Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Methodisten: Spaltung nach Streit um Rolle von Homosexualität

Gottesdienst- und Wohngebäude: Zionskirche in der Hagedornsgasse.
Gottesdienst- und Wohngebäude: Zionskirche in der Hagedornsgasse.

Eine traditionsreiche Kirchengemeinde löst sich auf: Die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) beendet am Wochenende nach 160 Jahren ihre Arbeit in Speyer. Die Zukunft ihres denkmalgeschützten Gebäudes in der Hagedornsgasse ist noch ungeklärt.

Joachim Schumann, leitender Pastor für die EMK-Gemeinden in Speyer, Neustadt und Kandel, kündigt einen Abschiedsgottesdienst für Sonntagnachmittag an. Auch Vertreter der Stadt sowie anderer christlicher Kirchen seien eingeladen. „Alle Mitglieder des Gemeindevorstands haben zum 31. Dezember 2024 ihren Austritt aus unserer Kirche erklärt, und es sah sich niemand in der Lage, die Gemeinde weiterzuführen“, erklärt er.

Damit endet eine Tradition, die 1864 ihren Anfang nahm. Ein Pionierprediger hatte einige Gläubige in der Stadt der Protestation für die evangelische Freikirche begeistert. Sie kamen anfangs in einem Haus am Fischmarkt zusammen. Von 1887 bis 1892 entstand ihre Zionskirche in der Hagedornsgasse, die heute unter Denkmalschutz steht. Der sandsteingegliederte Gründerzeitbau wurde wie die Diakonissenanstalt in Speyer von Architekt Heinrich Jester geplant.

Vorstand tritt aus

16 offizielle Gemeindemitglieder habe es zuletzt gegeben, berichtet Schumann. Dazu kämen weitere Gottesdienstbesucher. Acht bis zwölf Personen hätten sich 14-tägig zu Gottesdiensten versammelt, zu denen ebenfalls 14-tägig Gebetsraum-Abende in Speyer gekommen seien. Nun sei rund die Hälfte der Mitglieder ausgetreten; die anderen wechselten nach dem Aus in Speyer in die Gemeinden Neustadt und Kandel, den verbliebenen Standorten in Schumanns Bezirk. Es habe schon seit einiger Zeit Auflösungserscheinungen gegeben, so der Pastor auf Anfrage: „Die Arbeit war nicht mehr so aktiv wie vorher.“

Der Geistliche sieht drei Hauptgründe für das Aus in Speyer. Die gegangenen Mitglieder hätten für die Gemeinde keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr gesehen, sie hätten der für dieses Jahr angekündigten Schaffung von Großbezirken kritisch gegenübergestanden, und sie wollten den Weg nicht mitgehen, den eine Änderung der Kirchenordnung von 2020 aufzeigt: kurz gesagt, eine Öffnung der EMK für queere oder homosexuelle Personen. Über diese Frage tobt schon lange ein langer Richtungsstreit innerhalb der methodistischen Kirchen weltweit. Es kam zu Spaltungen. Von der United Methodist Church, zu der die deutschen Gemeinden gehören, hat sich Global Methodist Church mit konservativeren Christen abgespaltet.

Besonders konservativ

„In Speyer hat sich gezeigt, dass die Menschen eher konservativ ticken“, sagt Schumann. In Neustadt und Kandel als etwas größeren Gemeinden werde jedoch der „neue“ Weg mitgegangen. Die Speyerer Ex-Mitglieder hätten sich zur Gründung einer sogenannten Hauskirche entschlossen. Schumann berichtet im Gemeindebrief der Zionskirche von den ersten vier Austrittserklärungen im Oktober 2024. Das seien vier der fünf Mitglieder des Gemeindevorstands gewesen. Diese schreiben in einem offenen Brief, dass ihnen „immer mehr die Freude an der Gemeindearbeit und die Zuversicht auf positive Veränderungen“ abhandengekommen seien.

Linda Möller sprach bisher für den Gemeindevorstand und ist nun zusammen mit ihrem Mann Gastgeberin der neuen „Hauskirche Speyer“. Sie bestätigt die Entwicklung, die unter anderem damit zu tun habe, dass die Gruppe mit der Bildung von Großbezirken nicht einverstanden gewesen sei. Sie hat unter hauskirchespeyer.de schon eine Homepage erstellt, um Gläubige einzuladen und gehört laut Möller dem Gemeinschaftsbund als Bewegung innerhalb der EMK an.

Hauskreis will wachsen

Eine eigene Kirchengemeinde sei jedoch nicht geplant: „Wir wollten keiner kirchlichen Organisation mehr angehören, sondern einfach Jesus folgen.“ Sie spricht von freien Treffen, die die Teilnehmer selbst organisierten. Sie hätten auch keinen Pastor mehr. Zehn bis zwölf Mitstreiter gebe es schon, die Hoffnung auf Wachstum bestehe: „Wir sind gespannt, wie es sich entwickelt.“ Zum theologischen Streit erklärt sie, dass sich ihre Gruppe als „bibeltreuer und traditioneller“ als die bisherige Gemeinde sehe. In der Frage der Homosexualität bedeute das für sie, dass laut Bibel Mann und Frau zusammengehörten, „nicht Mann und Mann oder Frau und Frau“.

Zur EMK in Deutschland gehören nach eigenen Angaben 64.000 Gläubige. Die Wurzeln der „Erweckungsbewegung“ werden im 18. Jahrhundert in Großbritannien verortet. Einige junge Theologiestudenten hätten nach einem verbindlichen, im Lebensalltag sichtbar werdenden Glauben gesucht, womit auch ihre Bezeichnung als „Methodisten“ zu tun habe. Die Mitgliederzahlen bundesweit sind rückläufig – von Ausnahmen wie der Neustadter Gemeinde abgesehen. Dort sei sein Pastorenkollege Joachim Ruch, der 2023 vom Projektmanager bei der BASF zum Geistlichen wurde, ein Garant des Aufschwungs, berichtet Schumann. Ruch werde die Gemeinden in Neustadt und Kandel auch ab Sommer leiten, wenn er selbst nach Wuppertal versetzt werde. Die Zukunft des Gebäudes in Speyer, das der übergreifenden Körperschaft der EMK gehöre, ist dem bisherigen Leitenden Pastor zufolge offen. Es enthalte neben dem Kirchenraum zwei Wohnungen. Die Immobilienabteilung der EMK werde es bewerten, bevor womöglich über einen Verkauf entschieden werde.

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