Speyer „Nirgendwo so dreckig wie in Speyer“
Gabriele Walter ist sauer. So sauer, dass sie selbst zur Tat schreitet. Sie schnappt sich eine Tüte und sammelt den herumliegenden Unrat ein. Ihr Frust bleibt. Mit ihrem Ärger über den Müll in Speyer-Süd hat sie sich an die RHEINPFALZ gewandt.
Seit Dezember wohnt Walter in der Wittelsbacherstraße, schaut auf zwei Kindergärten, einen Bolzplatz und Garagen. Eigentlich kein schlechter Ausblick. Aber Dreck vermiest ihr die Aussicht. „Es gefällt mir nicht, wie es hier aussieht“, stellt die 54-Jährige fest. „Ich fühle mich nicht wohl.“ Dass mal etwas rumliegen kann, sei überall so – aber nicht in diesem Ausmaß. „Auf einem Grünstreifen liegen Kanister rum, die ich in die Tüte geräumt habe, Zigarettenschachteln, Flaschen, Papier, Folie und so weiter. Ringsherum, überall liegt Müll“, schimpft sie. Bevor sie der Liebe wegen hierher kam, wohnte sie in verschiedenen baden-württembergischen Städten. Nirgendwo sei es so dreckig gewesen wie in Speyer. „Der Vergleich ist für mich unerträglich.“ Walter lobt etwa die Infrastruktur in Kirchheim/Teck, denn es gab genügend Mülleimer. Rasen und Grünstreifen seien ständig gepflegt worden. Neben dem Müll stören sie Hundehaufen – ob lose oder eingepackt. „Beim Sportplatz liegen dicke, fette Haufen auf dem Gehweg und entlang unseres Hauses.“ Eltern und Kinder müssten durch den Hundekot laufen. Andere Hundebesitzer tüteten die Haufen zwar ein, ließen aber die Plastikverpackung mit Inhalt liegen. Die Neu-Speyererin hat selbst einen Hund. „Ich räume mein Zeug weg“, betont sie. Dass andere die Haufen liegenließen und der Meinung seien, sie dürften das, weil sie Hundesteuer zahlten, störe sie, sagt Walter. Sie fordert eine andere Gegenleistung für die Hundesteuer: „Die Stadt könnte wenigstens Mülleimer hinstellen.“ Abgesehen davon, fragt sie sich: Warum hält sich die Stadt nicht an ihre eigene Satzung über die Reinigung öffentlicher Straßen? „Ich fordere auf, eine Domstadt entsprechend zu behandeln.“ Stadt-Sprecherin Barbara Fresenius entgegnet, der städtische Baubetriebshof habe allein im vergangenen Jahr 105 Tonnen wilden Müll eingesammelt und entsorgt. Darüber hinaus sei jede Kommune darauf angewiesen, dass Bürger ihre Reinigungspflicht erfüllen, wie es in der Straßenreinigungssatzung geregelt ist. Den Wiesenstreifen in der Wittelsbacherstraße und den Bolzplatz reinige der Baubetriebshof turnusmäßig. Die städtischen Mitarbeiter nehmen laut Pressesprecherin dieses Areal nicht als „Vermüllungsschwerpunkt“ wahr. Zum Thema Mülleimer teilt Fresenius mit, dass am Bolzplatz einer platziert sei, der auch genutzt werde. Laut Stadt sorgen mehr öffentliche Mülleimer nicht für mehr Sauberkeit – im Gegenteil. An ihren Standorten werde oft Hausmüll entsorgt, der auf oder neben den Müllkörben stehe, so Fresenius. Rund 520 öffentliche Abfalleimer zählt die Stadt. Stellen Mitarbeiter des Baubetriebshofs fest, dass einer kaum genutzt wird, kann er an einen anderen Standort wandern. „Den Leserärger nimmt die Stadt gerne zum Anlass, einmal mehr an die Hundehalter zu appellieren, den Kot ihrer Tiere einzusammeln und zu entsorgen“, so Fresenius. Wer dafür eine Tüte benutze, werde gebeten, diese bis zum nächsten Abfalleimer zu tragen und nicht liegenzulassen. (yvw) Termin Dreck-weg-Tag: Freitag, 26., und Samstag, 27. Februar. Info-Telefon: 06232 142785.