Speyer O Tannenbaum:

In diesem Jahr hat sich die RHEINPFALZ in der Adventskalender-Serie den kleinen Baumschmückern aus Kitas und Schulen gewidmet. Zum krönenden Abschluss schildern heute einige Autoren der Serie in dieser Weihnachtskolumne ihre Vorstellungen vom etwas anderen Baumschmuck. Die Tannenbäume, die derzeit Foyers und Stationen der Speyerer Kliniken schmücken, sind nicht krank. Um sie steht es viel schlimmer. Wurzellos werden sie zum Adventsbeginn ins Diakonissen-Stiftungs- und Vincentius-Krankenhaus eingeliefert. Eingetopft, prachtvoll geschmückt und beleuchtet bäumen sie sich auf – bis sie dem städtischen Müllkalender zum Opfer fallen. Wo so viel medizinische Fachkompetenz wirkt, sollte dieses traurige Schicksal nicht länger hingenommen werden. Vorschlag: Nach gelungener Wurzel-Transplantation schmücken und nähren Infusionen von Ast zu Stamm den Klinik-eigenen Baum. Der Wattebausch ersetzt das Engelshaar, Katheter, Nadel und Milchpumpe den Christbaumschmuck. „Früher war mehr Lametta“, mag der Betrachter beim Anblick herabhängender Fäden denken, die offene Baumwunden schließen. Gutes Gelingen. (kya) Seit Anfang Advent steht im Vorraum des Amtsgerichts ein besonders schöner, hoher Weihnachtsbaum, geschmückt mit Lichtern und neu angeschafften roten Kugeln – aus Kunststoff „wegen der doch dort gelegentlich wartenden Kinder“, wie ein Justizvollzugsbeamter erklärte. Der Baum könnte, etwas juristischer, aber auch so aussehen: Als Christbaumspitze könnte die Dame Justitia ihre Waage ausleihen, und ihre Augenbinde könnte sich gut als Schleife eignen. Da sie eine Dame ist, hat sie bestimmt etliche in verschiedenen Farben zum wechseln, das wird hübsch bunt. „Paragrafenreiter“ könnten auf den Zweigen sitzen oder hängen, wie die genau aussehen, wer weiß. Kleine, engelhafte Jockeys auf goldenen und silbernen Paragrafen vielleicht? Die Grenzen zwischen Engeln und Bengeln sind manchmal kaum sichtbar, niemand weiß das so gut wie ein Richter – oder eine Richterin, denn auch solche gibt es dort. Am Weihnachtsbaum kann der Bengel eine Schnur als Teufelsschwänzchen bekommen zur Unterscheidung. Schon ist er fertig und erglänzt aus sich heraus im Licht von Wahrheit und Gerechtigkeit. (adö) Als Polizist erlebt man jeden Tag schöne Bescherungen. Doch wie würde so ein behördentypischer Weihnachtsbaum aussehen? Wie gut, dass die Polizei seit einiger Zeit blau-silber auftritt und die grünen Autos sowie Uniformen ausgemustert hat. Zumindest unter dekorativen Gesichtspunkten war das eine kluge Entscheidung, denn Kugeln in blau und silber sehen einfach besser aus als grüne Kugeln in der grünen Tanne. Statt Kerzen empfehlen wir eine Lichterkette aus Mini-Blaulichtern. Die flackern ganz schön, wenn auch nicht besinnlich. Den Ton sollte man besser ausschalten. Auf die Spitze kommt eine schöne rote Kelle. Mit etwas Kabelbinder sollte das kein Problem sein. Der Clou: Aus Handschellen lassen sich hübsche Ketten basteln, die man dekorativ von Ast zu Ast schlingen kann. Weihnachten ist ein friedliches Fest, also bitte keine Schlagstöcke in den Baum hängen, rot-weiße Zuckerstangen wären angemessener und dekorativer. Und jetzt noch alle um den Baum aufstellen und zusammen Jingle-Bells im Sirenen-Slang singen: Tü-ta-taa, Tü-ta-taa, tü-ta-tü-ta-taaaaaa…(krx) Vor drei Jahren hörte ich einen Bericht im Radio. Es ging um die Weihnachtsgurke. Nein, liebe Vegetarier: nicht zum Essen. Sie ist ein schön grüner, krummer und buckliger Christbaumschmuck aus Glas, eben in Gestalt einer Gurke. Die hängt man tief in den Baum hinein und derjenige, der sie zuerst entdeckt, bekommt ein kleines Extra-Geschenk. Eine schöne Idee, dachte ich, und die Odyssee begann: Im Kaufhaus wurde ich schon mal nicht fündig. Ist ja auch kein Gemüseladen. Auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt auch nicht. Ist ja kein Wochenmarkt. Aber sicher doch in Mannheim? Fehlanzeige. Ist ja kein Gemüsegroßhändler. Kurz, nirgends gab es Weihnachtsgurken. Fündig wurde ich damals schließlich im Internet. Ist ja der Markt der Möglichkeiten. Und heute? Überall gibt es diese weihnachtlichen Gurken in allen Formen, matt, glänzend, mit Schneeglitter und ohne. Ist ja trendig. So ändern sich eben die Zeiten! (wlx) Pasta gehört nicht in den Kochtopf. Sie gehört an den Weihnachtsbaum. Am besten in Form von Nudelengeln – ungekocht, nicht aldente. Seit mehreren Jahren gehört das Basteln von Nudelengeln für mich in die Adventszeit, wie das Backen von Plätzchen. Die golden oder in silber leuchtenden Engel bestehen aus Rigatoni-Nudeln als Körper und Farfalle (Schmetterlingsnudeln) als Flügel. Die individuelle Gestaltung der Arme und der Haare aus frei wählbaren Nudelsorten macht den jeweiligen Himmelsboten zum Unikat. Auch wenn die fertigen Engel einfach in der Herstellung aussehen, erfordern sie Geduld und Fingerspitzengefühl, damit auch keine Nudel beim Bemalen oder Kleben zu Bruch geht. So ein Nudelengel hat zwei Vorteile: niedrige Materialkosten, schöner Effekt. Und wenn es eine Überproduktion gibt, kann man sie entweder essen oder verschenken. Ganz nachhaltig und vegetarisch. (ila)