Jahresrückblick 2025
Offene Fragen für Speyerer Stadtentwicklung
1. Die Kaserne
Seit dem Abzug der Bundeswehr vor mehr als einem Jahrzehnt wurde geplant: Im Speyerer Norden soll auf dem Gelände der Kurpfalzkaserne und in deren Umgebung ein neues Wohn- und Gewerbegebiet entstehen. Es gab schon unterschiedliche Pläne – mit mehr oder weniger Ackerland, das einbezogen werden soll sowie mit und ohne Otterstadt. Kaum hat sich die Nachbargemeinde 2025 aus der gemeinsamen Entwicklung zurückgezogen und die Stadt Speyer ihr Interesse erklärt, alles zu übernehmen, kommt die Hiobsbotschaft: Die Umwandlung militärisch genutzter Liegenschaften für zivile Zwecke ist bundesweit ausgesetzt.
Der Bund, mit dem längst über den Ankauf verhandelt worden war, muss sich nun erklären: Welche der 187 ehemaligen militärischen Liegenschaften will er in Zeiten zunehmender weltpolitischer Herausforderungen wirklich wieder für die Bundeswehr nutzen? Wenn Speyer auf der Liste bliebe, müsste sich die Stadt ihre Pläne für Wohnen und Gewerbe auf den gut zehn Hektar abschminken. Das wäre bedauerlich, weil es auf ihrer engen Gemarkung kaum Alternativen gibt. Ein kleines Gewerbegebiet zwischen Kaserne und B9 soll dennoch entstehen, ansonsten ist Abwarten und Weiterplanen angesagt.
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewo, auf die auch für das „Pionier-Quartier“ gesetzt wurde, kann das noch am ehesten verkraften: Sie schließt 2025 ein Großprojekt mit 42 Wohneinheiten neben der Kirche St. Otto ab und muss jetzt ohnehin erst mal wieder Kräfte sammeln. Als Nächstes plant sie Nachverdichtung im Waldviertel in Speyer-Nord.
2. Die Wirtschaft
Dass Speyer gefragt ist, zeigt sich auch in der Wirtschaft: Natürlich gibt es schlechte Nachrichten, etwa aus dem kritisch beäugten Innenstadthandel, aber immer wieder auch Neuansiedlungen. Haushaltswaren Christmann hört auf, die Metzgerei Vogt geht, Gerry Weber schließt und mit dem Haus Edelberg auch ein Seniorenheim. In etlichen Fällen finden sich aber auch Nachmieter. Es gibt kräftige Investitionen zum Beispiel bei der Chemiefabrik Thor, Neuansiedlungen wie das vielbeachtete Geschäft Ocean & Sand in der Gilgenstraße und neue Gastro-Standorte wie „Der Holländer“ im Industriehof. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen: Der Strukturwandel wird weitergehen, und insbesondere Handel und Industrie haben es derzeit oft nicht leicht.
3. Die Politik
Von kommunaler Seite muss die Stadtverwaltung auf die Herausforderungen reagieren. An ihrer Spitze steht eine Veränderung an: Alexander Schubert (CDU) wird als neuer Bürgermeister gewählt und tritt im März 2026 die Nachfolge seiner Parteikollegin Monika Kabs an, die nach 16 Jahren in den Ruhestand geht. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) lässt sich schon 2025 für die am 6. September 2026 anstehende Neuwahl nominieren und wartet auf Gegenkandidaten. Die CDU und die AfD kündigen Bewerber an, Mike Oehlmann von der FDP überlegt anzutreten – aber offiziell wagt sich noch niemand aus der Deckung.