Speyer Kirchliche Versäumnisse und königliche Gesten

Ein Stück Brezel-Bruch sollte auch für sie abfallen: Diese Gruppe angelte sich mit einem „Guzle-Eimer“ Süßigkeiten beim Brezelfe
Ein Stück Brezel-Bruch sollte auch für sie abfallen: Diese Gruppe angelte sich mit einem »Guzle-Eimer« Süßigkeiten beim Brezelfestumzug.
Siegreich

Die Teilnehmer des Festumzugs 2017 haben sich reichlich Mühe gegeben, sich für mehr als 10.000 Zuschauer in Szene zu setzen. Einigen ist das besonders gut gelungen, so die Meinung der Umzugsjury. Wie die ihre Punkte vergeben hat, gab Sprecher Heinz-Dieter Jakumeit gestern beim Frühschoppen des Verkehrsvereins im Biergarten des „Schwarzwaldhaisl“ bekannt. Sieger bei den Musikgruppen wurde der Spielmannszug der königlich-bayerischen Landwehr Esslingen. Lohn: 200 Euro. Mit selbst gestalteten Karussells überzeugten die Turnerfrauen der TG Waldsee bei den Fußgruppen am meisten. Prämie: 300 Euro. Bei den Festwagen siegte die Sängervereinigung Iggelheim mit ihrem Piratenschiff, was ebenfalls mit 300 Euro belohnt wurde. Tränenreich Ein „Applausometer“ ist schon eine gemeine Sache. Vor allem, wenn man sich die noch so kleine Kehle aus dem Leib schreit für die persönliche Favoritin. Das Letzte holte die vierjährige Marla aus sich raus, um Verena Weiss auf den Thron der Brezelkönigin zu helfen, setzte lautstark in die „Verena“-Sprechchöre ein, schrie, stampfte, klatschte. Alles vergebens: Weiss wurde nur Zweite. Böse Brezelfestwelt. Während Weiss das Gänsehautgefühl des Jubels dennoch genoss, kullerten bei Marla die Tränen. Erst auf dem Arm der Beinahe-Königin beruhigte sich das Kind der besten Freundin und schenkte Weiss die eigene Pappkrone als Entschädigung. Eine königliche Kindergeste. Überraschungsreich Franz Hammer hat’s fast befürchtet: Das verflixte siebte Jahr als Marktmeister hatte es in sich. Kurzfristige Absagen, Lückenfüller suchen, bis kurz vor (und auch nach) knapp organisieren. „Sieben Kilo hat er abgenommen in den sechs Tagen“, sagte Verkehrsvereinschef Uwe Wöhlert samt Ergänzung: „Manchmal habe ich das Gefühl, die nehme ich zu.“ In Reimform machte er Hammer aber Mut für neue Taten: „Hammer Franz, du bischd de Beschd, doin Ärger verraucht bis zum Altstadtfeschd.“ Abwechslungsreich Anekdoten gibt’s genug zu berichten vom Frühschoppen des Verkehrsvereins. Wichtiges und Wissenswertes auch. So die Kunde, dass OB Hansjörg Eger die Brezelkönigin näher kennt – dank Ehefrau Colleen, deren Schülerin sie war. Sich mit der plötzlichen Monarchie in Speyer anzufreunden, dauerte bei ihm dennoch ein bisschen – aber er wird’s verkraften. Wohler fühlte sich der Herr mit einem neuen „Strick“ um den Hals: einem eleganten Krawatten-Schmuckstück, handbemalt von Ursel Ruhl und mit Mini-Bierkrug garniert. Ein Hingucker. Verlustreich „Luther meets Brezel“: Das Motto für den diesjährigen Brezelfest-Umzug hat der Verkehrsverein passend zum Reformationsjubiläum gewählt. Die Zusage der Evangelischen Landeskirche, dafür den „Lutherwagen“ des Mainzer Rosenmontagszugs zur Verfügung zu stellen, habe das Umzugskomitee absolut begeistert, berichtet Organisationschef Mike Oehlmann von der Aussicht auf einen Mottowagen der Extraklasse, bestückt mit hoher Geistlichkeit. Die Hochstimmung habe angehalten, bis die Hiobsbotschaft der Protestanten – „Der Reformationswagen kommt nicht“ – am Samstag alles zunichte gemacht habe. „Wir sind untröstlich“, betont Pfarrerin Mechthild Werner, Projektleiterin der Landeskirche, auf Anfrage. Auch sie und Pfarrer Ralph Gölzer wären gerne durch Speyer gefahren. „Das ganze Wurfmaterial liegt bereit“, sagte Werner am Samstag. Gescheitert sei die gute Idee am Transport des närrischen Gefährts von Mainz nach Speyer. Die Landeskirche habe sich für einen Traktor als Zugpferd entschieden. „Das hat sich am Freitag als unmöglich herausgestellt.“ Es hätten PS und wohl auch eine bessere Kommunikation gefehlt. Der Festwagen solle demnächst nach Worms gebracht werden. „Leider können wir uns dafür nichts kaufen“, bedauert Oehlmann den Ausfall in Speyer.

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