Speyer
Live-Fußball und bayerisches Bier: Was die neuen Pächter vom „S’ Ständel“ vorhaben
Es ist ein Glück, dass die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern mit jenen des VfB Stuttgart eine lange und gepflegte Freundschaft verbindet. Sonst stünde das gemeinsame Vorhaben von René Lehr (38) und Rüdiger Andres (58) unter keinem guten Stern. Aber womöglich wären die beiden Fußballfans, von denen der jüngere den „Roten Teufeln“, der ältere den Kickern aus dem Schwabenland die Daumen drückt, sonst auch nie auf die Idee gekommen, gemeinsam eine Kneipe zu führen. So jedoch ist „alles entspannt“, sagt Andres und grinst. Im „S’ Ständel“ an der Ecke von Schwerd- und Schlesingerstraße sei übrigens jeder willkommen. Selbst Karlsruher und sogar Waldhöfer Fans habe man schon unter den Gästen gesichtet.
Die neuen Pächter des 1968 als Trinkhalle und Kiosk errichteten Flachbaus hegen zwar ihre fußballerischen Vorlieben, nach eigenem Bekunden aber keine Vorbehalte gegen Vertreter anderer Fanlager. Zu ihren jeweiligen Vereinsfarben bekennen sich Lehr und Andres gleichwohl. Der kleine Innenraum der Raucherkneipe hängt voller Fußball-Devotionalien, die Decke ist tiefrot gestrichen. An einer Wand ist ein großer TV-Bildschirm für Live-Übertragungen angebracht. „Wir haben Sky und zeigen alle Begegnungen des 1. FCK“, sagt Lehr: „Da ist die Hütte auch immer voll.“
Fußball live und draußen
Für die am 11. Juni beginnende Weltmeisterschaft haben die „Ständel“-Wirte etwas Besonderes vor. „Bei gutem Wetter zeigen wir Spiele live draußen im Biergarten“, kündigt Andres an. Jedenfalls die Partien, die vor Mitternacht ausgetragen würden. Neben rheinland-pfälzischem Bier werden auch verschiedene Gerstensäfte bayerischer Brauereien ausgeschenkt. Gereicht werden aktuell kleine Speisen aus dem Ofen wie Flammkuchen, Pizza und Baguettes. Ob man das Angebot an Nahrhaftem erweitere, müsse man noch sehen, meint Lehr. Zunächst gehe es darum, sich in der noch ungewohnten Rolle einzufinden.
Denn bis vor wenigen Monaten waren die beiden Speyerer noch auf der anderen Seite des Tresens gestanden – als Gäste. „Da haben wir mitbekommen, dass der vorherige Wirt aufhören wollte und der Eigentümer einen Nachfolger suchte“, berichtet Lehr, dessen Mutter Petra Steinert schon lange im „Ständel“ die Gäste bewirtet und gewissermaßen „die gute Seele“ der kleinen Kneipe ist. Sie ist es auch, die gemeinsam mit den Frauen der beiden neuen Pächter das Büdchen die meiste Zeit über am Laufen hält. Denn sowohl Lehr als auch Andres arbeiten hauptberuflich in der Chemie- und in der Getränke-Industrie und können daher nicht ständig selbst vor Ort sein. Geöffnet ist das „Ständel“ montags bis freitags jeweils von 9 bis 21 Uhr, am Wochenende länger. „Je nach Bedarf“, sagt Andres.
Biergarten mit „Toskana-Flair“
Helmut Steiger, Eigentümer der Gastro-Immobilie, ist überzeugt von der gefundenen Lösung. „Die Jungs und ihre Familien werden das gut machen“, gibt sich der 67-Jährige zuversichtlich. Sozusagen als Starthilfe hat der frühere Versicherungsberater nochmals einiges in das ehemalige Kiosk investiert, hat beispielsweise ein Behinderten-WC einbauen, Blumenkübel aufstellen, zwei weitere Palmen in den Biergarten setzen und diesen neu bestuhlen lassen. Der Freisitz mit seinen gut 30 Plätzen ist denn auch für Steiger wie seine Pächter der große Trumpf des Lokals. „Es soll gemütlich sein und Toskana-Flair ausstrahlen“, schildert Steiger, der selbst aus einer Gastronomen-Familie stammt, sein Konzept.
Mit den ersten Wochen in der Verantwortung sind Lehr und Andres „zufrieden“. Man habe viele Stammgäste aus der Stadt und dem Umland, aber auch einiges an spontaner Kundschaft. Vor allem Radfahrer machten an dem verkehrsgünstigen Standort gern Station, berichtet Andres. „Die Kunden kommen aus allen Schichten und Altersklassen, vom Arbeiter bis zum Anwalt“, hat Steiger beobachtet.
Sogar ins benachbarte Ausland strahlt das „Ständel“ aus: „Jeden Sonntagmorgen haben wir einen Stammtisch von Franzosen bei uns“, berichtet Pächter Andres. Wenn er sich jetzt von seinem Vermieter nun noch etwas wünschen dürfe, dann wäre das bei den sommerlichen Temperaturen „eine Dachterrasse mit Swimmingpool“, sagt der 58-jährige VfB-Anhänger und lacht. Wobei: Eigentlich stehe der Vermieter fast schon in der Pflicht für diese Attraktion, damit er weiterhin im Biergarten geduldet werde. Schließlich sei Steiger ein Fan des FC Bayern.