Speyer Mehr als nur Mathe

230 Schüler aus sieben Klassen der Anne-Frank-Realschule plus im Ludwigshafener Stadtteil West beteiligen sich am Projekt Zukunftswerkstatt des Vereins für Jugendhilfe in Kooperation mit dem Chemiekonzern BASF. Die Jugendlichen sollen über den Lehrplan hinaus fit gemacht werden für eine Berufsausbildung.
Die Integration junger Menschen in die Gesellschaft könne nur über die Schule und den anschließenden Zugang zum Arbeitsmarkt gelingen, erklärt Sozialpädagoge Christian Simon, Teamleiter der Zukunftswerkstatt, die Idee hinter dem Pilotprojekt, das Anfang des Schuljahres gestartet ist. Den Schülern soll nicht nur Wissen vermittelt werden. Vielmehr werden in der Zukunftswerkstatt die sozialen Kompetenzen, sogenannte „Soft Skills“, wie das Auftreten, der Umgang mit Gefühlen oder auch Pünktlichkeit geschult, um die Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Schule soll damit verstärkt ein Ort für die soziale Reife und Persönlichkeitsbildung junger Menschen sein. Auch die Eltern werden einbezogen. 40 Paare haben sich an der Anne-Frank-Realschule bereits zu einem Elterntraining angemeldet, das in diesem Frühjahr beginnt. Ab nächstem Schuljahr soll das Projekt auf eine weitere Ludwigshafener Schule ausgedehnt werden. Viele Kräfte sitzen mit im Boot: Neben der BASF, die die Zukunftswerkstatt an der Anne-Frank-Realschule plus in diesem und im kommenden Jahr finanziert, die Ludwigshafener Schulsozialarbeit und das Haus des Jugendrechts, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Metropolregion Rhein-Neckar, die Hochschule Heidelberg und viele engagierte Lehrer der Realschule plus, die Kindern aus sozial schwachen Familien mehr als nur Mathe und Geschichte beibringen wollen. Die Zukunftswerkstatt setzt bei Schülern ab der fünften Klasse an, damit die Jugendlichen im Verlauf der Klassenstufen fünf bis zehn fit für den Schritt in eine Ausbildung sind, wenn sie die Schule mit der Berufs- (früher Hauptschulabschluss) oder der mittleren Reife verlassen. „Wir brauchen Projekte wie die Zukunftswerkstatt und die Schulsozialarbeit, weil das System Schule heute oft an seine Grenzen stößt“, sagt Dieter Baust, Leiter der Anne-Frank-Realschule. Die Lehrer könnten die Schüler nicht mehr nur nach den gängigen Lehrplänen ausbilden, sondern müssten auch kommunikativen und sozialen Defiziten entgegenwirken. Wissenschaftlich wird das Projekt von der Hochschule Heidelberg begleitet. „Wir wollen keine Projektitis im Blindflug, sondern ein valides und solides Angebot für Schüler, Eltern und Lehrer machen“, betont der Ludwigshafener Jugendamtsleiter Jürgen May. Bisher habe die Hochschule die Erwartungen der Akteure evaluiert sowie Strukturen und Rahmenbedingungen des Projekts unter die Lupe genommen. Künftig sollen auch die Auswirkungen der Zukunftswerkstatt gemessen werden. (evo)