Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mann+Hummel rüstet sich für Brennstoffzellentechnik

Handarbeit: Elvis Moravac bestückt die neue Anlage.
Handarbeit: Elvis Moravac bestückt die neue Anlage.

Eine neue Anlagenkombination tut seit dieser Woche in der Speyerer Filterproduktion der Mann+Hummel GmbH ihren Dienst. Für Bruno Meinhardt, seit Dezember Werksleiter, ist die Inbetriebnahme ein symbolischer Startpunkt: „Wir werden den Standort weiter hinsichtlich Innovation und Technologie ausrichten.“

Eine siebenstellige Summe hat das Unternehmen mit Zentrale in Ludwigsburg in die vier Teile der neuen Anlage investiert: Ultraschall-Schweißen, Fördern, Schaum-Dosieren, Einsetzen. „Alles made in Germany“, betont Bruno Meinhardt. „Damit sind wir gerüstet für die Brennstoffzellentechnik.“ Ganz allgemein gesagt, geht es darum, die immer individueller werdenden Kundenanforderungen zu erfüllen. Selbst bei dem Filter aus Speyer, der irgendwo in einem riesigen Mähdrescher verbaut werde, spiele inzwischen zum Beispiel die Farbe des verwendeten Kunststoffs eine Rolle, erläutern Meinhardt und Technik-Leiter Marco Schilling. Groben und feinen Sand vom Acker müssen die Filter im Mähdrescher schlucken können, zugleich im Feld ausgetauscht werden können – mit der neuen Anlage würden auch dafür die Voraussetzungen geschaffen.

„Grenzen nur im Kopf“

Die Filter für Bau- und Landmaschinen, die Mann+Hummel in Speyer herstellt, mussten schon immer vielseitig sein. 50.000 verschiedene Rohmaterialien aus aller Herren Länder werden zu 10.000 verschiedenen Fertigprodukten verarbeitet, die Losgrößen pro Produkt reichen von eins bis in den Millionenbereich. Die neue Anlage, die durch Flächenoptimierung in eine bestehende Werkshalle eingefügt wurde und gut zur „schlanken“ Produktion passt, für die Werkleiter Meinhardt steht, ist entsprechend flexibel. Prozessoptimierung, Kapazitätserweiterung, Technologiesprung – der Diplom-Betriebswirt lässt keinen Zweifel daran, dass er Schlagworte mit Leben füllen will. „Grenzen gibt es nur im Kopf, gemeinsam können wir Unglaubliches bewegen“, sagt er – und sieht sein Team mitziehen.

Für gut 400 Werksmitarbeiter ist Meinhardt zuständig, mit zentralen Geschäftseinheiten kommt der Speyerer Standort insgesamt auf mehr als 600 Personen. „Alte Zöpfe abschneiden“ wolle er auch, betont Meinhardt. „Veränderung macht Spaß“, das wolle er der Belegschaft vermitteln. Bei seiner „Kultur des Ausprobierens“ seien dabei auch Rückschläge erlaubt.

Seit März 2019 ist Meinhardt in Speyer, hat zunächst die Logistik geleitet und sich dann schnell für höhere Aufgaben empfohlen, sodass er im Dezember schon die Verantwortung für das gesamte Werk übernahm, als Vorgänger Mark Müser in die schwäbische Mann+Hummel-Zentrale aufstieg. In diese Zeit fällt die Übernahme eines Logistikdienstleisters aus der Nachbarschaft im Industriegebiet West. Darüber hinaus werden in „seinem“ Werk neuerdings die Materialströme aus China für alle acht deutschen Standorte gebündelt.

Wirtschaftliche Top-Werte

Das alles bringe „Mehrwert“ für Speyer, betont Meinhardt. Die Auftragslage sei so gut, dass die Fabrik in der Brunckstraße bisher in der Corona-Krise ohne Kurzarbeit ausgekommen sei. „Wir produzieren im Werk zwei- bis dreischichtig durch.“ Die Produkte seien in der Land- und Baumaschinen-Branche weiter gefragt. Das passe dazu, dass – nach einem auch für Beschäftigte in Speyer schmerzhaften Restrukturierungsprogramm – 2019 mit rund 4,2 Milliarden Jahresumsatz und einem operativen Ergebnis von 153,3 Millionen Euro auch im historischen Vergleich Top-Werte für das Mann+Hummel-Imperium verzeichnet worden seien. Auf den Speyerer Standort bezogen werden keine separaten Zahlen genannt, aber hier sei es ähnlich gut gelaufen, gibt der Werksleiter zu verstehen. Wird der Standort auch in der Fläche wachsen? Eine bisherige Brache zur Siemensstraße hin werde nicht veräußert, betont der Chef, aber zumindest in den nächsten zwei Jahren auch nicht bebaut.

Er sei gut angekommen in Speyer, berichtet Meinhardt. Fremd war dem in Karlsruhe aufgewachsenen Manager die Region ohnehin nicht nach etlichen beruflichen Stationen in Süddeutschland. Inzwischen hat er mit Frau und drei Kindern in Philippsburg Quartier bezogen. Erfahrungen gesammelt hat der Manager unter anderem im Baubeschlagshandel, in der Lebensmittelbranche, im Kabelgeschäft und in der Medizintechnik, bevor er zu Mann+Hummel wechselte. 2013 habe er einen internationalen Innovationspreis gewonnen, berichtet er. Als Hobbys nennt er klassische Musik, Reisen und seine Familie.

Bruno Meinhardt
Bruno Meinhardt
Sichtbare Unterschiede: Filter aus der neuen Anlage.
Sichtbare Unterschiede: Filter aus der neuen Anlage.
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