ihrem Weinstudio ins neue „Tor zur Pfalz“ in der Maximilianstraße zogen. Das Renommierprojekt in der Landesimmobilie scheiterte. Es folgten ein Insolvenzverfahren und im Spätjahr 2015 der Umzug in die Schulergasse 2 am Königsplatz. Diesen Standort müsse er jetzt nach Mietrückständen und einer per Gerichtsvollzieher zugestellten fristlosen Kündigung zum 25. November räumen, berichtet Rolf Klein. Das sei das Aus für sein Geschäft, für das er jetzt auf einen guten Abverkauf hofft, für den ihm leider nur wenig Zeit bleibe.
Die Kündigung sei letztlich nur der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte, sagt Klein auf Anfrage. Er müsse sich eingestehen, dass er in den fünf Jahren seinen betriebswirtschaftlich erforderlichen Monatsumsatz viel zu selten erreicht habe. Der doppelte Lockdown 2020 habe diese Tendenz dramatisch verschärft: „Ohne Veranstaltungen, ohne Weinproben trägt sich der Laden nicht“, bedauert er. In der ersten Woche des November-Lockdowns habe er an fünf Tagen nicht einmal 300 Euro umgesetzt.
Kunden bleiben aus
Das Hauptproblem sei, dass am Ladenstandort abseits der Maximilianstraße die Laufkundschaft fehle, so Klein. Als dann im Frühjahr der Wochenmarkt vom Königs- auf den Festplatz verlegt wurde, sei ein weiterer wichtiger Teil der Einnahmen weggefallen: Das Kundenaufkommen samstags sei seither „mehr als bescheiden“. Das Weinstudio habe schon im Sommer geschwächelt, die Verluste aus dem Frühjahr kaum aufholen können, so Klein. Die Einnahmen aus seiner weiteren Tätigkeit als freier Journalist hätten sich halbiert. Im August habe er dann seine Frau noch zu einer Reha-Maßnahme begleitet und nicht vor Ort sein können. Seit dieser Zeit sei er auch Mieten schuldig geblieben.
Klein will seine Lieferanten und seinen Vermieter bezahlen, betont er. Dabei gebe es finanziell viele Ungewissheiten. So setze ihn nun die fristlose Kündigung unter Druck, „die Ladeneinrichtung bis in zwei Wochen zu verkaufen und alles aufzulösen“. Seine Frau und er hätten allerdings beschlossen, den Kampf um den Fortbestand des Geschäfts aufzugeben. „Ich habe erst mal die Schnauze voll.“ Für Mittwoch kündigte der 61-Jährige mit Doktortitel einen Antrag auf Jobcenter-Leistungen an. „Da gibt es für Freiberufler und Soloselbstständige ein vereinfachtes Verfahren. Man wird sehen.“
„Schwere Zeiten“
Er hätte wohl auch die November- und Dezember-Miete vorerst schuldig bleiben müssen, sagt Klein. Auch die paar Weinproben, die er für die Adventszeit geplant hatte, und das arg ungewisse Weihnachtsgeschäft hätten es „nicht mehr rausgerissen“, sagt er. Wie viele andere geht auch er von weiteren schlechten Nachrichten aus dem Geschäftsleben aus: „Das sind schwere Zeiten nicht nur für uns, sondern für viele Kolleginnen und Kollegen sowie Schausteller, Künstler und so weiter.“