Speyer Mama von Drillingen ist bei den Sternen
«Westheim.»„Jeder Tag ist eine Herausforderung. Es ist schwer, von heute auf morgen seine Ehefrau zu verlieren, alleinerziehender Vater zu sein und seinen Kindern sagen zu müssen, dass ihre Mutter zu den Sternen gegangen ist und nicht mehr wiederkommt“, sagt Stefan Heß aus Westheim. Nach dem plötzlichen Herz- und Kreislauftod seiner Frau Nadine am 17. März dieses Jahres hat sich das Leben des 33-jährigen Informatikers und seiner dreijährigen Drillinge auf einen Schlag verändert. Die Kinder wachsen nun ohne Mutter auf, und er muss seinen Vollzeitjob als Informatiker, die Kinderbetreuung, den Haushalt und seine Trauerbewältigung sowie die der Kinder jeden Tag aufs Neue meistern. „In den ersten Wochen, aber vor allem am Todestag war ich fix und fertig. Ich war froh, dass Ersthelfer und auch das psychologische Betreuungsteam des Deutschen Roten Kreuzes bei mir zuhause waren. Ich war so geschockt und gelähmt von der ganzen Situation, da war es gut, professionelle Hilfe zu haben“, erinnert sich der Familienvater, der mit seiner Frau vor der Geburt ihrer Kinder in Speyer wohnte. Seit der ersten Stunde greifen ihm auch gute Freunde, insbesondere ein befreundetes Ehepaar, massiv unter die Arme. Auch von vielen Eltern bekommt er Hilfsangebote, die er sehr gerne annimmt. „Nach so einem Schicksalsschlag ist es ein tolles Gefühl, nicht alleine zu sein und auch von bis dahin fremden Menschen Hilfe zu bekommen“, freut sich Heß. Um die Hausarbeit seines Vierpersonen-Haushalts kümmert er sich trotz der kurz bemessenen Zeit selbst, allerdings könne er eine Haushaltshilfe, die ihn ein Mal pro Woche unterstützt, gut gebrauchen. Derzeit habe er jedoch keinen Anspruch darauf, da er nicht krankgeschrieben ist und weiter arbeiten geht. Weil er sich dauerhaft eine Bezugsperson für die Drillinge wünschte, die ihm vor und nach dem Kindergarten mit den Kindern hilft, vermittelte ihm das Jugendamt eine Tagesmutter. Das klappte auch bisher sehr gut, bis der Dienstleister ihm jetzt in Eigenregie die nachmittägliche Betreuung ersatzlos kündigte. „Die Gründe sind mir nicht bekannt. Gespräche stehen derzeit noch aus. Für den Moment ist noch keine Regelung gefunden. Aber ich glaube fest daran, dass wir neue Wege und Optionen finden, die dauerhaft funktionieren werden“, zeigt sich Heß optimistisch. Die vergangenen Wochen seien sehr schwer für ihn gewesen, erzählt Heß. Der Kopf habe verstanden, was an jenem Sonntagmorgen passiert war, aber der Bauch wollte es nicht wahrhaben. Dass seine Frau so früh sterben musste, war für ihn unbegreiflich. Er habe jedoch seinen eigenen Frieden gefunden und gelernt, das Geschehene zu akzeptieren. Aufgeben, resignieren oder sich verkriechen sei für ihn keine Option. „Es lohnt sich, für die Kinder stark zu sein. Alles was ich tue, tue ich nur für meine Kinder. Ich versuche täglich mein Bestes zu geben und blicke nach vorne“, sagt der junge Witwer gefasst. Von der Hilfe seitens der Freunde und auch der Westheimer, die ihm bereits von Anfang an zuteil wurde, sei er immer noch überwältigt. Das mache ihn sehr dankbar. Dabei wollte er anfangs gar keine Hilfe annehmen, sondern alles mit sich alleine ausmachen. Schnell wurde ihm aber klar, dass er das nicht schaffen würde. „Als Christine Bauer und das Ehepaar Mohnhaupt vor einigen Wochen auf mich zukamen und sagten, sie würden mich gerne mit einer Benefizveranstaltung unterstützen, habe ich erst hin und her überlegt, aber mich dann dafür entschieden. Ich mache dies für meine Kinder. Die eingegangenen Spenden sowie der Erlös aus der Benefizveranstaltung wird den Drillingen eins zu eins zugute kommen“, erzählt Heß. Er selbst wäre auch nie an die Öffentlichkeit gegangen, denn er hätte gar nicht die Kraft dazu gehabt, wie er sagt. Die Initiative von Bauer und dem Ehepaar Mohnhaupt und auch dass Ralph Daniel und alle anderen Gruppen ohne Gage auftreten werden, rührt ihn sehr. „Ich bin sehr dankbar und froh über diese tolle Idee. Die Veranstaltung am kommenden Samstag hat zwar einen sehr traurigen Anlass, aber ich wünsche mir, dass die Leute trotzdem Spaß haben werden. Das Leben geht für mich und meine Drillinge weiter. Das heißt aber nicht, dass wir die Vergangenheit vergessen wollen. Nein, überhaupt nicht, meine Frau Nadine ist und bleibt für mich und die Kinder immer präsent.“