Speyer
Neue Attraktion im Technik-Museum
Einmal mehr haben die Werkstatt-Mitarbeiter des von einem Verein getragenen Museums zig Oldtimer aus der größten Ausstellungshalle geräumt. Dort, wo die Exponate bisher gestanden sind, haben sie den weißen Marmorsplit entfernt. Der lag in den Bereichen seit der Eröffnung des Hauses 1991. Dabei brachten sie auch einen überdimensionalen „Staubsauger“ zum Einsatz, wie Museumssprecherin Corinna Siegenthaler mitteilt. „Die Steine waren vor 30 Jahren topmodern. Inzwischen sind glatte Böden angesagt. Die sind außerdem viel pflegeleichter“, erklärt sie.
Vorwiegend rot, stellenweise grau und vereinzelt braun ist der PVC-Belag gefärbt, den die Handwerker um Werkstattleiter Jakob Rebholz sowie die hauseigenen Schreiner Glenn Hull und Markus Grün auf Spanplatten aufbringen. „Das Material muss dabei mindestens 18 Grad haben. Weil es in der Lillerhalle im Winter fast so tiefe Temperaturen hat wie im Freien, haben wir eine Heizung laufen, um diesen Wert zu erreichen“, informiert Rebholz. Die warme Luft aus dem dicken Schlauch hat einen angenehmen Nebeneffekt: Die Arbeit geht so leichter von der Hand – ob Platten zuschneiden und verschrauben oder das Lackieren der Stahlstützen im Spritzverfahren. Die Pfeiler waren zuletzt Eierschalenweiß und bestechen nun in „metallischem Grau“, wie Siegenthaler sagt.
Neuer Bodenbelag
Die Modernisierung der insgesamt rund 8000 Quadratmeter großen Lillerhalle hatte Mitte November 2020 begonnen. Damals war das Museum aufgrund des damals geltenden Lockdowns, der nicht wie geplant, einige Woche, sondern einige Monate dauerte, wie andere Einrichtungen dieser Art geschlossen. Der erste Abschnitt des Umbaus war bis zum Frühjahr 2021 beendet worden. Die eigentlichen Ausstellungsbereiche in dem mehr als 100 Jahre alten Gebäude, die bisher von dem Marmorsplit bedeckt waren, umfassen ungefähr 5000 Quadratmeter. Das Verlegen von 5,30 Meter langen, 2,10 Meter breiten und 1,2 Zentimeter dicken Spannplatten in zwei Schichten übereinander hat nun wieder den Boden bereitet für die abschließende Versiegelung mit hochbelastbarem PVC. Außerdem werden die mehr als 30 Säulen, die das Dach der stählernen Halle mit gemauerten Wänden tragen, nach und nach bis zu einer Höhe von fünf, sechs Meter grau lackiert.
„Eine besondere, neue Attraktion unserer Lillerhalle ist der Nachbau einer Feuerwache“, sagt Sprecherin Siegenthaler. Inmitten von mehr als einem Dutzend historischen Feuerwehrfahrzeugen könnten kleine und große Besucher bereits erfahren, wie es sich für Feuerwehrleute anfühlt, wenn in einer Wache ein Alarm eingeht. So gebe es in dem Nachbau unter anderem eine Stange von der Art, wie sie auch echte Wehrleute nutzen, um im Einsatzfall schnell von oberen Stockwerken ins Erdgeschoss zu ihren Fahrzeugen zu gelangen.
Mehr Interaktion
Die „Erlebnis-Feuerwache“ sei ein Beispiel dafür, wohin sich das Museum entwickeln will: Zu einer Einrichtung, die nach wie vor durch die Vermittlung der Technik-Geschichte bildet und darüber hinaus durch interaktive Elemente den Gästen vermehrt Erlebnisse bietet.
„Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie wir eine Feuerwache als Ausstellungsstück im Museum integrieren können“, informiert Martin Bräunling, Ausstellungsleiter der Technik Museen Sinsheim Speyer. Der Spaßfaktor sei dabei besonders wichtig gewesen. „Die Besucher verfolgen beispielsweise einen Alarmablauf eines Feuerwehrmannes, bis hin zum selbständigen Wasserpumpen. In Vitrinen sind verschiedene Einsatzgestände der Feuerwehr zu sehen und das passende Erinnerungsfoto gibt“s in einem original Delahaye Mannschaftstransportwagen aus dem Jahr 1921“, heißt es in einer Mitteilung des Museums.
Umgestaltung geht weiter
Die Umgestaltung der Lillerhalle ist noch nicht zu Ende. „Im Winter 2022/23 geht es weiter. Wir wollen die Einschränkungen für unsere Besucher so gering wie möglich halten. Deshalb nutzen wir für die schon vor Beginn der Corona-Pandemie geplante Umgestaltung unserer größten Ausstellungshalle die Zeit, in der nicht so viele Gäste kommen wie im Frühjahr und Sommer“, teilt Siegenthaler mit.
Begonnen hat das umfangreichste Modernisierungsvorhaben seit der Eröffnung des privaten Museums vor bald 31 Jahren im westlichen Teil der Lillerhalle – dort befindet sich nun die neugestaltete Feuerwehrausstellung mit der Feuerwache. Nach Arbeiten im mittleren nördlichen Bereich sind die Arbeiten nun im Zentrum und im südlichen Teil fortgesetzt worden. Auf der Ostseite ist dann noch am meisten zu tun, bevor die Einweihung der umgebauten Halle gefeiert werden kann. Vorausgesetzt die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen ist bis dahin überwunden. Keine Angaben macht die Sprecherin zu den Investitionskosten.