Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Gemeindereferentin Ursula Wendel: Hier wird auch mal am Altar getanzt

„Ich brauche Menschen“: Ursula Wendel ist vor allem in den Kitas der Pfarrei Pax Christi unterwegs.
»Ich brauche Menschen«: Ursula Wendel ist vor allem in den Kitas der Pfarrei Pax Christi unterwegs.

In der Pfarrei Pax Christi, mit mehr als 15.000 Gläubigen die größte katholische Kirchengemeinde im Bistum Speyer, gibt es eine neue Seelsorgerin. Ursula Wendel ist nach mehr als drei Jahrzehnten zu ihren Wurzeln in der Gemeindearbeit zurückgekehrt. Sie ist dabei für eine ganz bestimmte Gruppe zuständig.

„Ich liebe die offene Art der Kinder und ihre Neugier“, sagt Ursula Wendel. Die Gemeindereferentin ist seit wenigen Wochen für die sieben katholischen Kitas in der Speyerer Pfarrei Pax Christi zuständig. „Mit 62 Jahren bin ich wieder Beginnerin“, sagt sie und lacht. Ihre Studienkollegen aus den frühen 1980er-Jahren wechselten zum Teil schon in die Altersteilzeit. Sie mache hingegen ganz besondere Erfahrungen: „Wenn ein Kita-Kind zu mir sagt ,Du hast eine Hexennase’, dann finde ich das klasse. Denn genau so hat Gott mich gemacht.“ Der Einsatz in der Pfarrei macht mit 10,5 Wochenstunden ein Drittel ihrer Arbeitszeit aus, die sie ansonsten als Referentin für Kindertagesstätten in der Bistumsverwaltung verbringt.

Die gebürtige Friesenheimerin Wendel startete 1985 als Gemeindereferentin in Bad Dürkheim und Wachenheim in den Dienst des Bistums. Für sie folgten zwölf Jahre als Religionspädagogin an drei Ludwigshafener Grundschulen, bevor sie in einem Pilotprojekt modernes Qualitätsmanagement an katholischen Kitas einführte. Als pastorale Begleiterin für 27 Kindertagesstätten im Dekanat Bad Dürkheim war sie unter anderem für Fortbildungen des pädagogischen Personals zuständig. Das für sie überraschende Angebot, bei Pax Christi das Team um Pfarrer Matthias Bender zu entlasten, passe zu ihrem Arbeitsmodell: Sie hat die Stunden reduziert, um ihre Eltern pflegen zu können.

Jesus-Motto aus der Bibel

„Familie ist für mich wichtig“, betont Wendel. Sie hat selbst drei erwachsene Kinder, einen „Patchwork-Sohn“ und einen Enkel, um die sie sich gerne kümmert. Dafür pendele sie momentan viel zwischen ihrem Wohnort Bad Dürkheim, ihrem Arbeitsort Speyer und dem Domizil der betagten Eltern in Ludwigshafen. Wenn sie in Speyer gerufen wird, dann ist sie vor Ort. Einen eher schweren Start in der Domstadt bescherte ihr der plötzliche Tod einer Kita-Mitarbeiterin auf dem Weg zur Arbeit, bei dem die Seelsorgerin gefragt war. Daneben gebe es positive Erlebnisse wie die Martinsfeier in St. Konrad mit großer Beteiligung der Kita-Familien in der Kirche. „Was willst du, dass ich dir tue?“, zitiert Wendel ihr Jesus-Motto aus der Bibel.

Sie sei keine, die nur mit gefalteten Händen im Einsatz sei, betont die 62-Jährige schmunzelnd. Bei ihr werde auch mal am Altar getanzt. Sie kenne die Vielfalt an pfälzischen Schulen und Kitas seit ihrer Zeit in Ludwigshafen und komme damit gut zurecht. Das sei nicht immer einfach gewesen, werde ihr aber erleichtert, weil sie „in einem freiheitlichen Denken katholisch großgeworden“ sei. Die Zugewandtheit des Ludwigshafer Stadtdekans Erich Ramstetter und die Wertevermittlung der Jesuiten am Heinrich-Pesch-Haus hätten sie geprägt. „Wort und Tat müssen übereinstimmen“, betont Wendel – und gesteht, mit dem Dogmatismus mancher junger Theologen etwas zu fremdeln.

Begeisterung fürs Pilgern

„Ich brauche Menschen“, sagt Wendel. Dazu passt ihre neue Aufgabe. Von Vorruhestand ist keine Rede bei der vielbeschäftigten Frau, die zugibt, dass ihre Hobbys derzeit eher brachliegen. Yoga oder Qigong zählt sie dazu, aber auch das Pilgern – unter anderem mit Santiago de Compostela auf ihrer Erledigt-Liste. Der Pilger ist aber ohnehin stets auf dem Weg, und den sucht die sportliche Theologin, sooft sie kann: „Wenn ich in den Wald gehe, ist das für mich Erholung pur.“

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