Speyer Kein Geheimrezept, aber viel Erfahrung

Seit 1972 Helfer beim Fischerfest: Klaus Tremmel.
Seit 1972 Helfer beim Fischerfest: Klaus Tremmel.

«Waldsee.» Klaus Tremmel (60) Vorsitzender des Angelsportvereins hat im Moment alle Hände voll zu tun. Das 71. Fischerfest, eine der größten Veranstaltungen in Waldsee wird am kommenden Wochenende in der Sommerfesthalle gefeiert. Ein Riesen-Fest für einen doch relativ kleinen Verein mit 220 Mitgliedern. An die 70 Helfer sind im Einsatz. Im Gespräch mit Christine Kraus erzählt Tremmel von Traditionen und neuen Wegen.

Herr Tremmel, können Sie sich noch an ihr erstes Fischerfest erinnern? Wie war das?

Das war 1972, da war ich noch Jugendangler und habe mitgeholfen. Es war das letzte wirklich große Fischerfest, das wir drei Tage lang in einem Zelt, in das 2500 Personen passten, gefeiert haben. Das Zelt stand dort, wo heute die Sommerfesthalle ist. Es hat sich aber in dieser Form nicht mehr rentiert. 1973 war ich fest eingespannt zum helfen. Da haben wir das erste Fischerfest auf der Au gemacht und dazu sechs kleinere Zelte aufgestellt. Es war ein Versuch, aber 1973 war so ein Schnakenjahr, wir sind schier aufgefressen worden. Auf die Au wollten wir nicht mehr hin. Dann sind wir wieder auf den Sommerfestplatz mit unseren fünf Zelten, bis Ende der 1970er Jahre die Sommerfesthalle gebaut wurde. In den 1950er Jahren wurde das Fest übrigens auf dem Schwanenplatz gefeiert. Wie ist das mit dem Fisch? Immer noch so gut wie in den Anfangsjahren? Ja. Die Rohware kommt ja im Prinzip alle von der Deutschen See GmbH, die sie an Fischhändler verkauft. Wir haben Zander, Zanderfilet und Merlan im Angebot und nehmen da beste Qualität. Blaufelchen und Forellen gab es früher, das wird nicht mehr so nachgefragt. Man hört immer, die Angler haben eine spezielle traditionelle Würzmischung, ein Geheimrezept, das nicht verraten wird. Das stimmt gar nicht. Richtig ist, dass wir jahrelange Erfahrung haben und wissen wie man gute Würzmischungen macht. Aber wir probieren schon immer wieder etwas Neues aus. Natürlich testen wir das, bevor wir es auf dem Fischerfest im großen Maßstab machen. Es gibt noch andere Neuigkeiten in der Fischbäckerei. Ja, da ist gerade so eine Art Generationenwechsel im Gange. Dieses Jahr backen wir zum ersten Mal seit 70 Jahren in Fritteusen und nicht mehr in den guten alten Kesseln. Die sind unheimlich schwer und schwer zu regulieren. Wir waren in den letzten Jahren sowieso eine der wenigen Vereine, die das noch so gemacht haben. Viele Vereine im Umkreis backen ja heute gar nicht mehr selber. Die jungen Leute, die nun helfen, wollen Fritteusen. Wir werden am Freitagabend sicher eine Generalprobe machen, bevor es ernst wird. Sie laden beim Fischerfest immer die ältesten Männer des Dorfes zum Fischessen ein. Und was ist mit den Frauen? Das ist halt so Tradition. Oder wie es immer heißt: Das war schon immer so. In einem Jahr haben wir tatsächlich mal Frauen eingeladen, aber da ist nur eine gekommen. Es war auch schon Thema beim Ortskartell. Dort habe ich vorgeschlagen, dass bei der Kerwe dann die Frauen bewirtet werden. Tradition war auch, dass der Spielmannszug immer zum Auftakt gespielt hat. Ja, das war schön, wenn die abends ins Zelt gelaufen sind. Aber die haben sich ja aufgelöst. Vielleicht holen wir nächstes Jahr mal einen anderen Spielmannszug. Wenn wir schon bei der Musik sind: Was läuft denn so in der Halle? Schlager-Mix vom Duo Harmony. Das ist der Veranstaltung angepasst. Die Leute wollen in Ruhe ihren Fisch essen, da kann man keine laute Rockmusik brauchen. Und am Sonntag gibt es gar keine Musik, nur Fisch. Was ist für Sie der schönste Moment auf dem Fischerfest? Ehrlich gesagt: Wenn es vorbei ist. Mir macht das schon Spaß, aber man ist froh wenn alles läuft, kein Unwetter kommt und ein bisschen was in der Kasse bleibt. Davon finanzieren wir unseren Fischbesatz. Dieses Jahr ist es ein bisschen schwer zu kalkulieren wegen der Fußball-WM.

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