Speyer Mannheim/Heidelberg: Netflix-Film spielt in der Kurpfalz
Nicht in der Weltmetropole Berlin. Nicht in der bei ausländischen Touristen beliebten „Wiesn“-Stadt München. Der erste deutsche Film des Streaming-Anbieters Netflix spielt in Mannheim und Heidelberg. Die beiden kurpfälzischen Nachbarstädte stehen in „Isi & Ossi“ sinnbildlich für eine turbulente Liebesromanze. Sie ist ab dem heutigen Freitag in knapp 200 Ländern abrufbar.
Dabei spielt der Film vom Autor der Fernsehserie „Bad Banks“, Oliver Kienle, immer wieder mit Klischees. Hier die Milliardärstochter Isi (dargestellt von Lisa Vicari), die in einem Schloss in Heidelberg lebt und lieber Köchin wäre. Nur wenige Kilometer weiter der aufgeweckte Ossi (Dennis Mojen), der in Mannheim an der Tankstelle seiner Mutter jobbt und kein Geld für eine Boxkarriere hat.
Ungleiches Paar
Beide begegnen sich eines Tages in einem Burgerladen. Isi sieht die Chance, ihre Eltern mit einem proletenhaften Freund aus der Arbeiterklasse zu provozieren. Für diese Scheinbeziehung verspricht sie Ossi das dringend benötigte Geld. Wenig überraschend verliebt sich das ungleiche Paar dann auch in Wirklichkeit.
„Isi & Ossi“ überzeugt denn auch weniger mit einer originellen Grundprämisse, sondern mit liebevoll und teils ungewöhnlich gezeichneten Charakteren. Dabei sticht vor allem ein krimineller, vulgär auf alles und jeden schimpfender Opa hervor – großartig gespielt von Ernst Stötzner („Babylon Berlin“).
Grantelnder Großvater
Der Senior kommt gerade aus dem Gefängnis, schimpft wild über „Kanaken“ und „Schwuchteln“ und wird so letztlich zum Gangster-Rapper. Der grantelnde Großvater, den Zuschauer von „Rick and Morty“ oder „Zurück in die Zukunft“ kennen, entwickelt sich zur schillernden Figur – die durchaus einen eigenen Film tragen könnte.
Für den 26-jährigen Schauspieler Dennis Mojen („Traumfabrik“), der für den Film extra Boxunterricht nehmen musste, ist seine erste Netflix-Produktion etwas ganz Besonderes. „Du kannst gar nicht anders, als dir vorzustellen, dass das rund 167 Millionen Menschen sehen könnten. Das ist ein überragendes Gefühl“, sagt der Hamburger.
Seine Filmpartnerin hat schon Erfahrungen damit, dank des Streamingdienstes weltweit angesprochen zu werden. Denn die 23-jährige Lisa Vicari spielt in der hochgelobten Mystery-Serie „Dark“ die Rolle der jungen Martha Nielsen. „Ich war kürzlich im Urlaub und wurde am anderen Ende der Welt erkannt. Das ist schon absurd.“
In erfahrenen Händen
Der erste Original-Film aus Deutschland (der deutsche Kriminalfilm „Kidnapping Stella“ aus dem vergangenen Jahr basierte auf einem Stoff aus Großbritannien) liegt bei Kienle in erfahrenen Händen. Der Autor und Regisseur, der für die ZDF-Reihe „Bad Banks“ im vergangenen Jahr einen Grimme-Preis bekam, hatte nach eigenen Angaben schon als Kind Comics und als Teenager ganze Romane geschrieben.
Der in Süddeutschland aufgewachsene Filmemacher erhebt die beiden ungleichen Drehorte zu eigenständigen Charakteren. „Ich finde Mannheim spannend, urban, modern und die coolste Stadt Baden-Württembergs.“ Bei den Recherchen zu „Bad Banks“ habe er sich mit Reichtum beschäftigt und darüber Heidelberg kennengelernt. Er empfinde den Kontrast und die Vorurteile der beiden Nachbarstädte als extrem spannend und inspirierend.
Auch wenn „Isi & Ossi“ recht vorhersehbar daherkommt, ist die Geschichte über Chancengleichheit durchaus global verständlich. Zumal die Romanze - wohl nicht ganz zufällig – am Valentinstag Premiere hat. Den feiern schließlich auch Menschen in vielen anderen Ländern, in denen Netflix den Film ausstrahlt.