Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Musikalische Andacht mit Isabel Eichenlaub

Auf Cello und Campanula: Isabel Eichenlaub.
Auf Cello und Campanula: Isabel Eichenlaub.

In der Kirche St. Gangolf in Dudenhofen wurde jetzt die musikalische Andachtsreihe „Musiker aus der Nachbarschaft“ eröffnet. Die Cellistin Isabel Eichenlaub aus Speyer spielte dabei auch ein zweites Instrument.

Die Cellistin Isabel Eichenlaub hat am Samstag in der katholischen Kirche St. Gangolf in Dudenhofen Sätze aus den sechs Suiten für Cello von Johann Sebastian Bach gespielt, kombiniert mit eigenen Stücken und Improvisationen, die sich den Werken von Bach perfekt anschmiegten.

Es war jedoch kein Konzert: Mit „Musiker(n) aus der Nachbarschaft“ hat die Katholische Gemeinde in Dudenhofen eine Reihe von musikalischen Andachten gestartet mit dem doppelten Zweck – dem einen, Musikern eine Möglichkeit zu bieten, sich nach so langer Zeit der Pandemie-bedingten Abstinenz von jeglichen Konzerten wieder einmal live hören zu lassen, und dem andern, dass das Publikum nach dieser langen Zeit wieder einmal Musik live hören kann.

Alle Plätze vergeben

Wie sehr diese Idee ankam, war schon daran zu sehen, dass jeder erlaubte Platz in der Kirche besetzt war, es war aber auch zu spüren an der intensiven, konzentrierten Stimmung im Publikum. Isabel Eichenlaub spielte zwei Sätze, Sarabande und Allemande, aus der ersten Cello-Suite in G-Dur, aus der zweiten Suite in d-moll das Präludium und die Gigue, und aus der dritten Suite in C-Dur ebenfalls die Sarabande. Die Sätze folgten nicht dem Aufbau der drei Suiten, sondern Isabel Eichenlaub ließ sich von den zum Ausdruck kommenden Stimmungen leiten. Die feierliche, langsame Sarabande, benannt nach einem höfischen Schreittanz der Zeit des Barock, der jedoch in der Zeit Bachs längst nicht mehr tatsächlich getanzt wurde, sondern nur noch das Muster von Takt und Rhythmus hergab, eröffnete und beschloss den klassischen, Bachschen Teil der musikalischen Andacht.

Auf der Campanula

Dazwischen gliederten die stärker rhythmisierte Allemande und die lebhafte Gigue mit dem Präludium als Auftakt, ebenfalls benannt nach barocken Tänzen, den Ablauf des Abends.

Jeweils im Wechsel spielte Isabel Eichenlaub dazu eigene Stücke und brachte ihre Campanula, eine moderne Weiterentwicklung des Cello, zum Einsatz. Die Campanula, benannt nach der Glockenblume wegen des glockenförmig geschweiften unteren Teils des hölzernen Korpus, hat 16 zusätzliche Resonanzsaiten, die bei jeder gespielten Note mitschwingen und den Ton breiter entfalten mit vielen Obertönen. „Weite“ hatte sie ihr erstes eigenes Stück für die Campanula benannt, und das klang so, wie wenn man auf einem Berggipfel stehend die weite Landschaft beschaut: ein Gemälde aus Klängen.

Die Lebensmelodie

Auch ihre weiteren Improvisationen jeweils zwischen den klassischen Stücken, die immer wieder auch Motive aus den Suiten aufnahmen, zeigten den ganzen Klangreichtum dieses Instruments mit teils mehrstimmigen Spiel. In ihrer letzten eigenen Improvisation nahm sie ein Motiv aus der zweiten Gambensonate Bachs auf, aber auch Motive aus bekannten Volksliedern. „Wenn alle Brünnlein fließen“ war zu erkennen – passend öffneten sich draußen dazu die „Brünnlein“ des Himmels, und „Nun will der Lenz uns grüßen“, dazu sogar noch ein Anklang an Igor Strawinskis „Sacre du Printemps“.

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der intensiven Stimmung hatten auch die von Pfarrer Jens Henning ausgesuchten Texte, die den Abend flankierten. Besonders ein Auszug aus einem Brief des Bischofs Ignatius von Antiochien aus dem zweiten Jahrhundert mit der schönen Vorstellung, dass Gott für jeden Menschen eine eigene Lebensmelodie hat, die zu entdecken ist, gab dem Abend einen eigenen geistlichen Impuls.

Termin

Die nächste musikalische Andacht ist für den 3. Juli mit Gitarristin Jutta Keller geplant.

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