Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Oberbürgermeisterin im Mutterschutz: So soll die Stadt ohne Stefanie Seiler funktionieren

Neue Realität: Vertreterin Monika Kabs eröffnet das Altstadtfest, OB Stefanie Seiler (hinten) schaut zu.
Neue Realität: Vertreterin Monika Kabs eröffnet das Altstadtfest, OB Stefanie Seiler (hinten) schaut zu.

Im Mai hat Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) mitgeteilt, dass sie ihr zweites Kind erwartet. Nun steht ihr Übergang in den Mutterschutz bevor. Trotzdem führt sie weiter die Geschicke der Stadt. Im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt sie, wann sich das ändern wird und wer dann die Verantwortung trägt.

Stefanie Seiler … über ihren aktuellen Status

Sechs Wochen vor und acht Wochen nach einer Geburt läuft normalerweise die gesetzliche Mutterschutzfrist. In den zwei Monaten nachdem ein Baby das Licht der Welt erblickt hat, besteht ein absolutes Beschäftigungsverbot. In der Zeit davor dürfen Schwangere weiter arbeiten, wenn sie das selbst möchten. Sie können das gegenüber ihrem Arbeitgeber erklären. Genau das hat die Speyerer Oberbürgermeisterin getan. Die Frist hätte für sie vorigen Samstag begonnen, sagt sie. „Ich habe von dem Optionsrecht Gebrauch gemacht, das jederzeit widerrufbar ist. Wie lange ich das mache, ist davon abhängig, wie es mir körperlich geht und was mir mein Arzt rät. Wir schauen von Tag zu Tag und von Woche zu Woche.“ Ihre Schwangerschaft sei in der Mitte des neunten Monats. Sie spüre schon körperliche Einschränkungen.

… über ihre weiteren Pläne

Voraussichtlich Anfang Oktober werde sie sich weiter zurückziehen und habe das in den Terminabsprachen mit ihren Stellvertreterinnen, Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) und Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (Grüne), schon länger berücksichtigt. Für die Eröffnung einer neuen Hans-Purrmann-Ausstellung am 11. Oktober sei etwa schon vereinbart, dass Kabs das Grußwort spricht. Ansonsten nehme sie seit drei Wochen weniger Termine wahr, vor allem abends. In den nächsten Tagen will sie noch regelmäßig ins Stadthaus kommen und sich vor allem auf klassische Verwaltungsangelegenheiten konzentrieren, derzeit zum Beispiel die Vorbereitung des Haushaltsplans für 2025.

… über die Zeit nach der Geburt

Wenn ihr Kind – eine Tochter – Ende Oktober oder Anfang November in Speyer zur Welt gekommen sei, beginne die Schutzfrist, in der sie nicht arbeiten werde. „Ich bin dann voraussichtlich Anfang Januar wieder da“, sagt Seiler. Sie werde bis dahin keine offiziellen Termine als Oberbürgermeisterin wahrnehmen, schließe jedoch nicht aus, als Gast zu kommen, wenn ihr das möglich sei. Anfang 2025 werde ihr Ehemann seine Elternzeit beginnen. Sie selbst plane das nicht. Die Erfahrung aus der Zeit nach der Geburt ihrer ersten Tochter vor knapp einem Jahrzehnt lehre sie, wohl für Februar oder März nach und nach wieder mehr dienstliche Termine einplanen zu können. In der Zeit direkt nach der Geburt dürfe das Rathaus sie gern auf dem Laufenden halten, aber nicht immer eine schnelle Antwort auf E-Mails erwarten. „Die größte Herausforderung wird sein, meine Neugier im Zaum zu halten“, so Seiler. Augenzwinkernd ergänzt sie: „Damit ich nicht ständig mit dem Kinderwagen um das Stadthaus fahre.“

… über die Vertretungsregelungen

Bürgermeisterin Kabs sei ihre erste Vertreterin und werde in ihrer Abwesenheit den Vorsitz des Stadtrats, des Personal- und des Hauptausschusses übernehmen. Beigeordnete Münch-Weinmann verantworte den Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr. Einladungen teilten die Stellvertreterinnen unter sich auf. Bei der weiteren inhaltlichen Arbeit habe sie „absolutes Vertrauen in die Fachbereiche“, aus denen die Dezernentinnen auch die Informationen über Seilers Zuständigkeitsbereiche erhielten. Insgesamt zählt die Stadtverwaltung mehr als 1100 Mitarbeiter.

… über offene Fragen in ihrer Abwesenheit

Es werde Entscheidungen geben, die ohne sie getroffen werden, sagt die 2018 in einer Direktwahl auf acht Jahre gewählte Oberbürgermeisterin. Sie vertraue dabei auf ihre Mitarbeiter, sei aber bei Bedarf erreichbar. Den Haushaltsplan für das kommende Jahr, eine der wichtigsten Aufgaben der Stadtchefin, könne sie diesmal nicht selbst in den Rat einbringen. Er sei weitgehend vorbereitet – bei den Vorarbeiten seien auch wesentliche Herausforderungen sichtbar geworden. Für 2025 sei nämlich eine angespannte Finanzlage zu erwarten, der Haushaltsausgleich noch schwerer als schon zuletzt. Um ihn zu schaffen, werde „noch stringenter“ über Ausgabenkürzungen beraten werden müssen. Hintergrund: vor allem wachsende Soziallasten. „Wir waren dabei im Vergleich zu anderen Kommunen relativ privilegiert, aber es war eine Frage der Zeit, bis sich das ändert“, so Seiler. Für die aktuell zu erstellende Jahresrechnung 2023 sei absehbar, dass aus der eingeplanten schwarze Null ein Fehlbetrag werde.

… über Familienzuwachs im Wahlamt

Ihre ganze Familie freue sich sehr auf das neue Mitglied, so Seiler. Sie wolle daraus aber kein Politikum machen: Es gehe letztlich um eine private Entscheidung, die man sehr bewusst getroffen habe. Seiler spricht von einer „Sehnsucht“, die sie nicht vom Amt abhängig machen wollte. Ihre erste Tochter Marie, heute Viertklässlerin, hatte sie in ihrer Zeit als hauptamtliche Beigeordnete zur Welt gebracht. Bei der Betreuung seien unter anderem die Großeltern hilfreich. Seiler ist froh, dass die Schwangerschaft gut verlaufe und dass sie so viele positive Rückmeldungen erhalte. „Die Speyerer freuen sich mit“, so ihre Wahrnehmung. Negative Kommentare gebe es keine. Wenn auch die Geburt erfolgreich sei und alle gesund blieben, werde „eine Last abfallen“ und eine Zeit der Ruhe beginnen, die sie für ihre Familie und sich benötige.

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