Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nonki-Con: Japan-Convention zum Brezelfest geplant

Viel beschäftigt: Martin und Tomoko Moser.
Viel beschäftigt: Martin und Tomoko Moser.

Elf Jahre nach der Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Reaktorunglück in Japan hat der Speyerer Verein „Kopf hoch, Japan!“ noch immer Verbindungen in die Region. Die Wiederaufbauhilfe ist vorbei, jetzt geht es um eine kulturelle Verankerung. Für Speyer hat der Verein einiges vor.

Es gibt viel zu berichten für die Eheleute Tomoko und Martin Moser. Mit ihrem Verein „Kopf hoch, Japan!“ haben sie in diesem Jahr einiges vor, nachdem die Pandemie ein Vereinsleben unmöglich gemacht hatte. „Wie auch bei anderen ist das Vereinsleben fast eingeschlafen“, erzählt Martin Moser. Zu neuem Leben erwachen soll passend zur Jahreszeit Frühling deshalb das Kursangebot des Vereins. Tomoko Moser freut sich schon auf regelmäßige Kochtreffs und womöglich bald erneut stattfindende Kochkurse. Die Blumensteckkunst Ikebana, japanische Kalligrafie, Trommel-Workshops: Auch das soll wieder möglich sein, so es Corona zulässt.

„Kopf hoch, Japan!“ wurde von den Mosers unter dem Eindruck der Katastrophe im nordöstlichen Japan am 11. März 2011 gegründet. Seinerzeit ging es um Spenden für den Wiederaufbau der Region. Die gebürtige Japanerin Tomoko Moser war selbst mehrmals im Katastrophengebiet. „Meine Familie lebt in Sendai und war direkt betroffen. Anfangs gab es weder Strom noch Internet. Ich konnte nicht mit ihnen kommunizieren“, erinnert sich die 57-Jährige.

Neue Bürgerreise geplant

Elf Jahre später sind Spenden nicht mehr nötig. Bis auf die nach wie vor prekäre Situation rund um das Atomkraftwerk Fukushima, seien die Schäden weitestgehend beseitigt, berichtet Tomoko Moser. Das gesammelte Geld ging dank ihrer Arbeit in die Reparaturarbeiten für Schulen in den Präfekturen Miyagi und Iwate. Die Gebäude seien oft an höheren Lagen wiederaufgebaut wurden, als Schutz vor künftigen Tsunamis. Für Tomoko Moser war die Weitergabe der Spenden nicht einfach, wie sie heute erzählt. Vor allem dank persönlicher Kontakte und Geduld im Umgang mit japanischen Behörden kam das Geld am Ende an.

Der Kontakt in die Region ist immer noch da. „Die finanzielle Unterstützung ist zu Ende, aber vergessen zu werden, das ist das Schlimmste für Japaner“, sagt die 57-Jährige, deren Heimatstadt Hanamaki ebenfalls in Iwate liegt. Der Kulturaustausch solle erhalten bleiben, auch mit Projekten wie einer Bürgerreise, die im Oktober 2019 erstmals organisiert worden war. Damals ging es nach Hiraizumi, das ebenfalls im Nordosten Japans liegt und das – genau wie Speyer – als Unesco Weltkulturerbe anerkannte historische Stätten bietet. Auch hier ging Corona-bedingt lange nichts. „Wir möchten wieder eine Bürgerreise organisieren, wenn sich alles öffnet“, sagt Martin Moser. Als Termin peilt er das Jahr 2023 an. Interessierte können sich aber bereits jetzt beim Verein melden.

Der Verein der Mosers zählt inzwischen rund 40 deutsche Mitglieder, größtenteils aus der Vorderpfalz und aus Baden-Württemberg. Dazu kommen elf Mitglieder, die in Japan leben. Im Jahr 2017 wurde der Verein der Mosers als Deutsch-Japanische Gesellschaft (DJG) anerkannt – die einzige dieser Art in der Pfalz und nur eine von drei DJG in ganz Rheinland-Pfalz.

Nonki-Con zum Brezelfest

Ein Projekt, das den Mosers am Herzen liegt, ist die Nonki-Con, eine japanische Convention, auf der sich einer Messe ähnlich Kleinkünstler präsentieren und an Workshops teilgenommen werden kann. Raum für Cosplayer, kostümierte Fans japanischer Comics, soll natürlich auch geboten werden. Vor der Pandemie hatte der Verein mit etwa 2000 Besuchern gerechnet. Jetzt müssen die Mosers erst einmal kleiner starten: Am 9. und 10. Juli, passend zum Brezelfest, soll die Nonki-Con im Jugendtheater und im historischen Stadtsaal erstmals über die Bühne gehen. Der Eintritt ist frei. Mehrere Kleinkünstler haben bereits zugesagt, die Mosers planen mit etwa 500 Besuchern und hoffen auf eine größere Veranstaltung im kommenden Jahr. Mit der Unterstützung der Stadt im Rücken will das Ehepaar künftig einen Japantag oder eine Japanwoche unter Einbezug lokaler Unternehmen etablieren.

Stolz ist der 56-jährige Moser auch auf „Gyudon und Spätzle“. Ein Buch, das passend der 160-jährigen deutsch-japanischen Freundschaft 160 Haikus – eine japanische Gedichtform – präsentiert, die über einem Wettbewerb eingereicht worden waren. Erhältlich ist das Buch über den Verein.

Im Netz

www.djg-vorderpfalz.de/

28. April 2011, Fischerhafen Kesennuma, Miyagi Präfektur.
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Bürgerreise nach Japan im Oktober 2019.
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