Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nistkästen: Wo die wilden Vögel wohnen

 Spannend: Umweltbildungsförsterin Beate Werner zeigt Nora und Tim den Inhalt eines Nistkastens. Doris (rechts) und Michael Hein
Spannend: Umweltbildungsförsterin Beate Werner zeigt Nora und Tim den Inhalt eines Nistkastens. Doris (rechts) und Michael Heinemann sowie Luise Burckhart schauen zu.

Mehrere Dutzend Nistkästen hängen im Speyerer Stadtwald. Mehr als 20 Vogelarten kommen als deren Bewohner in Frage. Am Mittwoch hat Umweltbildungsförsterin Beate Werner mit Unterstützung von einem halben Dutzend kleinen und großen Helfern die 25 Nisthilfen in Betreuung der Rucksackschule des Forstamts Pfälzer Rheinauen sauber gemacht. Dabei ist deutlich geworden, welche Vögel im Wald an der Iggelheimer Straße häufig vorkommen. Doch nicht nur gefiederte Tiere beziehen die Kästen gerne.

„In Deutschland gibt es ungefähr 220 Vogelarten. Circa 120 von ihnen leben im Wald und etwa ein Fünftel davon nimmt Nistkästen an“, sagt Beate Werner im Stadtwald vor dem Kontrollgang. Die Behausungen nutzen Singvögel wie verschiedene Meisen, etwa Blau- und Kohlmeisen. Für solche Vögel sind 20 der Kästen von der Rucksackschule gemacht; eine Nistgelegenheit ist speziell für Baumläufer und vier sind gar nicht für Vögel, sondern für Fledermäuse konstruiert, weiß die Umweltbildungsförsterin.

Bevor es an das Öffnen der Nistkästen in drei bis vier Metern Höhe geht, zeigt Werner den Teilnehmern der Aktion – Doris und Michael Heinemann aus Otterstadt, Luise Burkhart mit ihren beiden Kindern aus Dudenhofen sowie Tim Landry aus derselben Gemeinde – Fotos mit typischen Wohnungsausstattungen. Das heißt, mal sind die Vogelnester in den Kästen mit Moos, Federn und Haaren, mal mit Blättern, Zweigen und Stängeln und mal mit Rinde von den Piepmätzen gebaut worden. Es reicht also oft schon aus, ein Nest zu entdecken, um zu wissen, wer in einem Kasten gewohnt hat.

Spannung ist groß

Nach mehr als zwei Stunden und der Säuberung von 24 Nisthilfen, ein Kasten ist spurlos verschwunden, zieht die Försterin eine positive Bilanz: „Allein in zwölf Kästen haben Meisen gebrütet und nur vier oder fünf waren leer. Weil wir keine toten Nestlinge gefunden und auch nur einmal Eier gesehen haben, sind die meisten Bruten erfolgreich gewesen“, teilt sie mit. Nach einem nassen und kühlen Frühling vor einigen Jahren sei das ganz anders gewesen. Jedes Mal ist die Spannung bei ihr und den Teilnehmern groß, wenn der Deckel an einer Nisthilfe abgehoben wird.

Überraschend ist, dass in zwei Fledermauskästen, die einen Schlitz statt ein Loch haben, tatsächlich Vögel brüteten. Fasziniert waren alle, als Beate Werner acht winzige Fledermäuse in einem Kasten an der Decke hängend entdeckte. „Sie finden immer noch nachtaktive Insekten. Erst wenn es kälter ist, ziehen sich die Fledermäuse für den Winterschlaf in Höhlen zurück“, teilt sie mit.

Selbst der Spezialkasten mit hinterem Seiteneingang für Baumläufer war bewohnt, wie das Nest aus Rinde verrät. Das Entfernen der Nester sei sinnvoll, weil damit Krankheiten vorgebeugt werde und „weil sonst irgendwann der Kasten voll wäre“, so Werner.

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