Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Matratzen für den Bundeskanzler

Jürgen und Karl-Heinz Stein mit den neuen Reflux-Lattenrosten.
Jürgen und Karl-Heinz Stein mit den neuen Reflux-Lattenrosten.

Was führt Boots- und Wohnmobilbauer, Refluxpatienten und einst sogar Altkanzler Helmut Kohl nach Waldsee? Sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben sich Matratzen oder Bettroste von der Firma Matratzen Stein anpassen lassen. Die setzt sich von den großen Möbelhäusern ab.

Vor etwa 15 Jahren wurde Senior-Chef Karl Heinz Stein von einem Speyerer Internisten angesprochen. Dessen Anliegen: Reflux-Patienten, also Menschen, bei denen Magensäure in die Speiseröhre zurückläuft, erfahren Linderung, wenn sie mit erhöhtem Oberkörper schlafen. Jedoch seien Lattenroste, bei denen das Kopfteil angehoben werden kann, in diesem Fall wenig hilfreich, da sich durch die abgeknickte Körperhaltung die Magensäure erst recht staue. Und Bauchschläfer könnten so überhaupt nicht liegen. „Der Arzt hat mir erklärt, was er will: Der Kopf soll hoch liegen, der Körper dabei gerade bleiben“, so Stein. Also habe er angefangen zu tüfteln – und eine Lösung gefunden.

Der Steinsche Lattenrost für Refluxpatienten ist insgesamt schräg. Anfangs waren diese Modelle nicht verstellbar, sondern am Kopfende einfach höher als am Fuß. Inzwischen kann man sie auf Knopfdruck elektrisch von ganz eben bis zu 16 Zentimeter Höhenunterschied verstellen, erklärt Geschäftsführer Jürgen Stein. Die „Reflux-Rahmen“ gibt es in allen Maßen bis 1,40 Meter Breite, und sie können mit allen Matratzen kombiniert werden. Sie werden individuell in der eigenen Schreinerei hergestellt und nach ganz Deutschland, Österreich und in die Schweiz verkauft.

Sortiment erweitert

Die speziellen Reflux-Rahmen sind nur ein kleiner Teil des Sortiments in dem Waldseer Familienbetrieb, der 1903 in Ludwigshafen von Karl Heinz Steins Urgroßvater Jakob Stein als „Drahtmatratzenhersteller“ gegründet wurde. „Das waren Bettrahmen aus Holz mit Federn“, erklärt Karl Heinz Stein. Nach dem Krieg kamen Schoner dazu, später dann auch Matratzen, Sitzmöbel sowie Chaiselongues. 1962 folgte der Umzug nach Waldsee. Bis in die 1970er Jahre belieferte das Unternehmen nur den Fachhandel. Als die großen Möbelhäuser Mitte der 1980er eröffneten, habe man sich andere Märkte erschließen müssen, erzählt Karl Heinz Stein.

Die Firma habe sich für Privatkunden geöffnet und damit begonnen, auch Polstermöbel herzustellen. Polstermöbelreparaturen hatte sie schon davor angeboten. Heute sind die Spezialisten aus Waldsee auch bei Wohnwagen und Bootsbauern gefragt, da sie Matratzen in jedem gewünschten Maß herstellen können, wie Jürgen Stein, der die Firma vor zehn Jahren übernommen hat, erklärt. 15 Mitarbeiter sind in den einzelnen Bereichen in der Neuhofener Straße tätig.

Welches ist die beliebteste Füllung?

Vieles hat sich geändert in den vergangenen Jahrzehnten, auch was das Hauptprodukt betrifft. Gab es früher nur Matratzen in zwei bis drei Festigkeitsstufen, so sind es heute bis zu 14, erklärt Jürgen Stein. Umso wichtiger sei gute Beratung: „Die Leute begeben sich in unsere Hände, wir sehen, wie sie liegen.“ Die Kunden müssten dann entscheiden, auf welcher geeigneten Liegestätte sie sich am wohlsten fühlen. Die eine Hälfte wähle Kaltschaum-, die andere Federkern-Matratzen. Die Federn werden bei den Steins noch selbst gedreht. Die Matratzen werden für jeden Kunden individuell hergestellt. Wer will, erhält nicht nur Matratzen und Roste, sondern auch Bettgestelle von führenden Herstellern, ebenso in Waldsee produzierte Federbetten und Kopfkissen.

Nils fragt: Was steckt in einer Matratze?

Habt ihr eigentlich eine Idee, wie es im Inneren eurer Matratze aussieht? Ich habe neulich die Firma Stein in Waldsee besucht und mir erklären lassen, wie Matratzen hergestellt werden. Es gibt zwei verschiedene Arten: Federkern- und Kaltschaum-Matratzen. Besonders spannend finde ich die Federkern-Matratzen. Da werden aus Draht spiralförmige Federn gedreht. 960 Stück braucht man für eine Matratze. Diese werden dann so ineinander verdrillt, dass sie eine große Fläche bilden. Um diese wird oben und unten eine Kaltschaummatte gelegt. Dann kommt auf die Seite, die im Winter oben liegt, eine wärmende Schafwolle-Auflage. Am Ende macht eine Maschine den Bezug darum.

x