Speyer Nachdenken über Memoriam-Garten
Der Friedhof Waldsee könnte noch ein bisschen schöner werden – Verbesserungspotenzial bei der Gestaltung ist vorhanden. Die Beigeordnete Claudia Klein (CDU), die für den Bereich zuständig ist, hat sich das zur Aufgabe gemacht. Ihre Ideen aus mehreren Ortsbegehungen und alten Vorschlägen hat sie dem Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung vorgestellt. Der nahm das wohlwollend zur Kenntnis. Für Klein heißt das: weiter so. Sie prüft nun, wie alles umgesetzt werden kann.
Kernstück der neuen Ideen ist ein Memoriam-Garten, wie ihn Friedhofsgärtnermeister Claus Litz vom gleichnamigen Schifferstadter Gartenbaubetrieb in einem Kurzvortrag vorstellte. Ein Memoriam-Garten ist eine zusammenhängende Gemeinschaftsgrabanlage, die von einem Friedhofsgärtner ansprechend gestaltet und gepflegt wird. Dort sind sowohl Urnen- als auch Sargbestattungen möglich. Die Gräber bekommen Platten mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen, die auf Wunsch individuell gestaltet werden dürfen. „Das gibt die Möglichkeit für eine individuelle Trauerbewältigung“, erklärte Claus Litz. Die Gebühr für die Pflege ist im Voraus für die komplette Liegezeit zu bezahlen. Das Geld bekommt allerdings nicht der Friedhofsgärtner, sondern die Friedhofsgärtnergenossenschaft. Diese zahlt den Gärtnern dann jährlich den Anteil für die Pflege. Sollte also eine Friedhofsgärtnerei schließen, wäre die Pflege weiter gewährleistet. Die sogenannten hoheitlichen Aufgaben, also das Öffnen und das Schließen eines Grabs, bleiben weiterhin bei der Ortsgemeinde Waldsee. Diese Kosten sind laut Litz nicht in den Kosten für die Grabpflege enthalten. Die Grabstätten können zu Lebzeiten reserviert werden. Partnergräber sind möglich, Familiengräber, die auf die nächste Generation übertragen werden, nicht. Nach Ablauf der Liegezeit, in Waldsee sind das 25 bis 30 Jahre, kann die Grabstätte nicht verlängert werden. „Memoriam-Garten ist eine bundesweit geschützte Marke“, erklärt Friedhofsgärtnermeister Litz. Sowohl für die Gemeinde als auch für die Hinterbliebenen habe das Modell viele Vorteile: Es entstünden keine Folgekosten, der Friedhofsgärtner stehe als Ansprechpartner zur Verfügung, persönliche Trauergaben dürften im Gegensatz zu anderen „pflegeleichten Grabformen“ niedergelegt werden. Der Friedhof werde durch die Anlage aufgewertet, aber es erfolge keine Privatisierung. Als möglicher Platz für den Memoriam-Garten ist eine rund 600 Quadratmeter große Fläche im alten Friedhofsteil, 300 Meter von der Trauerhalle entfernt, im Gespräch. Alte Gräber in dem Areal, deren Liegezeit noch nicht abgelaufen ist, werden in den Garten integriert. Claus Litz berichtete, dass der Memoriam-Garten in Schifferstadt sehr gut angenommen werde. Er wurde erst im Oktober eingeweiht, und nun beginne man gerade mit dem dritten Bauabschnitt. Marliese Klauß (CDU) vom Schreinerei- und Bestattungsunternehmen Klauß sagte, dass es auch in Waldsee schon Nachfragen nach einem Memoriam-Garten gebe. Ob er eingerichtet wird, muss nun der Ortsgemeinderat entscheiden. Das Projekt müsste dann ausgeschrieben werden.