Speyer Klezmer, sepharische Musik und mehr bei den Dommusiktagen

Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.
Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.

Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel, boten ihr Programm „Klezmer plus“, das Ensemble La Rosa Enflorece musizierte nicht nur sephardische Lieder.

Traditionell ist ein Konzert des Internationalen Orgelzyklus’ auch Teil der Dommusiktage. Dieses passte thematisch in diesem Jahr wieder sehr gut in den Gesamtzusammenhang. „Klezmer plus – Klarinette und Orgel“ hieß der Abend mit den Brüdern Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel, der die große Orgel einmal aussparte und auf dem randvoll besetzten Königschor stattfand. Hatte es im Mittelalterkonzert mit Lucidarium mittelalterliche Musik der aschkenasischen Juden gegeben, so stand hier deren Festmusik aus späteren Zeiten im Focus.

Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.
Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.

Klezmermusik hat in den vergangenen Jahrzehnten große Popularität erlangt. Der wohl bekannteste Klezmorim, der Klarinettist, Giora Feidman ist regelmäßig in Speyer zu erleben. Die Einrichtung für Klarinette und Orgel von Christian und Daniel Wolf ist auch von großem Reiz. Allein 17 Klezmerstücke vielfältiger Art boten beide bei ihrem Konzert im Dom und zeigten ihre Affinität zu dieser Musik. Kombiniert hatten sie Klezmer mit Musik der Renaissance und des Barocks, die in ihrer sinnlichen, tänzerischen und spielerischen Anmutung gut dazu passte. Also gab es altenglische Maskentänze oder Adaptionen von Liedern John Dowlands, dazu eine Fuge von Buxtehude und eine Chaconne von Henry Purcell.

Meditativ und bei der Klarinette schön den Raum einbeziehend waren zwei Soloimprovisationen. In eine andere Welt für die erste Gnossienne von Erik Satie, eigentlich für Klavier, aber auch für Klarinette und Orgel sehr versonnen und effektvoll. Der Abend zwischen meditativer Ruhe und tänzerischer Bewegung war ein passender Akzent bei den Musiktagen und belegte nicht zuletzt auch die Meisterschaft der beiden Musiker.

Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.
Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.

Sephardische Musik plusAuch die Musik der vor ihrer Vertreibung in Spanien und Portugal lebenden Juden wurde bei den Dommusiktagen vorgestellt. Und wer hätte das besser machen können, als das mit Speyer eng verbundene Ensemble La Rosa Enflorece mit Almut Fingerle, Gesang, Percussion und Barockgeige, Almut Werner, Blockflöten, und Johannes Vogt, Theorbe. Wie der Name andeutet, widmet sich das nun als Trio spielende Ensemble der Musik der Sephardim.

Christian Wolf, Klarinette.
Christian Wolf, Klarinette.

Für das Nachtkonzert in der Krypta des Domes hat das Ensemble eigens ein Programm konzipiert, das Stücke aus dem Repertoire mit neuen Beiträgen verband. Es war auf den geistlichen Raum ausgerichtet. Wie immer hatte das Konzert einen Titel. Der war dieses Mal „Ich sehe schon den Himmel offen“. Das ist der Anfangsvers der Schlussarie aus Georg Philipp Telemanns herrlicher Kantate „Erquicktes Herz“, deren Eingangsarie auch erklang. In der zweiten Abteilung rahmten diese Arien ein anderes barockes Stück, ein Kaddisch (das wohl wichtigste jüdische Gebet) in einer Vertonung des jüdischen Komponisten Salomone Rossi, der um 1600 lebte, ein. Und das am Abend von Yom Kippur.

Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.
Christian Wolf, Klarinette, und Daniel Wolf, Orgel.

Im ersten Teil „Abraham und Maria“ gab es nach einem sephardischen Lied, dessen Melodie am Endes des Konzertes mit einem anderen Text wieder erklang, Stücke aus den christlichen Cantigas de Santa Maria. Schon hier überzeugten Einrichtung und Vortrag der Stücke. Almut Fingerle sang mit überaus feiner Tongebung und differenzierter Diktion. Almut Werner spielte ebenso klangschön wie virtuos und geschmackvoll verzierend auf Blockflöten aller Arten. Johannes Vogt bot das harmonische Fundament, seinen Part immer kunstvoll improvisierend. Dass das Ensemble seinen ganz eigenen Stil pflegt, wurde aufs Schönste erlebbar.

La Rosa Enflorece in der Krypta.
La Rosa Enflorece in der Krypta.

„Sterne am Himmel“ war der Titel des dritten Kapitels (das Programm wurde von den beiden Musikerinnen ansprechend und erhellend moderiert), bei dem neben zwei Sätzen aus Vivaldis Flautino-Konzert, einem christlichen und einem sephardischen Lied auch der Hymnus „Ave Maris Stella“ aus Monteverdis Marienvesper erklang. „Lob und Preis“ beschloss den Abend mit einem freudigen Gloria von Luigi Balbi, dem Lied zum Namen des Ensembles und dem sephardischen Shalom Alechem. Dazwischen gab es auch hier eine Klezmernummer.

La Rosa Enflorece in der Krypta.
La Rosa Enflorece in der Krypta.

Das Krypta-Konzert sorgte für eine weitere aparte und außerordentlich anmutig vorgetragene Farbe im Kontext des Festivalprogramms, das mit seinen Verweisen und Bezügen zwischen jüdischer und christlicher Musik- und Glaubenstradition nicht zuletzt auch eine wichtige Botschaft vermittelt.

La Rosa Enflorece in der Krypta.
La Rosa Enflorece in der Krypta.
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