Speyer Magische Klänge

Mit Jacques Stotzem, Claus Boesser-Ferrari und Joshua Schmitz traten drei unterschiedliche Musiker bei der Akustik-Gitarrennacht am Freitag auf. Doch eines hatten die Gäste des Dudenhofener Kulturvereins gemeinsam: Alle drei spielen mit maximaler Leidenschaft. Und wer es zuvor nicht wusste, erfuhr dabei, dass auch der Hals einer Rotweinflasche ein Instrument sein kann.
„Es ist echt heiß hier auf der Bühne“, sagt Stotzem. „Ist das hier in Dudenhofen immer so?“ Vier Scheinwerfer sind auf den Gitarristen gerichtet. Sie strahlen ihn von rechts in den Farben Weiß, Rot und Violett an. Kurz nach 22 Uhr ist die Stimmung in der voll besetzten Festhalle gelöst. „Ja, ist ein heißer Ort“, ruft ein Mann mittleren Alters aus dem Publikum übermütig zurück. Um 20 Uhr kommt Schmitz auf die Bühne. Er ist das Gitarristen-Küken des Abends, „der Lokalmatador“, wie er sich selbst vorstellt. Schmitz ist Student und gebürtiger Speyerer. Er spielt Lieder wie „Hit The Road Jack“, eine Version von „Lean On“ und Werke seines Vorbilds, des US-amerikanischen Gitarristen Trace Bundy. Dabei beweist er, wie vielschichtig die Gitarre klingen und wie man sie als Percussion-Instrument nutzen kann. Als „Himmelfahrtskommando an der Gitarre“ wird ein Mann angekündigt, dessen Name schon sehr klangvoll ist: Boesser-Ferrari. Dabei wirkt der 1952 in Bellheim geborene Musiker die meiste Zeit über versunken in sein Instrument, dem er viele ruhige Töne, elegische Akustikballaden und fast traumtänzerische Melodien entlockt, die sich dann plötzlich mit schnellen Riffs abwechseln. Der Musiker mit den langen weißen Haaren kündigt nicht jedes seiner Lieder einzeln an, sondern spielt das Programm des Abends in Blöcken. „Ihr könnt dann sortieren, was was ist“. Der international bekannte Künstler bringt fremde Klänge nach Dudenhofen, aber auch Klassiker von Fleetwood Mac und eine wunderbar verfremdete Version von „Nowhere Man“ der Beatles. „Und ganz am Schluss, wenn ihr euch nicht mehr wehren könnt, spiele ich noch eine Operette“, witzelt er. Den dritten Part übernimmt Stotzem. Der Belgier hat sich einen Namen als Fingerstyle-Gitarrist gemacht. Dabei werden die Saiten nicht mit dem Daumen, sondern mit den anderen Fingern angeschlagen. Stotzem stellt Lieder aus seinem neuen Album „To Rory“ vor, das dem irischen Blues-Rock-Gitarristen Rory Gallagher gewidmet ist. Der Höhepunkt des Abends aber ist der Song „Oasis“: Magisch klingt die Gitarre, als nordafrikanische und orientalische Klänge durch die Halle ziehen. Beim letzten Lied zieht sich Stotzem den Kopf einer Flasche über den Finger, um die Saiten anzuschlagen – die sogenannte Bottelneck-Technik.