Speyer
Kliniken sind an den Kapazitätsgrenzen
Aus dem St.-Vincentius-Krankenhaus hatte die Rettungsleitstelle für die Vorderpfalz die Nachricht schon vernommen. Jetzt kam das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus hinzu: „Die Anzahl der akuten Notfälle hat spürbar zugenommen. Die Interdisziplinäre Notaufnahme und die Intensivstation sind an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Aufgrund dessen haben wir die Innere Medizin bei der Rettungsleitstelle abgemeldet“, so Sprecherin Susanne Liebold auf Anfrage. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass in den kommenden Tagen auch Operationen verschoben werden müssen.
Beim „Vincenz“ informiert Verwaltungsdirektor Bernhard Fischer: „Von unseren neun Stationen sind nun aktuell vier Stationen geschlossen, und drei Stationen sind unsere Isolierstationen für Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung oder für Verdachtsfälle. Daneben konzentrieren wir uns auf die Versorgung Schwerkranker und haben jeglichen Routinebetrieb eingestellt.“ In dieser Klinik gab es vorige Woche auch größeren Ausfall beim Personal, der diese Woche unverändert sei, während das „Diak“ von „einigen wenigen“ Corona-infizierten Mitarbeitern spricht. Eine deutlich größere Anzahl sei allerdings in Quarantäne oder Mutterschutz: „Diese Ausfälle sind immer schwerer abzufangen.“
Fälle in Großeinrichtungen
Hintergrund der Entwicklung sind die seit Wochen hohen Infektionszahlen in Speyer sowie im Rhein-Pfalz-Kreis. Speyer hat Ausbrüche in mindestens vier Seniorenheimen zu verzeichnen, und am Dienstag wurden auch nochmals 13 Neuinfektionen aus der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) vermeldet: „Derzeit sind 169 Personen in Separierung beziehungsweise Quarantäne, davon 23 positiv getestete Personen in der Sporthalle“, so das Land als Träger. Aus dem Awo-Seniorenhaus Burgfeld mit 57 infizierten Senioren und elf Mitarbeitern gab es laut einer Sprecherin am Dienstag keine neuen Hiobsbotschaften.
Gerade Infizierte in Altersheimen gehören zur Risikogruppe. Das Salier-Stift hatte von zuletzt zwölf nach oder mit Coronavirus verstorbenen Bewohnern berichtet, im Storchenpark waren es acht. „Alle hatten schwere Vorerkrankungen. Hier gilt unser tiefes Mitgefühl mit Anteilnahme den Angehörigen“, so eine Sprecherin von Träger Alloheim.
Beatmung läuft
„Zurzeit haben wir wieder viele ältere Covid-19-Patienten“, heißt es im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus. In diesem wurden am Dienstag insgesamt 28 Infizierte betreut, davon sieben auf der Intensivstation unter Beatmung. Im „Vincenz“ waren es 40, drei mehr als am Montag, zudem sechs Verdachtsfälle. Fünf der acht Intensivpatienten würden beatmet, so Bernhard Fischer.
Zur Sache: Kontrolle der Ausgangsbeschränkungen
Die Nacht auf Dienstag war die erste, in der in Speyer eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr galt. Bürger dürfen seither in dieser Zeit nur mit triftigem Grund ihre Wohnung verlassen; private Treffen sollen weiter verringert werden, um die hohen Corona-Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Am Mittwoch zieht der Rhein-Pfalz-Kreis nach.
Die neue Vorschrift muss kontrolliert werden. Dafür waren in der ersten Nacht der Kommunale Vollzugsdienst (KVD) der Stadt – von 21 bis 0 Uhr – und dann „in Amtshilfe“ die Polizei unterwegs. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, hat der KVD rund 25 Personen kontrolliert, wobei der größte Anteil einen triftigen Grund gehabt habe: „Dieser bezog sich in der Regel auf die Fahrstrecke von der Arbeit nach Hause beziehungsweise zur Arbeitsstelle hin.“ Bei fünf Personen sei dies aber nicht der Fall gewesen; sie seien mündlich verwarnt worden.
Ab Dienstagabend wird laut Stadt eine erstmalige Zuwiderhandlung gegen die Ausgangsbeschränkung mit der Einleitung eines Bußgeldverfahrens über 150 Euro geahndet. Das Vorliegen eines triftigen Grundes müsse im Zweifel belegt werden, teilt sie auf Anfrage mit. Sie empfehle Arbeitgebern, ihre Mitarbeiter mit entsprechenden Schreiben auszustatten.
Die Polizei berichtet von rund 100 Kontrollen unter ihrer Verantwortung, die sich auf den Fahrzeugverkehr konzentriert hätten. Auch hier habe es sich überwiegend um Arbeitspendler gehandelt. Acht Personen hätten Verstöße begangen, die der Stadtverwaltung gemeldet würden. Allgemein sei die Stadt „fast menschenleer“ gewesen, so Sprecherin Ghislaine Werst.