Speyer
NonkiCon: Samurais planen Rückkehr mit Sänfte
Auch elf Jahre nach der Erdbeben-, Tsunami- und Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima unterstützt „Kopf hoch, Japan!“ von Speyer aus Opfer im Krisengebiet. Aus der 2011 gegründeten Initiative ist inzwischen ein Verein geworden, dessen japanische Kulturveranstaltungen viel Interesse finden. Das bisherige Glanzlicht ist am Samstag in der und um die Stadthalle zu bestaunen: Zur ersten Speyerer „NonkiCon“ kommen Besucher aus ganz Rheinland-Pfalz und den angrenzenden Bundesländern, Mitwirkende aus ganz Deutschland und zwei Künstler aus Luxemburg.
Hidekuni, so das Pseudonym des einen Künstlers, zeichnet seit drei Jahren digital und traditionell. „Die zwei Stunden Fahrt haben sich echt gelohnt“, beschreibt er seinen Eindruck von der Speyerer NonkiCon. Viel kleiner und mit weniger Besuchern habe er sich das Event vorgestellt, sagt er.
Vorbereitung in Dudenhofen
Ganz so weit hatten es Annika Traut und ihre Töchter Alessa und Hannah nicht bis zur Stadthalle. Mindestens zwei Stunden haben die Dudenhofenerinnen für ihre prachtvolle Kostümierung gebraucht. Hannah geht als Miku Hatsune, Sängerin. Kenner wissen, in welchem Zeichentrick sie entstanden ist. „Ich war schon 2020 voll gehypt von der angekündigten NonkiCon“, sagt mit Yannik ein weiterer Besucher. „Dann kam Corona – und nichts war mehr.“ Umso mehr freut sich der Junge über seine Convention-Premiere. Deutlich mehr Kunst und Handwerk, als er vermutet habe, gebe es dort zu sehen und zu kaufen.
„Ich habe noch nie so eine geile Organisation erlebt“, betont Claudia, die für „Prismatic Fireflies“ aus Kaiserslautern Gravuren auf Holz, Bambus und Glas anfertigt. Auf einen Kochlöffel schreibt sie: „Burn The Patriarchy“ („Verbrenne das Patriarchat“).
Seifen wie Schokolade
Am Stand gegenüber duftet es aus Kerzen-Gläsern nach Espresso oder danach, wie es bei „Harry Potter“ riechen könnte. Seifen sehen aus wie Schokolade, japanische Glücksbringer versprechen Kraft und Stärke.
Midori Hanada ist den meisten Besuchern ein Begriff. Die japanische Künstlerin zeichnet in der Stadthalle Porträts in Schwarz-Weiß oder Farbe im Minutentakt. Ihr Bilderbuch vom flauschigen Bären ist heiß begehrt.
Die Hitze in der Veranstaltungsstätte scheint den Samurais aus Düsseldorf nichts auszumachen. „Solange man die Rüstung samt Kopfbedeckung anhat, geht es“, meint einer der zwei Krieger im Outfit der japanischen Generäle des 16. Jahrhunderts. Renate Schulenberg, ebenfalls Mitglied der Samurai-Gruppe Takeda, erläutert die historische Flechttechnik Kumihimo zur Herstellung einer Samurai-Rüstung. Ungefähr 300 Meter Band und zwei Jahre Zeit seien erforderlich, beschreibt sie Kunst und Geduld. In Kumihimo-Technik gefertigte Arm- und Freundschaftsbänder ersetzen heute die Rüstungen, so Schulenberg. Bei der zweiten Speyerer NonkiCon will die Gruppe wiederkommen. Vielleicht mit einer Sänfte.
Überwältigte Organisatoren
Kopf-hoch-Japan-Vorsitzende Tomoko Moser ist überwältigt. Niemals hätte sie mit so einer großen Resonanz auf das Treffen gerechnet, sagt sie. „2023 wird die Convention größer und dauert zwei Tage“, kündigt sie eine Erweiterung zur zweiten Auflage an. Mindestens 600 Besucher seien gekommen. Die Snacks der japanischen Lokale in Speyer seien ausverkauft.
Den Speisen-Engpass bedauern Angel und ihre Freundinnen aus Neustadt, Kaiserslautern und Mainz sehr. „Eine Klimaanlage und ein Eiswagen wären nicht schlecht“, sagt die Besucherin aus dem Saarland. Das Fotoshooting im Foyer haben die kostümierten Freundinnen hinter sich, nun wollen sie sich in Origami, der speziellen Papier-Falttechnik, am Stand eines japanischen Ehepaares üben, das seit zwei Jahren in Walldorf lebt. Danach entsteht unter den Händen der Münchner Ikebana-Lehrerin Kouei Ishihara-Rössler ein Sommerblüten-Traum aus Blumen und Zweigen. „Ikebana hebt die Eigenschaft jeder Pflanze hervor“, erklärt die Lehrerin.
Vor der Halle tauschen sich Zeichentrick-Helden, Krieger, gekrönte Häupter, Fliegenpilze oder Polizisten aus. Alle haben ihren Namen auf Japanisch geschrieben, Accessoires für ihr Hobby gefunden und Bekanntschaften gemacht. „Dafür ist eine Mini-NonkiCon genau richtig“, sagt Angel.