Speyer Neue Ideen für Campinggebiet „Auf der Au“
Die Zukunft des Campingplatzes „Auf der Au“ ist ungewiss. Mit den Plänen der GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ können sich die Eigentümer nicht anfreunden.
Eine Gruppe von neun Eigentümern – eine gewählte Eigentümervertretung gibt es nicht – hat sich eigene Gedanken über die Zukunft des Gebiets gemacht. Franz Hauck stellte als Vorzeigebeispiel den Campingplatz am See von St. Leon-Rot vor – einen Vier- bis Fünf-Sterne-Platz mit 1000 Parzellen unter Regie der Gemeinde. Dort werde nicht nur auf Dauercamper, sondern auch auf Tagescamper und Wohnmobilisten gesetzt. „Auf der Au“ müssten es ja keine vier Sterne sein, zwei würden reichen, so Hauck. Rainer Regenauer präsentierte die Idee, einen Solarpark auf den nicht mehr als Campingplatz genutzten Parzellen zu errichten und nannte das Beispiel Börrstadt bei Winnweiler, wo die Gemeinde gute Erfahrungen mit einem solchen Park mache.
Kritik an neuen Verträgen
Christel Hamleser-Kunz trug im Namen der Gruppe von Eigentümern die Kritik am Plan der GmbH vor. Sie kritisierte die neuen Verträge, bei denen die 160 Eigentümer kein Mitspracherecht hätten aber das volle Risiko trügen. „Wer will so etwas unterschreiben?“, fragte sie. Nicht nur die niedrigen Pachten – ein oder drei Cent statt bisher 35 und früher sogar 70 Cent pro Quadratmeter – seien das Problem. Auch sei aktuell die GmbH für einen eventuellen ordnungsgemäßen Rückbau verantwortlich. Ob das in den neuen Verträgen auch noch so ist, sei nicht klar. Hamleser-Kunz: „Sollen wir für einen oder drei Cent das volle Risiko eingehen?“ Das Konzept für den neuen Campingplatz sei nicht zukunftsfähig, da der Standard auf einfachstem Niveau bleibe. Die Dauercamper seien überaltert und es sei unklar, ob die Plätze in einigen Jahren immer noch belegt seien. Eine Umgestaltung hin zu Tagescampern und Wohnmobilen könne abschnittsweise erfolgen. Weiter kritisierte sie, dass die gut gehenden Campingplätze „Au am Damm“, die im Besitz der Gemeinde Waldsee seien, nicht in das Konzept eingerechnet seien und die Gemeinde dafür nach wie vor 69 Cent Pacht einstreiche. Die Eigentümer forderten eine neue Planung für den Campingplatz durch Fachplaner. Philibert Zimmermann, der den Part der Einwohnervertretung moderierte, machte unmissverständlich klar: Diese neue Planung soll die GmbH zahlen, nicht die Grundstückseigentümer.
Kein Geld für modernen Campingplatz
„Wer beauftragt, zahlt“, entgegnete Otto Reiland, Waldseer Ortsbürgermeister (CDU) und Aufsichtsratsvorsitzender der GmbH, im zweiten Teil des Abends, zu dem auch Clemens Körner, CDU-Landrat und Geschäftsführer der GmbH, gekommen war. Das Beispiel eines Platzes nach dem Vorbild von St.-Leon-Rot verwarfen Körner und Reiland als nicht realisierbar, da die GmbH außer der Pacht der Camper keine Einnahmen habe und der Umbau nicht mit Steuermitteln finanziert werden dürfe. Die GmbH habe im vergangenen Jahr einen Verlust von 95.000 Euro gemacht. Körner machte klar: „Die Camper wünschen sich keinen Luxuscampingplatz, sondern einen ruhigen Platz und ordentliche Sanitäranlagen.“ Ein Solarpark sei ebenfalls nicht realisierbar, da dieser auf einer zusammenhängenden freien Fläche entstehen müsse und die gebe es nicht. Bäume dürften dafür nicht abgeholzt werden. Denkbar sei, dass die Gebiete, die nicht im neuen Campingbereich liegen, als ökologische Ausgleichsflächen dienen. Dafür würden die Eigentümer dann eine Entschädigung vom Bund bekommen. Die GmbH würde das moderieren. Dass sich die Gemeinde Waldsee auf Kosten der Eigentümer bereichern wolle, wies Reiland zurück. Der Campingplatz „Au am Damm“ sei unabhängig vom Gebiet „Auf der Au“ auf Initiative der Gemeinde gegründet worden und es gelten daher andere Verträge.
"Zocken sinnlos"
Die GmbH wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres die Verträge, die ab 2020 für die nächsten 15 Jahre gelten sollen, an die Eigentümer verschicken. Wenn diese den Vertrag nicht unterschreiben, hat das dann einen Einfluss auf die Zukunft des Campingplatzes, wenn das Land innerhalb des neuen verkleinerten Campingplatzes liegt. „Das ist keine Mehrheitsentscheidung. Wenn nur ein Eigentümer den Vertrag nicht unterschreibt, ist unter Umständen Schluss mit dem Campingplatz“, sagte Körner. Dann müssen die Camper das Gelände Ende 2020 verlassen, die GmbH muss Gebäude und gepflasterte Flächen rückbauen. Klar sei auch, dass „zocken sinnlos ist“. „Jeder bekommt den gleichen Vertrag“, so Körner.