Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Laura Lootens beim 27. Gitarrensommer

Ein Wunderkind an der Gitarre: Laura Lootens beschließt den 27.Speyerer Gitarrensommer.
Ein Wunderkind an der Gitarre: Laura Lootens beschließt den 27.Speyerer Gitarrensommer.

Das war Weltklasse! Was die Münchner Gitarristin Laura Lootens den zahlreichen Zuhörern zum Abschluss des 27. Gitarrensommers geboten hat, hat den Atem stocken lassen.

Die Symbiose der 23-Jährigen mit ihrem Instrument war hinreißend, ihre Moderation überaus sympathisch, ihre Musik hat bezaubert.

Seit sie acht ist, geht für Lootens ohne ihre klassische Gitarre nichts mehr. Mit 14 wurde sie Jungstudentin an der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Heute unterrichtet sie dort selbst. Regelmäßig wird Lootens mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Als jüngste Preisträgerin aller Zeiten hat die Solo-Gitarristin den spanischen Andrés Segovia-Comp., einen der wichtigsten Wettbewerbe für Gitarre weltweit gewonnen.

Lootens Konzert in Speyer ist eine Liebeserklärung an die Gitarre, die Musik, den Klang.

Zärtlich berührt sie die Saiten, erzeugt ein ums andere Mal Gänsehaut-Momente mit Kompositionen des 18. bis 20. Jahrhundert. Ihre Leidenschaft für Isaac Albéniz wird deutlich, wenn Lootens von dem Komponisten erzählt, der bereits 1861 als Einjähriger von seiner Schwester am Klavier unterrichtet worden ist und im Alter von vier Jahren seine ersten Auftritte hatte. Ihren Gesang wolle sicher niemand hören, ist Lootens überzeugt und lässt ihre Gitarre alleine sprechen.

Den Klangkörper umarmen

Albeniz habe fast ausschließlich für Klavier geschrieben, dafür „viele Gitarren-Elemente geklaut und Flamenco-Elemente aufs Piano übertragen“, plaudert die Gitarristin aus dem Nähkästchen. „Asturias“ ist eines ihrer Lieblingsstücke, nach dem letzten Akkord verlässt sie die Saiten nur zögerlich, schmiegt sich an den Gitarren-Hals, umarmt den Klangkörper. Lootens gibt ein Konzert, das sich gleichzeitig zur perfekten Performance entwickelt. Jedem Stück sie eigenen Charakter. Mit viel Mut zur Pause verströmt die Gitarristin Leidenschaft und Hingabe, ihre Haare fliegen, die Finger spielen orchestral. Für jede der außerordentlichen Darbietungen erhält Lootens Szenen-Applaus und Jubel. Ihre hohe Kunst des Saitenspiels wirkt unübertroffen, authentisch, unmittelbar.

Die Geschichte der unglücklich Verliebten, Zwangsverheirateten, die Joaquín Rodrigo mit „Invocation y danza“ vertont hat, erzeugt düstere Klänge bis zum happy end. Geigenvirtuose Niccolo Paganini war nach Angaben Lootens „auch sehr gut an der Gitarre“. Seine „Grande Sonata“ für Gitarre mit Geigenbegleitung spielt die Gitarristin auch ohne Geigen-Begleitung grandios. Niemand vermisst die Violine, jeder Zuhörer nimmt den sphärischen Klang in sich auf, der die Magie der Musik begründet.

Himmel und Erde vereint

Ein Schutztuch auf jedem Oberschenkel, ein kleines Handtuch griffbereit spielt Lootens ohne Noten und Verstärker Musik, die Himmel und Erde vereint. Ihr Konzert ist ein Gesamtkunstwerk, Themen und Tempi wechseln wie selbstverständlich so wie Epochen. Für moderne Stücke stimmt Lootens die Gitarre zwei Töne tiefer als für klassische. „So entsteht eine mystische Klangfarbe“, erklärt sie. Wer zeitgenössischer Musik nicht so viel abgewinnen könne, solle die zwei modernen Sätze als Experiment einordnen, rät die Gitarristin zur Gelassenheit. Am Ende wird dieser Ausflug ins 20. Jahrhundert mit viel Beifall belohnt.

Lootens Gitarrenspiel lässt Töne wie Perlen regnen, erreicht Herzen und Seelen, macht Musik fühlbar, spürbar, wunderbar. Anspruchsvoll lässt die Gitarristin den Abend ausklingen.

Die Gitarren-Flüsterin

Den dritten Satz der „Sonata Romantica“ von Manuel Ponces hat Lootens als Zugabe ausgewählt. Der Komponist hat das Stück Franz Schubert gewidmet. Die Gitarristin schenkt es ihrem begeisterten Publikum. Auf dem letzten Abend des Gitarrensommers 2023 liegen große Erwartungen an den 28. Gitarrensommer im kommenden Jahr und vielleicht einem anderen Konzert mit der Gitarren-Flüsterin Laura Lootens.

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