Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Marlene Gottwald: Politik als Familiensache und neuer Karriereweg

In echt und mit Werbebanner: SPD-Kandidatin Marlene Gottwald.
In echt und mit Werbebanner: SPD-Kandidatin Marlene Gottwald.

Sie wisse, welchen Hut sie jeweils trage, sagt Marlene Gottwald – und meint das im übertragenen Sinn. Die SPD-Kandidatin verfügt nämlich über Politik-, Berufs- und Privathüte.

Marlene Gottwald ist als Referentin im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium in Mainz tätig. Dieses wird von FDP-Ministerin Daniela Schmitt geführt. Aus diesem Grund könne es vorkommen, dass sie zu einem bestimmten Thema eine private politische Position habe, aber zu einer anderen fachlichen Bewertung komme und letztlich die Marschrichtung im Sinn des Ministeriums einschlage. „Kein Problem“, sagt Gottwald über die drei „unterschiedlichen Hüte“ und lacht. Sie komme als SPD-Frau in dem Ministerium gut zurecht, weil sie die Sache professionell angehe. Seit 2022 ist sie in der Abteilung für Mittelstand, Innovation und Industrie tätig. Zuvor hat sie am Steinbeis-Institut in Stuttgart geforscht.

Gottwald ist heute 40 Jahre alt und in Speyer aufgewachsen. Sie durchlief die Woogbachschule und das Gymnasium am Kaiserdom – mit einem Auslandsjahr in Brasilien. Ihr Studienfach in Köln waren Regionalwissenschaften Lateinamerika. Sie spezialisierte sich auf Völkerrecht, europäische und internationale Politik und kam mit Stationen in Helsinki, Brüssel sowie schließlich zum Promotionsstudium im schottischen Edinburgh weit herum. Seit gut zehn Jahren ist sie wieder in der Domstadt. Mit ihrem Gatten Johannes Gottwald, Fraktionschef der SPD im Stadtrat, hat sie eine achtjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn.

Prioritäten gesetzt

Den Sozialdemokraten habe sie schon immer nahegestanden, sei aber erst 2016 der Partei beigetreten. 2019 folgte die erste Stadtratskandidatur und eine Mitarbeit im kommunalen Digitalisierungsausschuss. 2024 wurde sie in den Rat gewählt, konnte jedoch das Mandat nicht annehmen – schweren Herzens, wie sie betont: Angesichts zweier voll berufstätiger Partner, kleiner Kinder und eines Ehemanns, der sich politisch stärker einbrachte, hätten Prioritäten gesetzt werden müssen. 2025 sagte Gottwald zu, als ihr die Kandidatur für die SPD im Wahlkreis Speyer angeboten wurde. Eine wichtige Motivation: „Ich will ganz konkret etwas für die Demokratie tun.“ Sie wurde nominiert und wirft nun den Politikhut in den Ring. „Mein Ziel ist das Direktmandat“, sagt Gottwald.

Den Weg in die Berufspolitik habe sie „karrieretechnisch nie so auf dem Schirm gehabt“, gehe ihn nun aber mit Begeisterung. Deshalb sei es ihr wichtig, möglichst bekannt zu werden in Speyer, Schifferstadt und der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, betont Gottwald. Sie kommt mit Radtouren in die Dörfer, baut Infostände vor Bäckereifilialen auf und klingelt an vielen Haustüren. Das seien teilweise neue Erfahrungen für sie. „Aber ich habe bisher in überwiegend freundliche Gesichter geblickt.“

Wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs ist, nimmt Gottwald auch Problemstellen in den Blick, die sie als Abgeordnete thematisieren möchte. Überfälligen Radwege-Bau zwischen den Römerberger Ortsteilen oder auch von Harthausen nach Schwegenheim etwa. Vereinfachte Genehmigungsverfahren könnten für Abhilfe sorgen, sagt sie. „Wer zusammen mit Kindern radelt, entdeckt auch schnell, wo das nicht sicher ist.“ Als politischen Schwerpunkt nennt sie zudem wirtschaftliche Themen.

Gehör für die Kleinsten

Um gerechte Bildung zu erreichen, werde sie den Bedarfen der Kitas und Schulen Gehör verschaffen. Teilweise könnten diese gezielter unterstützt werden, ist sie überzeugt. Im Ringen um eine bessere Finanzausstattung der Kommunen dürfe sich der Bund nicht der Verantwortung entziehen. Für Alexander Schweitzer, ihren Genossen in der Staatskanzlei, gelte: „Er hat die Probleme erkannt.“

Im Wahlkampf gibt die vielbeschäftigte Kandidatin zusätzlich Gas. Zeit für ihre Hobbys zu finden, sei nun nochmals schwieriger, gesteht Gottwald. Einmal in der Woche stehe seit 2025 Dancehall-Tanzen auf dem Programm. Schon früher habe sie immer gerne getanzt, vor allem Klassisches Ballett und Hip Hop. Lesen, Theater, Ausflüge in den Pfälzerwald und Urlaube am Meer mit der Familie machen ihr ebenfalls viel Spaß. Sie betreibt Krafttraining, Yoga und holt sich beim Laufen die Fitness für die politische Überholspur.

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