Speyer Mehr Dreck im Papier, weniger Gewinn

Gegen Säcke: Betriebsleiterin Astrid Gebauer hält die Sammlung des Altpapiers in Tonnen oder Containern für sinnvoller. Daneben
Gegen Säcke: Betriebsleiterin Astrid Gebauer hält die Sammlung des Altpapiers in Tonnen oder Containern für sinnvoller. Daneben der technische Leiter des Schifferstadter Werks, Martin Krippner.

65.000 Tonnen Altpapier werden im Schifferstadter Gewerbegebiet Nord pro Jahr angeliefert. Das Papier ist kein Müll, sondern ein Wertstoff. Die Jakob Becker Entsorgungs-GmbH sortiert auf ihrem 20.000 Quadratmeter großen Wirtschaftshof Altpapier und bereitet es für die Weiterverwertung in der Industrie auf. Das meiste Papier kommt aus der Vorderpfalz, dazu gehören auch die jährlich hier angelieferten 4500 Tonnen Speyerer Altpapier, Pappe und Kartonagen. Diese werden von den Entsorgungsbetrieben Speyer (EBS) nach Schifferstadt gebracht. Mehr als 100 Lkw fahren täglich auf den Hof. Auf dem Hof der Firma Jakob Becker wird jedes ankommende Pressfahrzeug und jeder Container-Lkw bei der Einfahrt auf der Bodenwaage gewogen. Danach geht’s die vorgegebene Verkehrsroute zur Anlieferungshalle entlang. Dort wird das geladene Altpapier – lose oder in Säcken – rückwärts abgeladen. Vor der Abfahrt wird jedes Fahrzeug ohne Ladung erneut gewogen, um das Nettogewicht des Abfalls zu registrieren. Altpapier, gemischt mit losen braunen Kartons und bunten Papierblättchen, türmt sich in der zehn Meter hohen und 60 Meter breiten Halle auf. Staub wird aufgewirbelt und abgesaugt. Die neu angelieferte Fuhre aus Speyer bringt frische Ware für den Bagger, der vor dem Papierberg rotiert, jede einzelne „wilde Portion“ greift und sie in die benachbarte Sackaufreiß-Maschine – „Schlitzomat“ genannt – befördert. Mitten in der Halle steht Astrid Gebauer, die Betriebsleiterin in Schifferstadt. Sie hebt ein Stück Schaumstoff und einen Tetrapack auf. Beides hat sich in die Papiersäcke verirrt. Kein Einzelfall. „Die Input-Qualität hat sich in den letzten Jahren verschlechtert“, resümiert Gebauer. Damit meint sie, dass immer weniger „reines“ Papier angeliefert wird und immer mehr Fremdstoffe in dem Schifferstadter Betriebshof landen. Die Mitarbeiter „finden sogar Kaffeemaschinen, Plastikteile, Jeans oder medizinische Produkte im erfassten Altpapier“. Auch wenn sich die technischen Möglichkeiten zur sauberen Sortierung der Papierqualitäten verbessert hätten, appelliert sie an die Verbraucher, nur reines Zeitungs- und Prospektpapier sowie Kartonagen ins Altpapier zu geben. „Hygienepapier, benutzte Taschen- und Küchentücher verschmutzen den Wertstoff Altpapier und sind Restmüll. Je reiner die Stoffe hier ankommen, umso besser können wir sortieren und die geforderten Qualitäten für die Papierfabrik produzieren. Die Vergütung fließt auch zurück in die Kommune und kommt jedem Bürger zugute“, erklärt Expertin Gebauer. Zudem steht die Ingenieurin den Sammelsäcken aus Kunststoff kritisch gegenüber. Diese machten den Sortierprozess schwieriger. Gebauer rät den Kommunen zu Alternativen: Tonnen oder Sammelcontainer. Nachdem der Schlitzomat die Säcke aufgerissen hat, führt ein ruckelndes Scheibensieb den Kunststoff sowie größere Kartonagen, auch „braune Ware“ genannt, auf ein eigenes Fließband ab und bindet es zu 800 Kilogramm schweren Ballen zusammen. An der nächsten Station, dem Paper-Spike, gabeln mit Nägeln besetzte Bänder die kleineren Kartonagen und Pappe auf. „Der Anteil hat sich stark erhöht durch das Online-Geschäft. Nach Weihnachten ist fast die Hälfte des Inputs Kartonagen“, sagt Gebauer. Zu anderen Jahreszeiten sei das deutlich weniger. Für das restliche Mischpapier geht der Weg auf dem Förderband weiter. Große Siebe sortieren es nach Größen und befördern die einzelnen Stoffströme flach und luftig zum hochtechnologischen Herzstück der Sortieranlage, den Auto-Sorts. Die computergestützten Scanner erkennen Farbe, Oberflächenstruktur und Dichte des Altpapiers. Ein Gebläse pustet es in verschiedene Sortenkammern. Die Wertstoffe werden in Ballen oder lose zusammengefasst an Papierfabriken verkauft. Aus dem reinen, feinfaserigen Papierabfall wird wieder neues Papier produziert.

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