Speyer Lachse sollen im Woogbach springen
Die Stille am Woogbach bei der Neumühle in Dudenhofen, wo das Kinderhospiz Sterntaler untergebracht ist, wird zurzeit immer mal wieder von ohrenbetäubendem Lärm unterbrochen. Grund dafür sind die Bauarbeiten für einen Fischpass. Er ist eins von drei Bauwerken, die es Fischen ermöglichen sollen, den Woogbach vollständig zu durchschwimmen.
Die obere Fischereibehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd möchte im Speyerbach beziehungsweise in seinem Seitenarm, dem Woogbach, sogenannte Wanderfische wiederansiedeln. Zu den Wanderfischen zählen Lachse und Aale. Hintergrund ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die vorsieht, dass alle Gewässer einen guten ökologischen Zustand aufweisen. Zurzeit können die Wanderfische, die zum Laichen an ihren Geburtsort zurückkehren, den Woogbach noch nicht vollständig durchschwimmen. Grund sind Hindernisse an der Neumühle und Wingertsmühle (beide Dudenhofen) sowie an der Schlossmühle in Hanhofen. Hannes Kopf, Vizepräsident der SGD Süd, sagte gestern Vormittag bei einer Baustellenbesichtigung, dass der Umbau an der Neumühle in Dudenhofen deshalb so wichtig sei, weil sie das erste massive Hindernis für die vom Rhein aufwärtswandernden Fische darstelle. An der Neumühle müssen die Fische eine Höhe von rund einem Meter überwinden. Um ihnen das zu erleichtern, wird dort seit Ende September ein Fischpass gebaut. Das Projekt kostet 200.000 Euro und wird mit 90 Prozent vom Land gefördert. Die restlichen 10 Prozent übernimmt laut Landrat Clemens Körner (CDU) der Gewässerzweckverband. Körner betonte, dass der Fischpass kein „neumodischer Ferz“ sei. Lachse habe es in der Gegend noch bis etwa 1900 gegeben. Das belegten Aufzeichnungen. Als sich die Wasserqualität durch die industrielle Revolution verschlechtert hat, seien die Tiere verschwunden. Außerdem machte der Landrat deutlich, dass es früher bei jeder Mühle eine Möglichkeit für Fische gegeben habe, das Bauwerk zu umschwimmen. Als die Mühlen dann jedoch aus wirtschaftlichen Gründen mit Turbinen ausgestatten wurden, war für Fische dort Endstation. Die Turbine wurde an der Neumühle ausgebaut. Den Turbinenkanal gibt es aber immer noch. Er sichert laut Thomas Loerke den Hochwasserschutz, was bedeutet, das Wasser bei Hochwasser über den Kanal abfließen kann. Loerke ist Diplom-Ingenieur bei der Neustadter Firma ipr Consult und hat den Fischpass geplant. Dieser soll Mitte Dezember fertig gestellt sein. Gestern wurden bei der Neumühle mithilfe eines Baggers große Spundbohlen in den Woogbach gerüttelt. Spundbohlen sind Stahlteile, die nebeneinander eine Spundwand ergeben. Diese Wand trennt den Fischpass von dem Turbinenkanal. Außerdem wird durch die Wand das Bett des Woogbachs beengt. Dadurch steigt in diesem Bereich der Wasserstand an. Dieser Effekt soll mithilfe von Gabionen noch einmal verstärkt werden. Gabionen sind Körbe, in die Steine gefüllt werden. Sie werden häufig als Zaun verwendet. Wenn der Wasserstand gestiegen ist, können die Fische den Höhenunterschied von etwa einem Meter überwinden. Schwimmen die Fische dann allerdings gegen den Strom den Woogbach hinauf, wie es Lachse zum Beispiel tun, treffen sie spätestens an der Wingertsmühle auf ein weiteres Hindernis. Dort soll erst 2017 gebaut werden. An der Schlossmühle in Hanhofen gestalten sich die Planungsabstimmungen laut SGD schwierig, sodass noch nicht gesagt werden kann, wann dort der Weg für Fische freigemacht werden kann. |nhe