Interview
Neun-Euro-Ticket: „Schade, dass es keinen Nachfolger gibt“
Herr Flörchinger, wo geht es hin?
Ich weiß noch nicht. Ich entscheide mich in der S-Bahn, wo ich aussteige. Entweder in Mannheim oder in Heidelberg.
Also Reisen ganz ohne Plan?
Ja. Das mache ich seit Juni oft. Das Neun-Euro-Ticket macht es möglich. Damit habe ich die Pfalz, die Region und sogar Köln ausgiebig erkundet. Das waren spontane Ausflüge alleine oder mit Freunden, die sich absolut gelohnt haben.
Sommerferien in Deutschland. Haben Sie nicht die große weite Welt vermisst?
Musste ich nicht. Ich bin per Inter-Rail mit Schwester und Freundin nach Nizza, Rom, Paris und Brüssel gefahren. Mehr Urlaub geht nicht als Schüler.
Wie lange dauert es noch bis zum Abi?
Ich gehe nächste Woche in die 13, also in die letzte Runde im Nikolaus-von-Weis-Gymnasium.
Geht es dann mit dem Auto zur Schule?
Nein. Erst einmal bin ich traurig, dass es noch keine Anschluss-Regelung gibt. Das Ticket hat doch gezeigt, wie viele Möglichkeiten es mit Zug, Bus und Bahn gibt und wie entspannend die Fahrten sein können. Auch, wenn die Züge voll sind und es manchmal länger dauert, zum Ziel zu kommen.
Sie sind jetzt 18 und Führerschein-Neuling, oder?
Ich habe keinen und will aus Klimagründen auch keinen haben. In Speyer geht alles mit dem Fahrrad und zu Fuß. Nicht nur zur Schule.
Und wenn es mal weiter weggehen soll?
Dann hoffe ich langfristig auf kostenlosen ÖPNV und gut ausgebauten Schienenverkehr mit genügend und besser bezahltem Personal. Ich sage nur: Schuldenbremse abschaffen! Dann klappt es auch mir der Verkehrswende. Das hat man am Verkauf des Neun-Euro-Tickets deutlich gesehen.
Was darf ein deutschlandweit gültiger Fahrschein kosten?
Ich bin für das 365-Euro-Ticket pro Jahr. Das kann jeder bezahlen. Alles andere ist zu teuer.
Kennen Sie viele, die vom Neun-Euro-Ticket schwärmen?
Ja, auch aus meiner Klasse sind viele damit quer durch Deutschland gefahren. Im Zug habe ich Leute getroffen, die Internet-Freunde besucht haben oder sie auf halber Strecke getroffen haben. Ohne das Ticket hätten sie sich wahrscheinlich nie persönlich gesehen.
Gibt es auch Kritiker?
Die gibt es doch immer. Ihnen dauert die Fahrt in überfüllten Zügen zu lange, manche wollen um keinen Preis aufs Auto verzichten. Aber die große Mehrheit ist Fan des Neun-Euro-Tickets geworden.
Wissen Sie inzwischen, wo Sie heute aussteigen?
Noch nicht genau. Wahrscheinlich in Heidelberg. Auf jeden Fall werde ich die Fahrt noch einmal genießen.
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